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Nach Milliardenverlust

Was geschieht mit Singapore Airlines' A380?

Singapore Airlines war in der Vergangenheit stets Garant für gewinnbringendes Wirtschaften. Die Corona-Pandemie hat die Fluglinie jedoch besonders hart getroffen. Singapore prüft nun die Verkleinerung der Flotte – das könnte vor allem das bisherige Flaggschiff treffen.

99,5 Prozent weniger Passagiere und ein Verlust von einer Milliarde Singapur-Dollar (620 Millionen Euro): Die Quartalszahlen, die Singapore Airlines in dieser Woche für sich und die beiden Töchter Silk Air und Scoot präsentierte, ließen bei den Beteiligten wenig Grund zur Freude. Die Krise hat die Premium-Airline aus Südostasien mit voller Wucht erwischt – lediglich 32000 Fluggäste reisten zwischen dem 1. April und dem 30. Juni mit Singapore, 2000 mit Silk Air und 4000 mit Scoot. Auch die Prognosen für die kommenden Monate versprechen wenig Aussicht, bald auch nur annähernd auf Augenhöhe zu den Vorjahreszahlen zu gelangen.

Kritischer Blick auf die Flotte

Als Konsequenz daraus wird das Management von Singapore Airlines in den kommenden sechs Monaten einen besonders kritischen Blick auf Größe und Struktur der Flugzeugflotte werfen. "Dies wird zu einer besseren Klarheit über die Flottengröße und -mischung führen, die der Konzern künftig benötigt", heißt es dazu im aktuellen Geschäftsbericht. Zum Einen prüft Singapore die Auslieferungen neuer Jets von Airbus und Boeing. Diese sollen möglichst verschoben werden. Mit Airbus habe man diesbezüglich schon eine Eingiung für die noch ausstehenden drei A350-900 erzielt, heißt es aus Singapur, ohne dabei genauer ins Detail zu gehen.

Patrick Zwerger
Mit Airbus hat Singapore Airlines laut eigenen Angaben eine spätere Lieferung der drei noch bestellten A350-900 vereinbart.

Ältere Flugzeuge im Visier

Vor allem aber dürfte sich die Kostenanalyse auf die Bestandsflotte konzentrieren, die insgesamt derzeit 220 Flugzeuge umfasst – und hierbei insbesondere auf die 19 Airbus A380. Keiner der Superjumbos ist im vergangenen Quartal geflogen. Sieben stehen eingelagert in der Wüste von Alice Springs (Australien), der Rest parkt ebenfalls untätig auf dem Heimatflughafen Singapur-Changi. Bislang hielt sich Singapore hinsichtlich der Zukunft ihrer Doppelstock-Flaggschiffe bewusst bedeckt und verwies stets darauf, alles hänge davon ab, wie schnell sich die Nachfrage auf den entsprechenden Strecken erhole. Im aktuellen Geschäftsbericht geht die Airline allerdings auf Distanz zur A380 und nennt diese als einziges Muster explizit: Die Überprüfung der Flotte "dürfte zu einer wesentlichen Beeinträchtigung der Buchwerte von Flugzeugen der älteren Generation führen, insbesondere der A380, die etwa eine Milliarde Singapur-Dollar ausmachen würde."

Weniger A380? Oder gar keine mehr?

Was das für das weitere Schicksal der Singapore-A380 bedeutet, ist noch nicht klar. Die Airline erwartet die Ergebnisse der Analyse zum nächsten Quartalsende. Es scheint jedoch nur schwer vorstellbar, dass Singapore Airlines auch in Zukunft mit allen A380 plant. Wahrscheinlicher ist, dass insbesondere die älteren Exemplare nicht mehr in den Dienst zurückkehren. Sieben der 19 A380 haben mehr als zehn Jahre auf dem Buckel. Das ist an sich betrachtet nicht viel, allerdings haben Airlines in den vergangegen Monaten bereits deutlich jüngere Maschinen aufs Abstellgleis gestellt. Auch eine totale Ausmusterung der A380 bei Singapore ist deshalb ein denkbares Szenario.