in Kooperation mit
Boeing
13 Bilder

Adler mit langem Atem

Die neuen Versionen der Boeing F-15 Eagle

Seit bald fünf Jahrzehnten verlassen Eagles die Montagehallen in St. Louis, und ein Ende ist nicht abzusehen. Im April startete die F-15QA-Version für Katar zum Erstflug, jüngst bestellte die US Air Force ihre ersten neuen F-15EX. Was macht die neuen Versionen aus?

Gleich mit einem "Viking"-Start begann Boeings Cheftestpilot Matt Giese am Ostermontag die Flugerprobung der bisher fortschrittlichsten Version der einst von McDonnell Douglas entwickelten Eagle. Nachdem er die noch unlackierte F-15QA sofort nach dem Start fast senkrecht nach oben gezogen hatte, arbeitete Giese während des 90-minütigen Flugs ein umfangreiches Versuchsprogramm ab. Das Mehrzweckkampfflugzeug demonstrierte seine Manövrierfähigkeit im Testluftraum bis maximal neun g. Auch die Überprüfung von Systemen wie Avionik und Radar war erfolgreich, so Boeing.

Lange Geschichte

Die Eagle, die im Juli 1972 auf der Edwards Air Force Base erstmals geflogen war, hat damit ein weiteres Kapitel in ihrer langen Geschichte aufgeschlagen – ermöglicht nicht durch das Pentagon, sondern mit Milliarden des kleinen Emirates Katar, das seine Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft derzeit in aufwendige Aufrüstungsprogramme investiert, die nicht immer der Logik folgen. So hat Katar neben der F-15QA im April 2015 auch 24 Dassault Rafale und im September 2017 zwei Dutzend Eurofighter bestellt.

Boeing
Die F-15QA, die seit Mitte April fliegt, ist die derzeit modernste Version der Eagle.

Was den Kauf in den USA betrifft, genehmigte das Außenministerium in Washington am 17. November 2016 die Lieferung von bis zu 72 Boeing F-15QA, ein Geschäft, das sich inklusive Bewaffnung, Ausbildung und logistische Unterstützung auf nicht weniger als 21 Milliarden Dollar (18,5 Mrd. Euro) summieren könnte. "Dieser (…) Verkauf verbessert (...) die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten, indem er dazu beiträgt, die Sicherheit eines befreundeten Landes zu erhöhen und unsere strategisch wichtige Beziehung zu stärken", hieß es damals. Schließlich haben die US-Streitkräfte zum Beispiel ein hohes Interesse daran, die auf der Halbinsel praktisch mitten im Persischen Golf gelegene große Luftwaffenbasis Al Udeid weiter zu nutzen.

Katar könnte bis zu 72 Flugzeuge kaufen

Vorerst umfasst das über das Pentagon abgewickelte Foreign-Military-Sales-Programm 36 Flugzeuge, für die Boeing am 22. Dezember 2017 offiziell einen Auftrag in Höhe von 6,173 Milliarden Dollar (5,4 Mrd. Euro) erhielt. Eine weitere Milliarde kam seither für Infrastrukturmaßnahmen vor Ort dazu. Die Lie-ferungen der ersten sechs Flugzeuge ist ab März 2021 geplant, alle 36 Maschinen sollen bis Ende 2022 fertig sein. Sollte Katar ein weiteres Los von 36 F-15QA bestellen, würden diese bis 2025/2026 gebaut.

Katar erhält wie eingangs erwähnt eine weiter verbesserte Ausführung der Eagle. Erstmals wird das Zweimann-Cockpit mit Großdisplays (25,4 x 48,2 cm) von Elbit USA ausgestattet, sodass die F-15QA diesbezüglich zur F-35 aufschließt. Dazu kommt ein neues Head-up-Display von Elop. Sowohl Pilot als auch Waffensystemoffizier erhalten Helmvisiere (Joint Helmet Mounted Cueing System) für die schnelle Zuweisung von Luft- und Bodenzielen.

Boeing
Singapur verfügt über 40 F-15SG, die zum Teil in Mountain Home in den USA stationiert sind.

Erhöhte Lebensdauer mit modifizierter Zelle

Als erster Exportkunde erhält Katar das neueste APG-82-Radar von Raytheon. Es hat laut Hersteller die größte Antennenfläche aller Radare mit elektronischer Strahlschwenkung und bietet somit neben flexiblen Betriebsarten für Luft-Luft- und Luft-Boden-Einsätze eine sehr hohe Reichweite gegen feindliche Luftfahrzeuge.

Neben der Nutzung neuester Systeme hat Boeing für die F-15QA auch an der Zelle gearbeitet. Die Struktur der Tragflächen wurde bei gleichem äußeren Profil nochmals neu durchgerechnet und hinsichtlich geringerer Produktionskosten und längerer Lebensdauer optimiert. Auch die Bugsektion passte der Hersteller an, um mehr Platz für das Radar und sonstige Avionikgeräte zu schaffen. Die Lebensdauer der Eagle soll nun bis zu 20 000 Flugstunden betragen. Ansonsten baut die QA-Version auf die zuletzt gebaute F-15SA für Saudi-Arabien auf. So erfolgt die Flugsteuerung nun über ein Fly-by-Wire-System, was zwar den Flugbereich nicht erweitert, aber das Verhalten des Fighters insgesamt optimiert. Als Konsequenz ist es zum Beispiel möglich, zwei weitere Pylone unter den Flügeln zu verwenden, für dann insgesamt elf Waffenstationen. Daran ließen sich laut Boeing nicht weniger als 16 AIM-120 AMRAAM, vier AIM-9X Sidewinder und zwei AGM-88 HARM oder 16 Small Diameter Bombs und vier AIM-120 mitführen.

Neben dem Radar hat die F-15QA wie gewohnt auch zahlreiche weitere Sensoren: den AAQ-13-LANTIRN-Navigationsbehälter für den Geländefolgeflug, den AAQ-33-Sniper-Zielbehälter und das AAS-42-Infrarotsystem "Tiger Eyes" (IRST – Suche und Zielverfolgung im Infrarotbereich). Zur Ausstattung zählt ferner das digitale EloKa-System ALQ-239 (DEWS – Digital Electronic Warfare System) und das Lenkwaffen-Warnsystem AAR-57 (CMWS – Common Missile Warning System). Nicht zu vergessen ist auch der Advanced Display Core Processor II von Honeywell, angeblich der leistungsstärkste Rechner, der derzeit in einem Kampfjet verwendet wird und der eine verbesserte Integration aller Systeme ermöglichen soll. Als Antrieb wählte Katar das bewährte F110-GE-129E von GE Aviation.

26 Bilder

Mehr Feuerkraft als die Stealth-Fighter

Insgesamt ist die F-15QA damit ein wendiger, insbesondere auch mit Selbstschutzsystemen sehr modern ausgestatteter Waffenträger (bis zu 13 380 Kilogramm Außenlasten), dem allerdings Stealth-Eigenschaften fehlen. Boeing argumentiert jedoch, dass auch in Zukunft ein Flottenmix sinnvoll ist mit einem Muster, das erheblich höhere Feuerkraft als die F-35 und die F-22 an die Front bringt – und das zu Beschaffungs- und Betriebskosten, die deutlich unter denen der Tarnkappen-Modelle liegen.

Diese Argumentation wurde zuletzt auch von der US Air Force aufgegriffen, die lange strikt nur Fighter der fünften Generation (sprich F-35A) beschaffen wollte. Nun wird die F-15EX, die der Version für Katar plus einiger US-spezifischer Systeme entspricht, als finanzierbare Ergänzung gesehen, um die Kampfflugzeug-Flotte zu modernisieren (der Kauf von 72 Flugzeugen pro Jahr ins- gesamt ist das Ziel). Mit dem Kauf neuer Eagles könnte man sich auch die Aufrüstung der vorhandenen F-15C-Flotte sparen, bei einem einfachen Übergang für die Staffeln. Zu guter Letzt wird auch Boeing als einziger Fighter-Produzent neben Lockheed im Spiel gehalten.

USAF
Auch F-15C Eagle leisten immer noch wertvolle Dienste bei der USAF, wie hier in Lakenheath.

Bis zu 144 neue Eagles für die US Air Force

Im Verteidigungshaushalt 2020 hat der Kongress 1,05 Milliarden Dollar (890 Mio. Euro) für die F-15EX eingestellt, inklusive der Beschaffung der ersten acht Flugzeuge. Mitte Juli erhielt Boeing schließlich den lange erwarteten Auftrag, der nun mit knapp 1,2 Milliarden Dollar beziffert wird. Im noch längst nicht verabschiedeten Haushalt 2021 will das Pentagon 1,27 Milliarden Dollar für zwölf Flugzeuge ausgeben. Bis zu 144 neue Eagles könnten über die kommenden Jahre beschafft werden, heißt es, was allerdings keineswegs sicher ist. Sollte es jedoch so kommen und auch Israel neue F-15IA erhalten, würden F-15 auch mehr als 50 Jahre nach dem Erstflug noch gebaut – ein Rekord für Kampfjets.

USAF
Südkorea hat seine 41 F-15K sowohl mit F100- als auch F110-Triebwerken ausgerüstet.

Technische Daten

Boeing F-15E/K/SG/QA

Besatzung: 2 auf ACES-II-Schleudersitzen
Antrieb: 2 x Pratt & Whitney F100-PW-220 oder F100-PW-229
Antrieb F-15K/SG/QA: 2 x General Electric F110-GE-129
Schub F100-PW-229: mit Nachbrenner 131 kN
Schub F110-GE-129: mit Nachbrenner 131 kN
Länge: 19,43 m
Höhe: 5,63 m
Spannweite: 13,05 m
Flügelfläche: 56,5 m²
Leermasse: 14 515 kg
Kraftstoff intern: 7645 l
Zusatzkraftstoff in FAST-Packs/CFTs: ca. 2840 l
Zusatztanks: max. 3 x 2310 l
Waffenzuladung max.: 11 115 kg
Startmasse: 36 740 kg
max. Landemasse: 20 095 kg
max. Horizontalgeschw.: Mach 2.5
Dienstgipfelhöhe: 18 290 m
Startrollstrecke: 275 m
Landerollstrecke: 762 m
max. Einsatzradius: 1270 km
Überführungsreichweite: 4445 km

Bewaffnung: interne 20-mm-Kanone M61A-1 mit 512 Schuss
F-15E: 4 x AIM-7, 4 x AIM-9L/M/X Sidewinder, 8 x AIM-120, 6 x AGM-65 Maverick, AGM-88 HARM, AGM-130, AGM-154 JSOW, 20 x Mk 20 Rockeye, 26 x Mk 82, 7 x Mk 84, 26 x BSU-49, 7 x BSU-50, 7 x GBU-10, 15 x GBU-12, 2 x GBU-15, 5 x GBU-24, GBU-28, GBU-39 Small Diameter Bomb, 25 x CBU-52, 25 x CBU-58, 25 x CBU-71, 25 x CBU-87, 25 x CBU-89, JDAM, WCMD, SUU-20, Nuklearbomben B57 und B61.
F-15K: Bewaffnung ähnlich F-15E plus AGM-84D Harpoon und AGM-84E SLAM-ER
F-15Q: unter anderem AIM-120C, AIM-9X Sidewinder, AGM-88 HARM, AGM-84L Harpoon, AGM-154 JSOW, AGM-65H/K Maverick, GBU-31, GBU-38, GBU-54, GBU-56