12.11.2018
Klassiker der Luftfahrt

Flying Heritage & Combat Armor MuseumJunkers Ju 87 Stuka wird wieder fliegen

Darauf hat die Warbird-Szene seit Jahrzehnten gewartet. Viel wurde in der Vergangenheit bereits gemunkelt, jetzt ist es raus. In Seattle, im Flying Heritage & Combat Armor Museum, wird eine Junkers Ju 87 R-4 restauriert. In zwei Jahren soll der Stuka wieder fliegen.

Junkers J 87 R-4 Stuka_FHCAM_Front

Die Junkers Ju 87 mit der Werknummer 6234. Foto und Copyright: FHCAM  

 

Der Stuka der Flying Heritage & Combat Armor Museum (FHCAM) ist nur eins, von einer ganzen  Reihe von Flugzeugen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 aus der ehemaligen Sowjetunion geborgen wurden. Viele davon kommen aus den nördlichen Gebieten und auch die FHCAM Stuka bildet da keine Ausnahme. Der Sturzkampfbomber wurde bei Murmansk im äußersten Norden Russlands abgeschossen.  Dies war bereits am 24. April 1942. Pilot, Leutnant Rudolf Neumann, startete zusammen mit seinem Funker Kurt Graef an diesem Morgen in Richtung Murmansk. 

Etwa 10 Kilometer vor dem Ziel wurden sie von sowjetischen P-40´s und Hurricanes in die Mangel genommen. Neumann konnte seine R-4, mit der Werknummer 6234, mit dem Fallschirm verlassen und zu den eigenen Truppen zurückkehren. Graef gilt seit diesem Tag als vermisst. 

Von Murmanks nach Berlin

Junkers J 87 R-4 Stuka_FHCAM

Der Stuka war eins im Deutschen Technik Museum Berlin. Foto und Copyright: Flying Heritage & Combat Armor Museum  

 

So blieb die FHCAM Stuka von April 1942 bis etwa 1991 in der Tundra außerhalb von Murmansk. Etwa zu dieser Zeit begann Jim Pearce, Warbird Wracks aus der ehemaligen Sowjetunion zu erwerben. Er betrieb im englischen Sussex ein Geschäft für Pflanzenschutzmittel und Flugzeugrestaurierung.

Die Details zur Lage und zur Bergung der FHCAM Stuka sind nicht bekannt, aber wir können auf der Grundlage veröffentlichter Berichte über andere Flugzeuge spekulieren, die Pearce zu diesem Zeitpunkt nach England gebracht hat. Im Februar 1992 veranlasste Pearce den Transport einer Bf 110 und Fw 189 nach Hull, England, per Schiff.Diese Flugzeuge erreichten am 18. Februar seinen privaten Flugplatz.

Im August 1992 erschien die erste Erwähnung der FHCAM Stuka in der Presse als "das neueste Stück aus Russland, das ankam....obgleich gut erhalten, sind die Überreste nicht so vollständig wie Pearces Bf 110 oder Fw 189". Das nächste Mal erschien die Ju am 19. September 1992 in der Öffentlichkeit. An diesem Tag sollte sie zusammen mit Der Fw 189 über Sothebys versteigert werden. Ohne Erfolg. 1994 kaufte Tim Wallis aus Neuseeland zwei Bf 110 und die Stuka Überreste und verkaufte letztere zusammen mit weiteren deutschen Mustern an das Deutsche Technik Museum in Berlin. 

2011 konnte Microsoft Mitbegründer Paul Allen (+) die Ju 87 erwerben und ließ kurz darauf die Restaurierung beginnen. Nun wurde der Rumpf zusammen mit den Flächen und den Radschuhen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die Restaurierung soll in den kommenden 18 Monaten unter den Augen der Öffentlichkeit in der neuen Halle des FHCAM abgeschlossen werden. Die Maschine ist dann eine von nur drei heute noch existierenden und die einzige die fliegen wird. Paul Allen, der in Seattle die exklusivste Sammlung von Flug- und Fahrzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut hat, ist im Oktober 2018 im Alter von 65 Jahren an den Folgen einer langen Krebserkrankung gestorben.

 

Erfahren Sie mehr über den Stuka und einen weiteren deutschen Exoten im FHCAM in einer der kommenden Ausgaben des Klassiker der Luftfahrt. 

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ppr


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