27.04.2018
Klassiker der Luftfahrt

Vom Heer zur LuftwaffePolnisches Armee-Museum Warschau

Vor allem sowjetische Flugzeugtypen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs lohnen einen Besuch des Warschauer Armee-Museums. Aber auch die Gründung der eigenständigen Luftstreitkräfte wird behandelt.

Mitten in der Innenstadt von Warschau ist das polnische Armee-Museum beheimatet. Es wurde bereits 1920 gegründet und ist seit 1934 in einem blockförmigen Gebäude untergebracht. Zahlreiche Ausstellungen beschreiben die polnische Militärgeschichte von den Zeiten des Mittelalters bis heute, wobei Luftfahrtfreunde vor allem im Freigelände auf ihre Kosten kommen. Hier findet sich eine zwar relativ kleine, aber sehr interessante Sammlung von Flugzeugen und Hubschraubern.

Obwohl mehr als 36000 Exemplare der berühmten Iljuschin IL-2 „Schturmowik“ und der weiterentwickelten Version IL-10 gebaut wurden, existieren heute nur noch wenige komplette Vertreter. In Warschau kann man gleich beide Varianten bestaunen. Neben einer IL-2M-3 steht eine Avia B-33, der tschechische Lizenzbau der IL-10. Von letzterer entstanden rund 1200 Flugzeuge. Beide Muster standen im Dienst der polnischen Luftstreitkräfte. Die langen Jahre unter freiem Himmel haben den seltenen Schlachtflugzeugen jedoch nicht gut getan. Derzeit läuft eine eher notdürftige Restaurierung der B-33.

Ein weiteres seltenes Muster aus dem Zweiten Weltkrieg stellt die Tupolew Tu-2 dar, die allerdings erst nach Kriegsende zu den polnischen Streitkräften kam. Drei Werke produzierten in der Sowjetunion insgesamt 2387 Einheiten. Die recht erfolgreiche Tu-2 flog nicht nur in der UdSSR und in Polen, sondern auch in Bulgarien, China, Nordkorea, Rumänien und Ungarn.

Gegenüber steht ein weiterer zweimotoriger Bomber: eine mindestens genauso rare Petljakow Pe-2. Sie war mit mehr als 11000 gebauten Flugzeugen der größte Erfolg des Konstrukteurs Wladimir Michailowitsch Petljakow. Noch vor Kriegsende erhielten die ersten polnischen Einheiten die Pe-2 in der Sowjetunion. Zur Ausrüstung zählte damals auch die Jakowlew Jak-9, von der ebenfalls eine Maschine in Warschau zu sehen ist.

Modernes Material der polnischen Luftstreitkräfte findet sich in Form einer Suchoi Su-22 und einer Mikojan MiG-29. Letztere stammt ursprünglich aus Deutschland, wo sie mit der Kennung 29+04 für die Luftwaffe geflogen war. Sie befindet sich seit 2008 im Museum.

Stellvertretend für die eigenen Entwicklungen nach 1945 stehen die Trainer PZL TS-8 Bies und I-22 Iryda. Während die mit einem Sternmotor ausgestattete Bies (Jungfernflug 23. Juli 1955) mit 251 Exemplaren ein Erfolg wurde, hat die Iryda nie die Serienreife erlangt. Sie sollte eigentlich die TS-11 Iskra als Standard-Jettrainer ablösen. Der erste Prototyp absolvierte seinen Erstflug am 5. März 1985. Aufgrund technischer und finanzieller Probleme stellte PZL-Mielec das Programm jedoch Mitte der 90er Jahre ein. Das gleiche Schicksal ereilte auch die verbesserte M96.

Insgesamt bildet die Sammlung nur einen kleinen Teil aus dem Arsenal des Museums. Weitere Exponate finden sich beim Fort Czerniakowski am Rand Warschaus. Die Abteilung ist derzeit allerdings geschlossen und soll bis 2013 in einem neuen zentralen Armee-Museum bei der Zitadelle von Caponničre in Warschau mit dem Rest der Sammlung zusammengelegt werden.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 02/2010

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Patrick Hoeveler


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