28.09.2016
Erschienen in: 07/ 2011 Klassiker der Luftfahrt

Seltene Prototypen der BundeswehrWehrtechnische Studiensammlung Koblenz

Die Wehrtechnische Studiensammlung in Koblenz bietet eine der größten technischen Kollektionen Deutschlands und verfügt auch über seltene Fluggeräte.

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Technikfreunde kommen in Koblenz auf ihre Kosten: Auf 7200 Quadratmetern dokumentiert die Ausstellung die nationale und internationale Wehrtechnik von ihren Anfängen bis heute. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Material der Bundeswehr. Dabei handelt es sich aber nicht um ein Museum: „Unsere Aufgabe ist die Darstellung der technischen Entwicklung“, sagt Lothar Simon, Technischer Leiter der Institution. Die Einrichtung ist Teil des ebenfalls in Koblenz beheimateten Bundesamts für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB), das in seinen Wehrtechnischen Dienststellen - wie etwa für den Luftfahrtbereich der WTD 61 in Manching - jeweils neues Gerät für die Bundeswehr erprobt. Daher hat die Wehrtechnische Studiensammlung (WTS) Zugriff auf die verschiedensten Prototypen, die sonst nirgends zu sehen sind. Teilweise dürfen sie sogar aus Geheimhaltungsgründen noch nicht in Koblenz ausgestellt werden.

Die Exponate sind nicht demilitarisiert, wie Simon erklärt. „Wir sind eine Studiensammlung, kein Museum. Ich versuche, alles komplett und funktionsfähig zu halten.“ Da dies in der Ausstellung nicht immer möglich ist, besitzt die WTS von wichtigen Geräten weitere Exemplare in verschiedenen Depots in Deutschland. Die Aus- und Fortbildung dient vor allem der Darstellung der Vor- und Nachteile der jeweiligen Geräte und richtet sich hauptsächlich an Ingenieure des BWB sowie an Techniker der Bundeswehr und der Industrie. Daher muss das Personal immer auf dem neuesten Stand sein und hat Zugriff auf die jeweiligen Erprobungsberichte. Die Sammlung leistet aber auch einen Beitrag zur Vorbereitung von Auslandseinsätzen wie etwa in Afghanistan. Allein im vergangenen Jahr kamen knapp 100 entsprechende Anfragen nach Waffen, auf die man eventuell im Einsatz stoßen könnte.

Die WTS wurde ursprünglich 1962 in Meppen eingerichtet. Nach dem Umzug nach Koblenz im Jahr 1982 kann auch die Öffentlichkeit die zahlreichen Exponate besichtigen. Pro Jahr verzeichnet die Sammlung rund 30000 Besucher, die Hälfte davon kommt zu offiziellen Studienzwecken.

Besonders beeindruckend in der großen Ausstellungshalle sind die VFW-Fokker VAK 191 B und der Lockheed F-104G Starfighter CCV (Control Configured Vehicle). Bei der VAK 191 handelt es sich um den zweiten Prototyp des Senkrechtstarters, der per Lufttransport als Außenlast einer Sikorsky CH-53G nach Koblenz kam. Der Starfighter diente Versuchen mit einer digitalen Flugsteuerung und absolvierte seinen Erstflug am 20. November 1980 in Manching. Ein zweites Höhenleitwerk auf dem Rumpfrücken machte das Flugzeug aerodynamisch instabil, so dass das Fly-by-Wire-System die Steuerung entsprechend beeinflussen musste. Das Programm wurde 1984 nach 176 Testflügen erfolgreich abgeschlossen und lieferte wichtige Erkenntnisse, die später der Entwicklung der Flugsteuerung des Eurofighters zugute kommen sollten.


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Patrick Hoeveler
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