13.11.2017
Erschienen in: 05/ 2012 Klassiker der Luftfahrt

Mach-2-MekkaAuto & Technik Museum Sinsheim

Besonders Freunde von Verkehrsflugzeugen kommen in Sinsheim auf ihre Kosten. Die Sammlung mit ihren Überschall-Stars Concorde und Tu-144 ist nicht nur in Deutschland einzigartig.

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Eigentlich gibt es nur drei Orte auf der Welt, an denen die einzigen beiden Überschall-Airliner der Geschichte zusammen zu sehen waren beziehungsweise sind: In Le Bourget auf dem Aerosalon (in den Jahren 1971, 1973, 1975 und 1977), in Hannover auf der ILA 1972 und ... aktuell in Sinsheim! Das Auto & Technik Museum im Nordwesten Baden-Württembergs hat geschafft, wovon viele andere Sammlungen nur träumen können, nämlich sowohl eine Aerospatiale/BAC Concorde als auch eine Tupolew Tu-144 zeigen zu können. Spektakulär ist auch deren Montage auf langen Stahlstelzen auf dem Dach der Ausstellungshalle, ein langjähriges Markenzeichen der Sammlung. Trotz der Höhe sind beide Jets begehbar. So können die Besucher die Kabinen und Cockpits der beiden Airliner-Legenden direkt miteinander vergleichen.

Die Concorde mit der Kennung F-BVFB landete am 24. Juni 2003 auf dem Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie 14 771 Flugstunden und 5473 Flüge hinter sich. Air France vergab das Überschall-Verkehrsflugzeug auch als Andenken an die deutschen Opfer des Absturzes vom 25. Juli 2000. Nach einem spektakulären Straßentransport und umfangreichen Vorbereitungen konnte der elegante Jet am 23. April 2004 auf das Museumsdach gehievt werden. Noch etwas komplizierter war die Anreise der Tu-144 im Jahr 2000, denn das sowjetische Gegenstück zur Concorde musste mehr als 4000 Kilometer vom Flugversuchszentrum Shukowski bei Moskau zurücklegen - größtenteils auf dem Seeweg. Ganz zu schweigen von dem bürokratischen Aufwand, der nötig war, um die Tu-144 zu erwerben und als einziges Exemplar dieses Typs außerhalb Russlands zu bringen. Die Maschine hatte nur 87 Flüge mit insgesamt knapp 198 Stunden durchgeführt.

Doch wie schafft es das Museum, an solche seltene Exponate zu kommen? Michael Walter von der Geschäftsführung des Museums gibt Auskunft: „Ohne unser Mitgliedernetzwerk wäre dies alles nicht möglich gewesen. Die Museen in Sinsheim und Speyer werden von einem gemeinnützigen Verein getragen, dem weltweit über 2500 Mitglieder angehören. Unsere Mitglieder halten überall ihre Augen und Ohren offen. Im Falle der Tu-144 haben wir bereits Anfang der 90er Jahre mit Hilfe der Vereinsmitglieder erste Kontakte zu Tupolew geknüpft. Fast zehn Jahre hat es dann aber noch gedauert, bis wir eines der ganz wenigen noch existierenden Exemplare für das Museum erhalten haben. Auch der Kontakt zur Lufthansa, die uns 2002 den Jumbo Jet zur Verfügung gestellt hat, ist über ein Vereinsmitglied zustande gekommen. Der Jumbo in Speyer war übrigens ganz wichtig dafür, dass wir von Air France den Zuschlag für die Concorde bekommen haben. Zunächst war man dort skeptisch, ob wir das Flugzeug ins Museum transportieren und dort standesgemäß präsentieren können. Unser Museumsleiter, Dipl.-Ing. Hermann Layher, ist dann mit den Vertretern von Air France nach Speyer gefahren, und als sie dort den Jumbo gesehen haben, war die Entscheidung für uns gefallen.“

Die beiden weithin sichtbaren Überschalljets sind das Signet des Museums. Dabei hatte in den 80er Jahren das Regierungspräsidium Karlsruhe noch die Verlegung von mehreren – erheblich kleineren – Flugzeugen angeordnet, da sie angeblich die Autofahrer auf der angrenzenden A6 ab lenkten und Unfälle verursachten. Aus Protest hatte das Museum eine Saab Tunnan mit Planen verhüllt. Heute ist das am 6. Mai 1981 eröffnete Museum mit derzeit rund 700 000 Besuchern jährlich einer der Publikumsmagnete der Region. Naturgemäß nehmen die ansprechend präsentierten Fahrzeuge aller Art breiten Raum ein, aber auch die Luftfahrt ist mit rund 60 gezeigten Flugzeugen und Hubschraubern aus allen Epochen gut vertreten.

Weitere Verkehrsflugzeuge sind beispielsweise die Vickers Viscount, die zunächst bei Air France und später bei Air Inter diente und 1986 zum Museum kam, und die Tupolew Tu-134. Diese stand in Diensten der ungarischen Fluggesellschaft Malev, landete im Jahr 1989 in Manching und wurde per Tieflader nach Sinsheim transportiert. Die Iljuschin IL-18 flog bis 1989 bei der tschechoslowakischen Fluglinie CSA. Am 29. Januar 1990 führte sie ihr letzter Flug nach Nürnberg, wo sie Techniker des Museums demontierten und für den Straßentransport nach Sinsheim vorbereiteten. Dort angekommen, diente der Airliner gleich als Drehort für die Comedy-Reihe „Voll daneben“ mit Diether Krebs („Pit Cock – des Teufels Steuerknüppel“).


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