19.12.2017
Erschienen in: 01/ 2014 Klassiker der Luftfahrt

Lokale HeldenSolent Sky Museum

Auf die Darstellung der Luftfahrtgeschichte in Southampton und Umgebung konzentriert sich das Solent Sky Museum. Die recht kleine Halle in der Nähe des Hafens beherbergt einige einmalige Ausstellungsstücke.

Southampton ist nicht nur als Hafenstadt berühmt, in der Umgebung an der englischen Südküste und auf der nahe gelegenen Isle of Wight siedelten sich zu den Glanzzeiten der britischen Flugzeugbauindustrie auch illustre Firmen wie Supermarine oder Saunders-Roe an. Insgesamt hatten einst 26 Unternehmen hier zumindest Teile ihrer Werkstätten. Bekannte Basen der Royal Navy, wie Calshot, liegen ebenfalls in der Gegend. Die Erinnerung an diese stolze Geschichte hat sich seit fast 30 Jahren das Solent Sky Museum auf die Fahnen geschrieben. Bis 2004 war es als Southampton Hall of Aviation bekannt.

Leicht zu finden ist die kleine Museumshalle nicht, denn sie liegt in einer etwas heruntergekommenen Gegend östlich des Kreuzfahrtschiff- Hafens. Wer es aber in die Albert Road South geschafft hat, ist verblüfft, wie viele interessante Flugzeuge hier auf kleinstem Raum „gestapelt“ sind.

Im Zentrum steht dabei die Shorts S.25 Sandringham Mk IV „Beachbomber“, für die das Museumsgebäude 1983 eigens errichtet wurde. Das Flugboot war im Juli 1943 als Sunderland Mk III gebaut worden. Es wurde nach dem Krieg in eine Passagierversion der „Tasman“-Klasse mit 30 Sitzen umgebaut und war ab 1947 viele Jahre in Neuseeland, Australien und schließlich in der Karibik im Einsatz. 1981 kehrte die Maschine nach Großbritannien zurück und wurde für 85 000 Pfund vom Science Museum erworben. Mit etwa 19 500 Stunden weist die Maschine die höchste Flugstundenzahl aller gebauten Sunderland auf.

Im Schatten der Sandringham finden sich weitere historisch bedeutende Muster wie die Supermarine S.6A (N248), die 1929 in Woolston für den Wettbewerb um die Schneider Trophy gebaut wurde. Der High Speed Flight der Royal Air Force gewann das Rennen, das vor dem Küstenort Calshot stattfand. Die N248 wurde allerdings wegen eines Wendefehlers disqualifiziert. 1931 diente die Maschine dann als Reserve.

Die von R. J. Mitchell konstruierten Schneider-Trophy-Rennflugzeuge gelten als Vorläufer der legendären Spitfire. Das Solent Sky Museum beherbergt eine nach dem Zweiten Weltkrieg gebaute Mk 24, die einst bei der RAF und der Singapore Auxiliary Air Force im Einsatz war.

Während über 22 000 Spitfires die Werkshallen verließen, kam die Saunders-Roe SRA1 nie über das Prototypenstadium hinaus. Von dem zweistrahligen Jäger in Gestalt eines Flugboots wurden nur drei Exemplare gebaut, von denen zwei während der im Juli 1947 begonnenen Flugerprobung verloren gingen. Der in Southampton gezeigte erste Prototyp mit der Kennung TG263 ist somit der einzige noch existierende Zeuge eines exotischen Projekts, das aus heutiger Sicht von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.

Gleich neben der SRA1 steht eine von sieben noch erhaltenen de Havilland Sea Vixen. Der Navy-Jäger ist ein typisches britisches Muster aus den 1950er Jahren, mit starken Triebwerken zwar, aber auch ziemlich grobschlächtig und mit ungewöhnlichen Merkmalen wie dem asymmetrisch angeordneten Cockpit. Als weitere Jets sind noch eine Folland Gnat und eine de Havilland DH.116 Vampire zu sehen.

Weiter zurück in der Luftfahrtgeschichte geht es mit Nachbildungen einer Avro 504J und einem Wight Quadruplane, das 1916 in Cowes gebaut wurde, sich aber als nicht konkurrenzfähig erwies. Ebenfalls zu sehen sind eine Tiger Moth und die Britten Norman BN-1F, die erste Konstruktion von John Britten und Desmond Norman, die später mit der Islander und Trislander Erfolge feierten.

Last but not least, ist im Solent Sky Museum auch das Southampton University Man Powered Aircraft (SUMPAC) zu sehen. Dieses muskelkraft-getriebene Flugzeug schaffte ab November 1961 immerhin Flüge von bis zu 595 Meter Länge. Allerdings war es unmöglich, eine 360-Grad-Kurve zu fliegen, so dass der Versuch, den Kremer-Preis (zur Förderung des Muskelkraftfluges) zu gewinnen, bald aufgegeben wurde.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 01/2014



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