19.10.2017
Klassiker der Luftfahrt

Legendäre WüstenflottePima Air & Space Museum

Mit über 300 Flugzeugen und Hubschraubern ist das Pima Air & Space Museum in Tucson, Arizona, eines der größten Luftfahrtmuseen der Welt.

Welches Museum kann sich schon damit rühmen, gleich drei Boeing B-52 ausstellen zu können? Bei einer davon handelt es sich sogar um die einst älteste noch existierende Stratofortress, die als Mutterschiff für die North American X-15 diente. Diese Ehre gebührt dem Pima Air & Space Museum in Tucson, Arizona, direkt gegenüber der berühmten Davis-Monthan Air Force Base gelegen. Dem Nachbarn mit seiner riesigen Einlagerungsfläche für ausgediente Kampfflugzeuge hat die 1976 gegründete Sammlung einen großen Teil der Exponate zu verdanken. Künftige Ausstellungsstücke müssen quasi nur durch ein Tor über die Straße geschoben werden.

Beim Museum handelt es sich jedoch nicht um eine staatliche Institution, sondern um ein Privatunternehmen, das Teil der Stiftung Arizona Aerospace Foundation ist. Der Austausch mit dem Militär funktioniert allerdings auch in beide Richtungen. So nahm die US Air Force 1996 den Transporter-Prototyp McDonnell Douglas YC-15 wieder zurück, damit ihn die Spezialisten des Aerospace Maintenance and Regeneration Center (heute AMARG) für erneute Tests wieder flugfertig machen konnten. Heute befindet sich die Maschine am Eingang der Edwards Air Force Base. In Pima kann man dafür noch den Konkurrenten von damals bestaunen, eine von zwei gebauten Boeing YC-14.

Freigelände

Der Großteil der über 300 Flugzeuge und Hubschrauber ist im Freigelände ausgestellt. Aufgrund des trockenen Wüstenklimas befinden sie sich in einem recht guten Zustand, auch wenn so mancher Anstrich aufgrund der intensiven Sonneneinstrahlung schon etwas ausgeblichen ist. In den insgesamt fünf Hallen stehen vor allem die Flugzeuge aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs wie Bell P-63, Boeing B-17, B-29, Consolidated B-24, Douglas A-26 und North American B-25. In Hangar 1 finden sich darüber hinaus Schmuckstücke wie eine Lockheed SR-71A Blackbird, eine von zwei gebauten North American YF-107 und die letzte noch existierende Martin PBM-5A Mariner.

Weitere Einzelstücke im Freien sind die Columbia XJL-1, ein als Nachfolger der Grumman Duck gedachtes Amphibienflugzeug, und die Budd Conestoga, ein aus Edelstahl gefertigter Transporter. Ein ausgiebiger Rundgang – im Sommer bei bis zu 50 Grad Celsius eine recht schweißtreibende Angelegenheit – offenbart weitere Raritäten wie Boeing EB-47E Stratojet, zwei Boeing C-97, eine Convair B-58 Hustler, Douglas C-124 und C-133 oder gar drei verschiedene Lockheed Constellations. Eine solche Vielfalt an USAF-Typen bietet sonst nur das National Museum of the United States Air Force in Dayton. Pima weist dagegen noch eine umfangreiche Palette an Mustern der US Navy auf. Neben Klassikern wie den Grumman-Katzen (F7F Tigercat, F9F Panther und Cougar, F11F Tigercat, F-14 Tomcat) erfreuen Raritäten wie Douglas F4D Skyray, McDonnell F3H Demon und North American RA-5C Vigilante das Herz der Enthusiasten. Doch damit nicht genug: Auch Flugzeuge wie Avro Shackleton oder Fairey Gannet, die in Amerika eigentlich nicht zu erwarten sind, gesellen sich in den Reigen. Sogar zwei Flugzeuge der Bundeswehr sind vorhanden: der Alpha Jet 40+49 und der noch zu restaurierende Tornado 43+74. Letzterer wurde probeweise für mehrere Jahre im AMARG-Center eingelagert.

Präsidentenflugzeuge

Besonders stolz ist das Museum auf seine Sammlung von ehemaligen Präsidentenflugzeugen. So diente die Douglas VC-118A der Beförderung von Lyndon B. Johnson und John F. Kennedy. Auch der Nachfolger in der Rolle als „Air Force One“, eine Boeing VC-137A, ist in Arizona vertreten. Die ausgestellte Lockheed VC-121A Constellation beförderte Dwight D. Eisenhower, als er noch General war.

Airliner

Doch nicht nur militärische Exponate, sondern auch eine stattliche Zahl von Airlinern bevölkern das Wüstengelände. Einen der seltensten Vertreter stellt die Lockheed L-049 Constellation dar, die früher mit dem Namen „Star of Switzerland“ für die TWA geflogen ist. Bei ihr handelt es sich um die älteste noch existierende „Connie“. Gesellschaft leisten ihr unter anderem eine Martin 404 und eine Vickers Viscount, damals das erste Exemplar dieses Typs in Nordamerika. Die gezeigte Maschine hatte bei Trans Canada Airlines am 18. April 1955 die erste Linienverbindung eines Turboprops sowohl in den USA als auch in Kanada durchgeführt. Der Flug führte von Toronto nach New York.

Eine bewegte Geschichte hat auch die Sud Aviation Caravelle hinter sich, die zunächst bei United Airlines flog und zuletzt bei der Firma Aero Services in Goodyear zu Tests von Avioniksystemen diente. Einer der berühmten Boeing 377 Stratoliner von Pan Am ist nur noch indirekt in Pima vertreten: Die ausgestellte „Super Guppy“, mit dem die NASA Raketenteile beförderte, ist aus der Kombination von Rumpfteilen des ehemaligen Airliners mit dem Flügel und dem Bug einer C-97 entstanden. Ebenfalls für die NASA flog die Boeing KC-135A Stratotanker. Sie diente bis 2004 zur Simulation von Schwerelosigkeit bei Parabelflügen und trug daher den Spitznamen „Vomit Comet“.

Sammlung wächst und wächst

Nachschub für die ohnehin schon riesige und vielseitige Sammlung ist garantiert. Das größte Projekt in den letzten Jahren war eine Convair B-36J Peacemaker. Das letzte gebaute Exemplar des gigantischen zehnmotorigen Bombers hatte viele Jahre an seinem Geburtsort in Fort Worth, Texas, gestanden, bis eine Gruppe von Freiwilligen mit der Aufarbeitung begann. Ein geplantes Museum konnte jedoch nicht realisiert werden, so dass die B-36 schließlich im Jahr 2005 zerlegt wurde und stückweise nach Arizona kam. 

Wem das noch nicht reicht, der kann noch einen Abstecher zum Titan Missile Museum machen, das ebenfalls zu Pima gehört. Hier wird ein Silo-Komplex einer Interkontinentalrakete gezeigt. Zu guter Letzt führt das Museum noch eine Bustour über das Gelände der abgestellten Flugzeuge auf der Davis-Monthan AFB durch.

Museumsinfos

Adresse: Pima Air & Space Museum 6000 East Valencia Road, Tucson, AZ 85756, USA
Telefon: 001-520-574-0462
Internet: www.pimaair.org
Öffnungszeiten: täglich 9 bis 17 Uhr außer Weihnachten und Thanksgiving
Eintritt: Erwachsene: 15,50 Dollar, Kinder (5-12 Jahre): 9 Dollar; Kinder bis vier Jahre haben freien Eintritt. Die AMARG-Tour kostet sieben Dollar pro Person (Reservierung empfohlen).
Fotomöglichkeit: Fotografieren ist erlaubt.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 02/2009

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Patrick Hoeveler
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