03.03.2017
Erschienen in: 02/ 2017 Klassiker der Luftfahrt

FlugzeugmotorenLuftfahrtmuseum Safran - Leistungsschau in Villaroche

Herzstück vieler fliegender Legenden ist ihr Antrieb. Was liegt da näher, als den Kraftpaketen eine eigene Ausstellung zu widmen? Der französische Konzern Safran hat sich der Aufgabe angenommen und eine repräsenta­tive Sammlung in Villaroche zusammengestellt.

Einzigartig in der Welt ist die Sammlung an Flugmotoren und frühen Jettriebwerken, die das Safran-Museum nahe Paris beherbergt. Seit der Fusionierung von Snecma und Sagem zur Safran SA kümmern sich das Unternehmen,   immerhin Europas zweitgrößter Hersteller von Flugmotoren und Strahltriebwerken, und die Mitglieder der „Stiftung der Freunde des Museums Safran“ um die 1989 eröffnete Ausstellung. Die Nähe zum Firmenstandort macht sich in den Besucherzahlen bemerkbar: Durchschnittlich 13 000 Interessierte pro Jahr wurden gezählt. Viele Gäste des Hauptwerks lassen sich einen Abstecher in die Sammlung nicht entgehen. Natürlich kommt das Museum nicht gänzlich ohne Flugzeuge aus.

Den Anfang macht gleich am Tor die Sud-Aviation Vautour. Das Mehrzweck-Kampfflugzeug des französischen Herstellers Sud-Ouest von 1956 wurde von zwei Snecma-Atar-Turbojettriebwerken befeuert. Weiter geht es mit Stücken echten französischen Nationalstolzes, der Blériot XI, dem Abfangjäger Dassault Mirage III und dem Hubschrauber Alouette – alle angetrieben von einem Motor oder Triebwerk, dessen Hersteller heute zum Safran-Konzern gehört.

Das Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf den mechanischen Werken der französischen Motorenbauer. So lassen sich fast alle Produkte der Safran-Gruppe in den Räumlichkeiten finden – das Snecma TF 306 aus der Mirage II ebenso wie das Rolls-Royce/Hispano-Suiza Tyne, welches in der Breguet 1150 Atlantic oder der C160 Transall verbaut war. Ein ganz spezielles Triebwerk ist selbstverständlich auch vertreten: das Olympus 593 der Concorde. Es wurde von Rolls-Royce und Snecma in Kooperation für das Mach 2 schnelle Passagierflugzeug entworfen.

Die ursprünglichen Motoren waren noch nicht die Triebwerke, die die schnellen Jets antrieben, sondern die Kolbenmotoren aus dem Hause Gnome et Rhône, die noch als Umlaufmotoren an vielen Maschinen des Ersten Weltkriegs ihren Dienst leisteten. Sie werden zusammen mit den mächtigen Stern- und Reihenmotoren aus den 30er und 40er Jahren in einer Galerie präsentiert. Gerade frisch hinzugekommen ist der Motor der Firma Lor-raine, der den Doppeldecker „Oiseau Blanc“ antrieb. Mit diesem wurde 1927 der erfolglose Versuch unternommen, nonstop von Paris nach New York zu fliegen.

Viele Ausstellungsstücke werden durch verschiedene Illuminationen gekonnt in Szene gesetzt, und so wirkt es bei den Strahltriebwerken hin und wieder so, als ob der Nachbrenner gezündet worden sei. Die Spitze der Triebwerksentwicklung bilden Raketentriebwerke wie SEP Vulcain 1 der Ariane 5 oder ein Viking-Antrieb der Ariane 4.

Abgerundet wird die auf 4000 Quadratmeter angelegte Sammlung durch Raketen, ein U-Boot und verschiedene Fahrwerkskomponenten. Diese unter anderem von Messier-Bugatti stammenden Stücke wurden zum Beispiel am Airbus A300 eingesetzt. Nach dem Rundgang kann sich der Besucher noch die umfangreiche Motorrad-Sammlung anschauen. Die Zweiräder wurden in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts von Gnome et Rhône gebaut. Das Untnehmen erwarb 1919 die Lizenz, englische ABC-Motorräder zu produzieren.

Das Musée Safran in Villaroche im Departement Seine-et-Marne ist ein Tipp für alle, die sich für Technik interessieren und einen tieferen Einblick in die Historie der Motoren und Triebwerke französischer Hersteller bekommen möchten. Man kann einen Besuch  gut mit einem Ausflug nach Paris verbinden: Die Ausstellung ist mit der RER-Linie D erreichbar. Umgestiegen wird an der Station Lieusaint-Moissy in den Bus Sénart Express 51/55.

Museumsinfo

kl 02.2017 Safran Museum (01)

Die Spanne der Exponate des Museums reicht von Umlaufmotoren bis zu modernen Jetantrieben. Foto und Copyright: Marco Minari  

 

Musée aéronautique et spatial Safran

Adresse:
Musée aéronautique et spatial Safran, Rond-Point René Ravaud – Réau, 77550 Moissy-Cramayel, Frankreich
Telefon: +33 1 60597258
Website: www.museesafran.com
Öffnungszeiten: mittwochs von 9 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr. An jedem letzten Samstag im Monat zwischen 14 und 17 Uhr.  An den übrigen Tagen ist lediglich eine Buchung für Gruppen möglich. Diese kann über die „Freunde des Safran-Museums“ vorgenommen werden.
Per E-Mail unter: aams@museesafran.com
Eintritt: frei
Ausstellungs-Highlights: Flugmotoren und Jettriebwerke aus über 100 Jahren Firmengeschichte. Umfangreiche Sammlung französischer Motorräder.

Mehr zum Thema:
Marco Minari



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