15.07.2016
Erschienen in: 05/ 2016 Klassiker der Luftfahrt

Sowjetische Flugzeuge und BeuteflugzeugeSiegespark-Sammlung in Moskau

Die Luftfahrtausstellung im Siegespark Moskau ist nicht nur dem „Großen Vaterländischen Krieg“ gewidmet, sondern auch der Nachkriegszeit bis in die späten 1960er Jahre. Einen Abstecher beim Besuch der Hauptstadt ist die Sammlung wert.

Der Park wurde 1995 zum 50. Jubiläum des Endes des Zweiten Weltkrieges fertiggestellt. Er soll an den Sieg im „Großen Vaterländischen Krieg“ gegen die Deutschen erinnern. Der Siegespark ist auch als Gesamtdenkmal den Gefallenen gewidmet. Er liegt zentrumsnah in der russischen Hauptstadt und gehört mit zu den wichtigsten offiziellen Gedenkstätten Moskaus.

Der Park beherbergt das Zentrale Museum des großen Patriotischen Krieges. Bezeichnend für die emotionale Ausgestaltung sind unter anderem die abends blutrot angestrahlten Wasserfontänen. Beeindruckend dargestellt sind im Museumsgebäude die Schlachten von Moskau, Stalingrad, Kursk, am Dnjepr, Berlin und die Belagerung von Leningrad. Es gibt riesige Schlachtenpanoramen, vor denen zusätzlich noch eine Kulisse aus Trümmern, Soldatenpuppen und Waffen aufgebaut ist – für den 3-D-Effekt! Umfangreiche Ausstellungen geben einen Überblick über die Technik aller Waffengattungen des Zweiten Weltkrieges, so auch über die der sowjetischen Luftwaffe, der Verbündeten und der Gegner Deutschland und Japan. Diese Flugzeugausstellung existiert seit 2005. Sie zeigt wichtige sowjetische Kampfflugzeuge des Krieges – leider überwiegend nur Replikate, die direkt für diese Ausstellung hergestellt wurden. Deren Bemalung erfolgte anhand konkreter historischer Vorbilder. Eine sehr anschauliche Beschreibung der Exponate findet der Besucher auf den informativ gestalteten Schautafeln in russischer und englischer Sprache. Bei den sowjetischen und russischen Flugzeugen der Nachkriegszeit handelt es sich erfreulicherweise um Originale.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass auf der Homepage des Siegesparks Konstruktion und Entwicklungsgeschichte jedes einzelnen ausgestellten Flugzeugmusters ausführlich beschrieben wird (allerdings nur in Russisch). Die 31 Exponate sind im Einzelnen:

Elf sowjetische Militärflugzeuge des Zweiten Weltkrieges: Di-6, I-15bis, I-16 Typ10, Il-2M3, Il-4(B-3F), Jak-3, LaDD-3,La-5, Li-2, Su-2, Po-2LNB; davon sind nur die Li-2 und die Il-4 Originale;

vier deutsche Kriegsflugzeuge: der Nachbau einer Bf109F-2, der Wiederaufbau der Kabine einer Ju88A-4 unter Verwendung von Wrackteilen, das Heckteil einer Bf 110 und die Tragfläche einer Ju87;

zwei japanische Flugzeuge: Nakajima Ki-43 „Hayabusa“ und Kawasaki Ki-48. Es handelt sich um Nachbauten unter Einbeziehung von Wrackteilen, die auf den Kurilen aufgefunden worden waren.

Zwei alliierte Flugzeuge, die im Rahmen des Lend-Lease-Programmes an die UdSSR geliefert wurden: der Wiederaufbau einer Hawker Hurrican Mk IIBb teils mit Originalteilen und eine originale Bell P-63 Kingcobra;

acht sowjetische Kampfflugzeuge der Nachkriegszeit: MiG-15UTI, -17, -21PFS, -23ML,-29, Su-15TM, -17UM3, -25 und

vier sowjetische Hubschrauber: Kamow Ka-25 und-26LL, Mil Mi-8MT und Mi-24D.

Die ausgestellten sowjetischen Flugzeuge haben meist auch eine wichtige emotionale Bedeutung für die heutigen russischen Besucher: Beispielsweise wurde bei der Iljuschin Il-4 vermerkt, dass 15 Flugzeuge dieses Musters am 8.August 1941 erstmals Berlin bombardierten. Ein weiteres Beispiel: Bei der ausgestellten MiG-21 ist vermerkt: Am 28.11.1973 wird nach einer wiederholten Grenzverletzung eine iranische RF-4E Phantom mittels Rammstoßdurch eine MiG-21PF zum Absturz gebracht. Die ausgestellte Polikarpow Po-2LNB ist ein Nachbau unter Verwendung einiger Originalteile und besitzt die Bemalung eines Flugzeuges des 46.Tamansker Frauen-Nachtbomberregiments.

Insgesamt ist dies eine informative Ausstellung und eine Ergänzung zum Zentralen Museum der Luftstreitkräfte der Russischen Föderationin Monino.Für jeden Moskaubesucher ist sie gut zu erreichen. Eine Alternative zu Monino ist es wegen der vielen Replikate hingegen nicht.

Museumsinfo

Adresse: Siegespark Ploshchad Pobedy 1, 121170 Moskau
Telefon: +7 495 1488300 Internet: www.poklonnayagora.ru
Anreise: Metro Linie 3 und 8, Station „Park Pobedy“
Öffnungszeiten: täglich von 9 bis 21 Uhr
Eintritt: kostenlos
Fotomöglichkeiten: Fotografieren ist erlaubt. Die Hallen sind teilweise schlecht beleuchtet.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 05/2016

Lutz Krebs
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