06.03.2018
Erschienen in: 08/ 2015 Klassiker der Luftfahrt

Jet-SammlungMuseum Bruntingthorpe

Auf der ehemaligen RAF-Basis Bruntingthorpe haben die Familie Walton und weitere Eigner eine interessante Sammlung an Jets aus dem Kalten Krieg zusammengestellt. Einige rollen sogar zwei Mal im Jahr über die Bahn.

Seine besten Zeiten hat Bruntingthorpe zwar längst hinter sich, aber auch heute gerät der 1942 für die Royal Air Force gebaute Flugplatz ab und zu in den Fokus der Luftfahrtenthusiasten. Am 25. September 2013 zum Beispiel landete der letzte von der RAF ausgemusterte Tanker Vickers VC10 (Kennung ZA147) auf der Bahn, die mit 3000 Metern nach wie vor eine der längsten in Großbritannien ist. Auch der versehentliche Hüpfer eines Victor-Bombers im Mai 2009 ist noch vielen spektakulär in Erinnerung.

Der durch einen Fehler des vom Copilotensitz aus agierenden Ingenieurs verursachte Beinahe-Unfall ereignete sich bei einem der beiden jährlichen „Rolltage“, die meist Ende Mai und Ende August stattfinden. Dabei lassen eine ganze Reihe der in Bruntingthorpe abgestellten Jets noch einmal ihre Triebwerke an und schießen unter dem Jubel der Zuschauer mit infernalischem Lärm über die Bahn – ohne allerdings abzuheben, denn dafür fehlen die Genehmigungen.

Abgesehen von den beiden Shows ist die Sammlung auf dem etwa 20 Kilometer östlich von Coventry an der M1 gelegenen Platz jeweils am Sonntag zwischen 10 und 16 Uhr geöffnet, bei einem sehr moderaten Eintrittspreis von fünf Pfund. Dann kann man die abgestellten Jets in aller Ruhe besichtigen und sogar einen Blick ins Innere einiger der größeren Flugzeuge werfen. Unübersehbar ist dabei eine Super Guppy 201 mit ihrem voluminösen Rumpf, in dem vor Jahren Bauteile für die Airbus-Verkehrsflugzeuge durch Europa geflogen wurden. Daneben stehen klassische britische Muster wie die 1956 gebaute und lange für Flugversuche genutzte Canberra B(I)8, die eingangs erwähnte Victor K.2 (XM715, „Teasin Tina“). Auch das erste Strahlverkehrsflugzeug der Welt ist in Form einer beim Aircraft & Armament Experimental Establishment genutzten de Havilland Comet vertreten.

Die Reihe der Kampfflugzeuge wird von einer doppelsitzigen Hunter T.7 angeführt. Mehrere BAC Jet Provost sind ebenso am Platz wie drei Trägerflugzeuge vom Typ Buccanneer. Dazu kommen die Sea Vixen FAW.2 und der Trainer Gnat T.1. Für exotisches Flair sorgt zudem eine PZL Mielec Iskra aus Polen. Auch Sea Harrier, Jaguar und sogar ein F-104G Starfighter der Luftwaffe (Kennung 22+35) haben inzwischen ihren Weg nach Bruntingthorpe gefunden.

Dort haben sich neben der „Cold War Jets“-Sammlung der Flugplatzeigner-Familie Walton  einige andere Vereinigungen wie Beech Restoration und vor allem die Lightning Preservation Group angesiedelt. Diese hält nicht nur zwei der in den 1980er Jahren erworbenen Abfangjäger in einem rollfähigen Zustand, sondern hat in mühevoller Arbeit auch ein sogenanntes Q-Shed aufgebaut. Die kleine Abstellhalle stand einst am Ende der Bahn in Wattisham und beherbergte zwei Lightnings, die als Alarmrotte im südlichen Bereich Großbritanniens unterwegs waren. Obwohl das Gebäude selbst eine Spende ist, mussten doch mehr als 130 000 Pfund (175 000 Euro) aufgewendet werden, um die Teile nach Bruntingthorpe zu bringen und wieder zusammenzubauen. Immerhin müssen damit die wertvollen Lightnings nicht mehr im Freien stehen, und auch umfangreichere Wartungsarbeiten wie der Austausch eines Triebwerks sind nun einfacher möglich.

Geschichte

Der Flugplatz Bruntingthorpe wurde ab November 1942 von der Royal Air Force für das mit Vickers-Wellington-Bombern ausgerüstete No. 29 Operational Training Unit genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden hier auch Testflüge mit dem Jetjäger Meteor statt. Danach war der Platz etwa zehn Jahre lang im Dornröschenschlaf, bis ihn die US Air Force ab 1957 als Verlege- und dann als Stationierungsbasis für Boeing B-47 Stratojet verwendete. Bis 1962 waren Teile des 10th Tactical Reconnaissance Wing mit RB-66B Destroyer dort aktiv. Das britische Verteidigungsministerium verkaufte das Gelände schließlich 1973 als Teststrecke an Chrysler.

1983 übernahm die Familie Walton das Gelände in Bruntingthorpe, das nach wie vor für Tests, als Lagerplatz für Container und Autos und neuerdings auch verstärkt für ausgemusterte Verkehrsflugzeuge genutzt wird. Derzeit werden hier zum Beispiel Boeing 747 von Cathay Pacific ausgeschlachtet.

Museumsinfo

Adresse: Bruntingthorpe Airfield, Leicestershire, GB
Telefon: +49 116 279 9300
Homepage: www.bruntingthorpeaviation.com
Öffnungszeiten: Sonntag, 10 bis 14 Uhr
Eintritt: 5 Pfund

Klassiker der Luftfahrt 08/2015



Weitere interessante Inhalte
Deltaflügler Avro 698 Vulcan

19.04.2018 - Der vierstrahlige strategische Deltaflügel-Bomber Avro Vulcan gilt als spektakulärstes Muster der drei „V-Bomber“ der Briten. Seit den fünfziger Jahren stellte die Vulcan die nukleare Abschreckung für … weiter

Der erste V-Bomber der Royal Air Force Vickers Valiant: Der Vorreiter

20.03.2018 - Als erster Vertreter der berühmten britischen V-Bomber steht die Vickers Valiant noch heute im Schatten ihrer spektakulären Brüder Victor und Vulcan. Dabei vollbrachte das Vickers-Produkt viele … weiter

Der Feuerspeier Supermarine Spitfire

05.03.2018 - Die Spitfire gilt als der britische Kultjäger des Zweiten Weltkriegs und wird im Vereinigten Königreich noch heute entsprechend verehrt. Das mit 20 341 Exemplaren (und 2556 der Marineversion Seafire) … weiter

Heißsporn Blackburn Firebrand

28.02.2018 - Als Jäger geplant, aber als Bomber genutzt: Die Blackburn Firebrand sollte als trägergestützter Jäger eingesetzt werden, war allerdings zu groß und schwer. Die Navy fand allerdings für sie Verwendun … weiter

Fotodokumente Erkennungszeichen alliierter Flugzeuge während der Invasion 1944

24.01.2018 - Als Schutz gegen eine Verwechslung mit deutschen Flugzeugen trugen alliierte Maschinen während der Invasion in der Normandie im Juni 1944 weiß-schwarze Streifen. … weiter


Klassiker der Luftfahrt 04/2018

Klassiker der Luftfahrt
04/2018
09.04.2018

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- 100. Todestag: Manfred von Richthofen
- Hitler Attentat: An Bord mit von Stauffenberg
- Kanadisches Fliegerass George Beurling
- Grumman FM-2 Wildcat
- Spitfire PR XI