15.11.2016
Erschienen in: 01/ 2011 Klassiker der Luftfahrt

Museum HendonDas Museum der Royal Air Force in London

Das Royal Air Force Museum gilt als eine der bedeutendsten Luftfahrtsammlungen der Welt: Rund 100 Flugzeuge und Hubschrauber sind in Hendon zu sehen. Ehrgeizige Expansionspläne könnten den Ruf noch festigen.

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Tradition hat in Großbritannien seit jeher einen hohen Stellenwert. Daher verwundert es kaum, dass schon früh - teilweise noch während des Zeiten Weltkriegs - viele ausgediente Fluggeräte für künftige Ausstellungen gesichert und auf verschiedenen Fliegerhorsten eingelagert wurden. Allerdings dauerte es noch bis zum 15. November 1972, bis die Queen schließlich das Museum der Royal Air Force eröffnen konnte. Die Einrichtung will über die Historie und Tradition der Streitkraft informieren und für sie werben. Knapp sieben Jahre später wurde die Zweigstelle in Cosford eingerichtet, die sich heute vor allem auf die Zeit des Kalten Krieges sowie auf Forschungsflugzeuge konzentriert. In Hendon findet man dagegen viele Einsatzflugzeuge aus allen Epochen der RAF.

Die Wahl des Standorts mag aus heutiger Sicht verwundern, doch früher war hier das Hendon Aerodrome angesiedelt. Der erste Flug fand auf diesem Terrain bereits im April 1910 statt. Der britische Flugpionier Claude Grahame-White gründete in Hendon eine eigene Firma und baute mehrere Flugzeuge. Im Jahr 1925 übernahm die Royal Air Force das Gelände, das weiterhin das Zentrum der Londoner Luftfahrt blieb. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Flugbetrieb ab, da die Startbahnen für Jets zu kurz waren. Die Runways wurden schließlich 1968 aufgegeben, als letztes Flugzeug landete die für die Ausstellung vorgesehene Blackburn Beverly auf der Piste. Der RAF-Standort schloss schließlich 1987 endgültig seine Tore. 

Zunächst bestand das Londoner Museum aus historischen Hangars des alten Flugplatzes, die durch neue Gebäudeteile zusammengefasst wurden. Heute gliedert sich hier die Sammlung in die Themenbereiche Jäger, Hubschrauber, Flugzeuge über dem Meer und RAF in Übersee. Zu den Ausstellungsstücken zählen eine aus Indien beschaffte Hawker Tempest II, ein seltenes Exemplar des Torpedobombers Bristol Beaufort, der Belvedere-Hubschrauber von Bristol mit Tandemrotoren sowie die einzige noch erhaltene Hawker Typhoon, von der insgesamt 3317 gebaut worden sind. Da die USAAF diesen Jagdbomber erproben wollte, verschifften ihn die Briten im Frühjahr 1944 in die USA. Die geplanten Flugtests in Dayton, Ohio, fanden jedoch nicht statt, die Maschine kam in verschiedene Lagerstätten der Smit-hsonian Institution, zuletzt nach Silver Hill, Maryland. Im Jahr 1967 tauschte sie die RAF gegen eine Hurricane, so dass die die Typhoon IB mit der Kennung MN235 wieder in ihre Heimat zurückkehren konnte.

Den nächsten Schritt der Expansion der Sammlung stellte die 1978 fertiggestellte „Battle of Britain“-Halle dar. Zahlreiche Flugzeuge, Ausrüstungsgegenstände, Schautafeln sowie die Show „Our Finest Hour“ beschreiben die Geschichte der Luftschlacht um England. Zu den Highlights zählen die deutschen Flugzeuge Heinkel He 111 H-20, Junkers Ju 87 G-2 (im Mai 1945 in Eggebeck erbeutet) und Ju 88 R-1 (mit der eine Besatzung im Mai 1943 nach Großbritannien geflüchtet war), Messerschmitt Bf 109 E-4 (im September 1940 bruchgelandet und für Flugtests bei Rolls-Royce 1941 wieder repariert) und Bf 110 G-2 (im Mai 1945 in Dänemark übernommen). Natürlich dürfen auch die britischen Jäger-Veteranen nicht fehlen. Die gezeigte Supermarine Spitfire Mk I hatte von Middle Wallop aus an der Luftschlacht teilgenommen und wurde schon im Jahr 1944 für museale Zwecke vorgesehen. Das Gleiche galt für die Hawker Hurricane Mk I. Im vergangenen Jahr ließ das Museum in der Halle eine neue Beleuchtung einbauen und versah die Seite neben der Short Sunderland mit einer Glasfront.

Dringend benötigte Hallenfläche schuf in Hendon ab 1983 die Bomber Command Hall. Hier finden die großen Flugzeuge Platz wie die Boeing B-17 (die nach ihrer Karriere bei der US Navy als Sprühflugzeug diente und im Oktober 1983 aus den USA überführt wurde) oder das Wrack der Handley Page Halifax. Letztere hatte auf ihrer ersten Mission am 27. April 1942 erfolglos das Schlachtschiff Tirpitz angegriffen und aufgrund von Flak-Treffern eine Notlandung auf einem zugefrorenen See in Norwegen machen müssen. Der Bomber sank wenig später ein und wurde erst 1971 wiedergefunden. Das RAF-Museum ließ das Wrack 1973 heben und konservierte es, da sich eine Restaurierung als zu aufwändig erwies.


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Patrick Hoeveler
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