29.12.2017
Erschienen in: 02/ 2014 Klassiker der Luftfahrt

Drehflügler-MekkaThe Helicopter Museum in Somerset

Mit rund 80 Hubschraubern aus den Nachkriegsjahren im Bestand ist das an der englischen Westküste gelegene Helicopter Museum die wohl größte auf Drehflügler spezialisierte Ausstellung der Welt.

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Dass das verschlafene Seebad Weston-super-Mare an der englischen Westküste das wohl größte reine Hubschraubermuseum der Welt beherbergt, würde niemand vermuten. In der Tat ist die Ansiedlung des vor fast 25 Jahren an seinem jetzigen Standort offiziell eröffneten Museums auch eher Zufall. Der Zufall besteht darin, dass der bekannte Hubschrauberjournalist Elfan ap Rees in der Gegend wohnt. Er begann 1969, neben historischen Unterlagen auch komplette Hubschrauber zu sammeln und sie gemeinsam mit einer Gruppe von Freiwilligen zu restaurieren und zu pflegen.

1978 wurde die Sammlung am ehemaligen Flugplatz Weston-super-Mare als British Rotorcraft Museum erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, aber erst nach langen Verhandlungen mit dem damaligen Flugplatzbesitzer Westland Helicopters Ltd. gelang es 1988, einen langfristigen Vertrag für das heutige Gelände an der Südostecke des Platzes zu schließen. Ab Ostern 1989 war die nun als International Helicopter Museum firmierende Ausstellung permanent geöffnet.

Die offizielle Einweihungsfeier fand dann am 3. November 1989 statt. Prince Andrew flog dabei als Ehrengast höchstselbst mit einer Wessex HC.4 des Queen´s Flight ein.

Schon damals hatte das Museum um die 50 Hubschrauber in seinem Bestand, darunter historisch interessante Exemplare wie den Prototyp der Westland 30 oder die Überreste des Vertigo Man Powered Helicopter. Dank der guten Verbindungen von Elfan ap Rees zu zahlreichen Hubschrauberherstellern konnte die Sammlung in den kommenden Jahren schrittweise weiter ausgebaut werden.

Heute bietet das Helicopter Museum in seiner einzigen, dicht gepackten Halle einen umfassenden Überblick über die Drehflüglerentwicklungen der Nachkriegszeit in den USA, in Europa und auch in der Sowjetunion. Vom Konstruktionsbüro Mil sind zum Beispiel Mi-1, Mi-2, Mi-4, Mi-8 und der Kampfhubschrauber Mi-24D „Hind“ vertreten. Letzterer stammt aus den Beständen der Bundeswehr und wurde von einem Team des Museums 1995 in Basepohl demontiert und nach England geschafft. Eine Verbindung nach Deutschland hat auch die Kamow Ka-26 des Museums, die einst bei Interflug als Sprühmaschine diente.

Besonders gut bestückt ist das Helicopter Museum natürlich mit einheimischen Mustern. Die einzigen noch vorhandenen Teile des Verbundhubschraubers Fairey Rotodyne sind hier ebenso zu finden wie eine Bristol Belvedere, der einzige britische Tandemrotor-Hubschrauber, der in Serie ging (wird derzeit aufwändig restauriert). Dazu kommen kleine Helikopter aus den späten 1940er Jahren wie die Saunders Roe Skeeter oder die Bristol Sycamore.

Allein knapp zwei Dutzend Westland-Hubschrauber finden sich in Westen-super-Mare. Das Museum konnte sich zum Beispiel eine  Wessex HCC.4 des Queen´s Flight sichern, die Königin Elizabeth und Prinz Philip bei einem Besuch des Museums im Juli 2007noch einmal persönlich in Augenschein nahmen. Die „XV733“ wird derzeit wegen Korrosionsschäden restauriert. Glanzstück der Ausstellung ist jedoch die Westland Lynx mit der Kennung G-LYNX. Mit ihr wurde am 11. August 1986 der Geschwindigkeits-Weltrekord für Hubschrauber über eine 15-Kilometer-Strecke aufgestellt – die 400,87 km/h von Trevor Egginton und Derek J. Clews sind seither nach den offiziellen FAI-Regeln nicht überboten worden.


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