07.08.2017
Klassiker der Luftfahrt

Stolze Sammlung mit vielen ExotenMuseum der Griechischen Luftstreitkräfte in Dekeleia

Innerhalb relativ kurzer Zeit hat die Luftwaffe Griechenlands eine imposante Ausstellung aufgebaut. Auf der Suche nach neuen Exponaten führt das Museum immer wieder auch Tauchexpeditionen durch.

Sicherheit wird in Griechenland großgeschrieben. Ein genauer Blick auf den Reisepass und in die Besuchsliste, ein Anruf, dann beschreibt der freundliche Wachposten auf dem Fliegerhorst Dekeleia endlich den Weg zum Museum der Elliniki Polemiki Aeroporia. Die Orientierung fällt nicht schwer, denn das Zentrum der Einrichtung bildet ein weithin sichtbarer, großer Hangar. Die italienischen Streitkräfte hatten ihn nach dem Ersten Weltkrieg ursprünglich auf der Insel Leros für ihre Wasserflugzeuge gebaut. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg demontierten die Griechen zwei dieser Hallen und stellten je eine in Dekeleia und in Elefsis wieder auf.

Der auch Tatoi genannte Ort Dekeleia liegt rund 20 Kilometer nördlich von Athen und spielte in der Antike eine wichtige Rolle im Peloponnesischen Krieg. Aber auch luftfahrtgeschichtlich befindet man sich hier auf historischem Boden. Der Flugplatz Tatoi wurde im Jahr 1918 eröffnet und gilt als einer der ältesten in der Region. Er diente im Zweiten Weltkrieg als Fliegerhorst der deutschen Luftwaffe, meist waren Junkers Ju 88 hier stationiert. Noch heute tauchen bei Bauarbeiten Überreste aus der Zeit des Krieges auf. Im Museumshangar führt sogar ein nicht öffentlich zugänglicher Gang in ein unterirdisches Bunkersystem. Von der als Transporter genutzten Junkers G38, die am 17. Mai 1941 in Tatoi von britischen Flugzeugen am Boden zerstört wurde, scheint jedoch nichts übriggeblieben zu sein.

Doch nicht nur wegen der Geschichte von Dekeleia lohnt sich der Aufwand, eine Besuchsgenehmigung zu beantragen. Obwohl das Museum noch relativ jung ist, kann sich die Palette der rund 40 ausgestellten Flugzeuge und Hubschrauber sehen lassen. Im Jahr 1986 hatten die Luftstreitkräfte eine Abteilung gegründet, die Material für ein künftiges Museum sammeln sollte. Im Juli 1992 schließlich wurde das Museum in Dekeleia eröffnet. Dort findet heute die Pilotenausbildung mit Cessna T-41 (der Militärversion der Cessna 172) statt. Seit 2006 ist das Museum als militärische Einheit dem Trainingskommando unterstellt. Es soll die Geschichte der Hellenic Air Force bewahren und darstellen.

Die Mitarbeiter wollen besonders jungen Menschen die Luftfahrt allgemein und ihre Streitkraft näherbringen. Sie freuen sich auch über Besucher aus dem Ausland, aber da sich die Ausstellung auf militärischem Gelände befindet, muss mindestens einen Monat vorher eine Genehmigung beantragt werden.

Langfristig hofft man auf einen Umzug des Museums, um die Exposition einem breiteren Publikum zugänglich machen zu können. In Griechenland gab es zuvor kaum Erfahrung beim Aufbau einer solchen Ausstellung, ein eigenständiges Luftfahrtmuseum existierte bis dahin nicht. Trotzdem geben sich die Spezialisten keiner blinden Sammelwut hin. „Wir suchen besondere Maschinen, wie zum Beispiel das erste in Dienst gegangene Exemplar eines Typs“, sagt ein Mitarbeiter. Aber auch spektakuläre Sonderbemalungen sind zu sehen, wie der Tiger-Look der Lockheed F-104G Starfighter der 335. Staffel oder der auflackierte Olymp der 336. Staffel in Araxos.

Auch bei der Restaurierung alter Fluggeräte betrat man Neuland. Als erstes Muster restaurierten die Museumsangehörigen eine North American T-6 Harvard. Das Muster hatte während des Zweiten Weltkriegs zur Ausbildung griechischer Piloten unter britischer Führung in Rhodesien gedient und wurde erst 1969 außer Dienst gestellt. Es folgten eine Canadair Sabre (heute in den Farben der Kunstflugstaffel „Hellenic Flame“, die den Typ von 1957 bis 1964 flog), eine seltene North American F-86D Sabre und eine Sikorsky S-55.

Im Jahr 1995 fanden die zuvor im Athener Kriegsmuseum ausgestellten Supermarine Spitfire und Curtiss SB2C-5 Helldiver in Dekeleia eine neue Heimat. Bei der Helldiver handelt es sich um eines von nur noch vier weltweit existierenden kompletten Exemplaren, die anderen sind eine flugfähige Maschine der Commemorative Air Force sowie eine in Pensacola und eine im Royal Thai Air Force Museum in Bangkok ausgestellte Helldiver. Rund 40 Exemplare waren 1949 als Teil der Militärhilfe der USA nach Griechenland gekommen, wo sie in der letzten Phase des Bürgerkriegs eingesetzt wurden. Die Sturzkampfbomber flogen bei der 336. Staffel, die heute übrigens ein weiteres seltenes Trägerflugzeug fliegt, die letzten Vought A-7 Corsair II der Welt. Die SB2C ging schließlich 1953 außer Dienst.

Die Spitfire kam im Februar 1947 von der Royal Air Force und flog bis September 1953 als Aufklärer. Zu diesem Zweck hatte sie zwei Kameras erhalten. Wie dagegen die gezeigte Dakota nach dem Krieg nach Griechenland kam, weiß selbst das Museum nicht. Sie wurde jedenfalls mit einer VIP-Inneneinrichtung ausgestattet und landete am 1. März 1991 aus eigener Kraft in Tatoi. Auch die Gulfstream I diente zum Transport hochrangiger Offiziere und kam 1995 auf dem Luftweg ins Museum. Sie war 1964 ursprünglich für die damalige Königsfamilie angeschafft worden. 

Aber auch nicht in Griechenland geflogene Muster sind vertreten, um einen umfassenden Überblick über die Luftfahrt zu vermitteln. Zu diesem Zweck ist die Einrichtung in Kontakt mit anderen Museen, um die Kollektion zu erweitern. Eine in Polen gebaute MiG-15 kam so beispielsweise im Austausch vom niederländischen Luftwaffenmuseum.

Zur Erweiterung der Sammlung ist der Verband auch bei der Bergung von Wracks aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs aktiv. Im Jahr 1993 zog man die Überreste einer Bristol Blenheim Mk1 aus dem Prespa-See, 1996 folgte eine Blenheim Mk IVF, die im Kampf um Kreta am 28. April 1941 aus Versehen von eigenen Kräften abgeschossen wurde. Eines der jüngsten Projekte war das Heben einer Junkers Ju 52 im Jahr 2006 aus der See bei Leros. Das Museum hat viel vor, will seine Sammlung ausbauen und um jeden in Griechenland geflogenen Typen erweitern. Bleibt zu hoffen, dass die Zugangsbeschränkungen etwas gelockert werden, damit möglichst viele Besucher diese Mühen würdigen können.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 06/2009



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