16.06.2015
Erschienen in: 04/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

Flugbereit in FloridaFantasy of Flight in Polk City

Den Anspruch, kein Museum wie jedes andere zu sein, haben viele. Das von dem amerikanischen Kunstflugpiloten Kermit Weeks entworfene Fantasy of Flight-Museum erfüllt diesen Anspruch jedoch gleich in mehrfacher Hinsicht. Die Kollektion flugbereiter Flugzeug ist atemberaubend.

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Das Museum Fantasy of Flight in Polk City in Florida empfängt seine Besucher sehr charmant. Die großzügige Eingangshalle mit Schnellrestaurant ist wie ein Flughafengebäude im Art-Déco-Stil der zwanziger Jahre gestaltet. Wenn die Besucher jedoch die Türen zum Ausstellungsbereich öffnen, finden sie sich unvermittelt in einem Flugzeugrumpf einer C-47 Dakota (gebaut aus einem Rumpf einer DC-6) wieder, die in der Nacht vor dem D-Day auf dem Weg zu einer Absetzzone in der Normandie ist. Beleuchtung, Geräusche und Wind vermitteln einen beklemmend echten Eindruck.

Nach diesem abrupten Stimmungswechsel wird der Besucher zu einer Galerie geleitet, wo er sich über den Wolken den Wind um die Nase wehen lassen kann, um die Faszination Kermit Weeks hat sich mit dem Museum einen Traum erfüllt. des Fliegens selbst zu erleben.

Dies ist eine perfekte Überleitung zum nächsten Raum, der wieder mit komplett anderer Atmosphäre die Zeit der frühen Flugversuche aufleben lässt. Museumspädagogisch ist die Aufbereitung des Themas hervorragend gelungen, spricht sie doch alle Sinne an und verleitet den Besucher zum Mitmachen. Die Achterbahnfahrt der Gefühle geht hinter dem schweren Vorhang weiter, der die Abteilung von der nächsten trennt. Unvorbereitet steht der Besucher in einem Schützengraben des Ersten Weltkriegs. MG- und Granatwerfer-Feuer wird unterbrochen von gebrüllten Befehlen, das fahle Licht in dem Raum unterstützt die düstere Atmosphäre. Die Augen der Besucher gewöhnen sich nur langsam an die Dunkelheit und entdecken deswegen nur nach und nach die Details der Ausstellung. Da liegt das Wrack eines abgestürzten Flugzeugs in den Stacheldrahthindernissen, dort zweigt der Graben ab zu einem Bunker „Dora Ludwig 2“. Schließlich steigt Rauch auf und wabert um das Wrack durch den Raum. Ähnlich dunkel ist der nächste Raum, der einen amerikanischen Bomberplatz im Zweiten Weltkrieg darstellt. Die B-17G „Picadilly Princess“ steht im Mittelpunkt dieser Halle und ist für die Besucher begehbar. Von dort führt der Rundgang in die beiden großen und lichtdurchfluteten Hangars, wo die Herzstücke der Sammlung von Kermit Weeks stehen: Luftfahrthistorisch wertvolle Flugzeuge in flugfähigem Zustand. Das größte Exponat von Fantasy of Flight ist ein Flugboot vom Typ Short Sunderland. Es ist zwar flugfähig, wird aber nur selten bewegt. Weitere große Flugzeuge des Museums sind eine Lockheed L-1649 Starliner, eine PBY Catalina, eine Ford Trimotor, eine Martin B-26 Marauder sowie eine North American B-25J Mitchell. Kleiner, aber historisch nicht weniger interessant sind Jagdflugzeuge wie die P-51C in den Farben der Tuskeegee Airmen, eine Supermarine Spitfire, eine Grumman F3F, eine Chance Vought F4U Corsair sowie die einzige noch erhaltene TP40N Warhawk mit Doppelsteuerung.

Kermit Weeks ist begeisterter Kunstflugpilot, und das spiegelt sich auch in der Flugzeugauswahl wieder. Neben einer Bücker Jungmeister in den Farben des rumänischen Piloten Alexandru Papana, einer Bücker Jungmann, einer Fw 44 Stieglitz und einer Howard DGA-5 finden sich auch verschiedene Rennflugzeuge von GeeBee in den Hangars. Täglich bietet das Museum Rundflüge mit historischen Fluggeräten an.

Zur Kollektion des Museumsgründers gehören viel mehr Flugzeuge als in Polk City ausgestellt sind, aber einige Maschinen wie die top-restaurierte de Havilland Mosquito oder eine C-47 Dakota sind als Dauerleihgabe an andere Museen in den USA verliehen.

Von Fluggeräten, von denen es keine Originale mehr gibt, lässt Kermit Weeks kurzerhand Nachbauten anfertigen. So sind unter anderem eine Bachem Ba 349 Natter und eine Ryan NYP – Lindberghs Flugzeug – zu besichtigen. Der Eintrittspreis von 28,95 Dollar pro Person ist auf den ersten Blick stolz. Aber der Besuch lohnt sich trotzdem. Fantasy of Flight beeindruckt durch seine Fülle an besonderen Ausstellungsstücken, durch die Art der Präsentation sowie die Vielzahl an Aktivitäten. Seinem Anspruch, kein Museum wie jedes anderes zu sein, wird es gerecht. In den Lagern und Werkstätten des Museums schlummern weitere Schätze, so unter anderem eine Douglas B-23, eine Hawker Tempest, eine Fairey Firefly, eine Grumman F7F Tigercat und F9F Panther, eine Lockheed P-38L Lightning sowie eine B-29 Superfortress. Besucher können im Rahmen einer Tramtour die Lager besichtigen und schon jetzt einen Vorgeschmack erhalten auf das, was als nächstes am Himmel über Fantasy of Flight zu sehen sein wird.


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Volker K. Thomalla
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