03.11.2017
Erschienen in: 03/ 2012 Klassiker der Luftfahrt

Patriots-Point-Museum in CharlestonDie Zeitmaschine: Museums-Flugzeugträger USS „Yorktown”

Seit mehr als 40 Jahren ist die „Yorktown“ das Markenzeichen der Hafengegend von Charleston. Der Flugzeugträger bietet vielfältige Besichtigungsbereiche sowie zahlreiche Flugzeuge und Hubschrauber.

Zahnarztbesuch einmal anders: Wer auf diesem Stuhl Platz nimmt, braucht keine Angst zu haben, denn der Schiffszahnarzt der USS „Yorktown“ ist seit vielen Jahren im Ruhestand. Trotzdem kann man sich setzen und einen Hauch vergangener Zeiten spüren. Nicht nur dieser Raum vermittelt einen guten Eindruck vom damaligen Leben an Bord des amerikanischen Flugzeugträgers der Essex-Klasse. Mehrere selbst geführte Touren ermöglichen Einblicke, wie sie kaum ein anderer Museumsträger bietet. Neben den obligatorischen Sektionen wie Bücke, Staffel-Besprechungsraum und Flugüberwachung hat der Besucher auch Zugang zu Unterkünften, Speisesaal, Fleischerei, Krankenstation, Kombüse und vielen anderen Bereichen des rund 270 Meter langen Schiffes, das früher Heimat für knapp 3400 Besatzungsmitglieder war. Für Jugendgruppen gibt es sogar die Möglichkeit, in den originalen Besatzungskojen zu übernachten. Besonders eindrucksvoll ist auch der Maschinenraum mit den gigantischen Westinghouse-Dampfturbinen. Auf den Rundgängen befinden sich zahlreiche Ausstellungsstücke und Schautafeln, unter anderem zur Geschichte der CV-10 „Yorktown“ und ihrer Schwesterschiffe. Damit ist der Carrier der Star des Patriots Point Naval and Maritime Museum in Mount Pleasant bei Charleston.

Der Bau des Trägers begann im Jahr 1941. Noch vor der Fertigstellung bekam die CV-10 zu Ehren der bei Midway versenkten CV-5 „Yorktown“ deren Namen und ging am 15. April 1943 in Dienst. Im Sommer desselben Jahres erfolgten die ersten Einsätze gegen japanische Streitkräfte im Pazifik. Später waren die Flugzeuge des Schiffes an der Versenkung des riesigen japanischen Schlachtschiffes „Yamamoto“ beteiligt. Die „Yorktown“ selbst musste sich einiger Angriffe von japanischen Kamikaze-Flugzeugen erwehren. Letztere Ereignisse werden heute im Hangardeck in einer Multimediaschau bewegend dargestellt.

Von der Wildcat bis zur Tomcat

In den 50er Jahren bekam der auch „Fighting Lady“ genannte Carrier für den Einsatz modernerer Jets ein abgewinkeltes Flugdeck. Im Jahr 1958 klassifizierte ihn die Navy als Träger zur U-Boot-Jagd. In dieser Rolle setzte die „Yorktown“ unter anderem die Grumman S-2 Tracker im Vietnamkrieg ein. Kurz vor Ende ihrer aktiven Zeit diente sie im Dezember 1968 als Bergungsschiff für die Apollo-8-Mission der NASA. Im Lauf seiner Karriere wirkte der Träger auch bei den Dreharbeiten zu den Filmen „The Fighting Lady“ (Dokumentation von 1944), „Jet Carrier“ (Doku von 1954) und „Tora, Tora, Tora“ (Pearl-Harbor-Epos) mit. Die Außerdienststellung erfolgte am 27. Juni 1970, und schon knapp fünf Jahre später kam das traditionsreiche Schiff an seinen heutigen Standort in South Carolina.

Im Hangardeck befinden sich die sehr gut restaurierten Flugzeuge aus der Frühzeit des Carriers wie die Grumman-Jäger F4F Wildcat und F6F Hellcat. Über dem Imbissstand hängt eine North American B-25 Mitchell, die an den legendären Doolittle-Angriff auf Tokio erinnern soll. Der gezeigte Bomber flog nach seiner Dienstzeit als Geschäftsreiseflugzeug und kam Anfang der 80er Jahre in den Bestand des Museums.
Auch Sturz- und Torpedobomber sind in Form von Grumman Avenger und Douglas Dauntless vorhanden. Letztere wurde 1988 aus dem Lake Washington geborgen. Auch die Wildcat stammt aus einem See, und zwar dem Lake Michigan. Nach der Hebung im Jahr 1987 übernahmen Angestellte von Grumman in Bethpage, New York, die Restaurierung. Weitere Grumman-Muster gibt es an Deck, allerdings hat ihr Zustand im Lauf der Zeit ziemlich gelitten. Neben der an die U-Boot-Jagd-Zeiten der „Yorktown“ erinnernde S-2 Tracker steht auch die Frühwarnversion E-1 Tracer. Natürlich fehlen mit A-6 Intruder und F-14 Tomcat auch die aktuelleren Jetmuster der berühmten Flugzeugbaufirma nicht.

Die ausgestellte McDonnell Douglas F-4J Phantom II hat eine besondere Geschichte: Sie flog bei der berühmten Kunstflugstaffel der US Navy, den Blue Angels, in der Position fünf als führender Solist. Derzeit trägt sie allerdings die Markierungen der Marines-Staffel VMFA-333 auf der linken und der Navy-Einheit VF-31 auf der rechten Seite. Eine der jüngsten Erwerbungen des Museums ist die Douglas EA-3B Skywarrior, die für die elektronische Aufklärung modifiziert worden war und zuletzt als Sockelflugzeug im spanischen Rota stand. An Bord der USS „Wasp“ ging es 2010 nach Norfolk und von dort aus in Richtung Mount Pleasant.

Neben der „Yorktown“ gibt es indes noch mehr zu sehen, denn Patriots Point ist auch die Heimat des Zerstörers USS „Laffey“ (zwischenzeitlich zu Reparaturarbeiten in der Werft) und des U-Boots USS „Clamagore“, die ebenfalls besichtigt werden können. An Land gibt es zudem eine nachgebaute Unterstützungsbasis der US Navy aus dem Vietnamkrieg samt Patrouillenboot und mehreren Hubschraubern. Allerdings stehen dringend benötigte strukturelle Reparaturen des Trägers an, die vor Ort erfolgen sollen. Damit bliebe die „Yorktown“ weiter das bekannte Markenzeichen in der Hafengegend von Charleston. Zunächst muss das Museum aber die Geldmittel von geschätzten 100 Millionen Dollar aufbringen. Ob das gelingt, ist offen.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 03/2012



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