13.12.2017
Erschienen in: 03/ 2016 Klassiker der Luftfahrt

LuftfahrtmuseumJet Age Museum in Gloucestershire

Seit der offiziellen Eröffnung am 10. Mai 2014 wächst das Jet Age Museum (JAM) am britischen Gloucestershire Airport stetig. Der Name Gloster, Kurzform für Gloucestershire, steht für viele bekannte Flugzeugentwicklungen. Im Jet Age Museum sind einige der namhaftesten Typen zu finden.

Entstanden ist das JAM aus der im Jahr 2000 geschlossenen Sammlung am Gloucestershire Airport. In den 1980er und 90er Jahren war das Museum fester Bestandteil in der britischen Luftfahrtmuseenszene. Aufgrund des drohenden Abrisses des genutzten Hangars entschloss sich die damalige Leitung, die Sammlung zu schließen, und so verschwand sie 14 Jahre hinter verschlossenen Türen. Mehr als zehn Jahre später organisierte der Initiator John Lewer  zusammen mit einer Armee von Freiwilligen  die finanziellen Mittel,  um eine Neueröffnung im nördlichen Bereich des Flugplatzes zu ermöglichen. Man konnte sogar den Sohn von Sir Frank Whittle als Förderer gewinnen. Sir Frank Whittle war der Triebwerkskonstrukteur des ersten alliierten Düsenjets, der Gloster E.28/39.

Das Museum ist nicht besonders groß, auf gerade einmal 30 mal 36 Metern finden sich neben dem Café, der Bibliothek und der Werkstatt die verschiedenen Ausstellungsstücke. Im Vordergrund steht die Luftfahrtindustrie in der Region; besonders hervorgehoben werden die Leistungen des Triebwerkentwicklers Whittle.

Nachbau des ersten britischen Düsenjets

Das Highlight und der ganze Stolz der Museumsbetreiber ist der 1:1-Nachbau der E.28/39. Das Original wurde unweit des heutigen Ausstellungsorts gebaut und kurz vor dem Erstflug per Lastwagen zur RAF-Basis Cranwell gebracht, um am 15. Mai 1941 zum ersten Mal abzuheben. Nur zwei E.28/39 baute der britische Hersteller. Der Prototyp mit der Kennung W4046 ging während der Flugversuche verloren. Die Querruder klemmten in großer Höhe, und Testpilot Douglas Davie war der erste britische Pilot, der aus einem Düsenflugzeug mit dem Fallschirm aussteigen musste. Der erste Versuchsträger steht heute im Science Museum in South Kensington. Drei verschiedene Varianten des Nachfolgemodells, der Gloster Meteor, sind in der Ausstellung des JAM zu finden, unter anderem einer von nur 89 gefertigten Trainern des Jägers. Die Maschine mit der Kennung WF784 war von Januar bis September 1951 auf verschiedenen Basen in Deutschland stationiert, bevor sie 1965 endgültig ausgemustert wurde. Die beiden weiteren Meteors wurden von verschiedenen Unterstützern gestiftet.

Jäger aus den 20ern

Auch die frühen Entwürfe von Gloster kommen nicht zu kurz. Die Gamecock ist der letzte britische Luftwaffenjäger, der komplett aus Holz gebaut wurde. Er diente bis 1940 in der RAF. Heute ist kein originales Exemplar der 120 gebauten Doppeldecker mehr vorhanden. Beim Museumsflugzeug handelt es sich daher um einen Nachbau, der seit 1992 von verschiedenen freiwilligen Gruppen rekonstruiert wurde. 

Auch die Restaurierung eines in Norwegen geborgenen Gloster-Gladiator-Doppeldeckers wird von den Museumsmitarbeitern stetig vorangebracht. Bei der Maschine handelt es sich um die N5914 der 263 Squadron der, welche am 2. Juni 1940 über Norwegen abstürzte. Der gerade einmal 20-jährige Flugzeugführer, Pilot Officer Jim Wilkie, verlor dabei sein Leben.

Natürlich darf in einem britischen Museum einer der großen Jäger des Zweiten Weltkriegs nicht fehlen. Im JAM wird diese Ehre einer Hawker Hurricane zuteil. Auch hierbei handelt es sich um einen Nachbau, er wurde Darsteller im Film „Luftschlacht um England“. Die Restaurierung einer Hawker Typhoon Mk I läuft seit 1998, und auch deren Baufortschritte sind öffentlich zu verfolgen. Eine leise Ikone der alliierten Streitkräfte wird am Rande beleuchtet: der Horsa-Lastensegler der Firma Airspeed. Der in einer Stückzahl von 3800 Exemplaren gebaute Gleiter wurde auch in den Hallen von Gloster gefertigt.

Eine Sammlung von Propellern und Motoren sowie die reich bestückte Bücherei runden das Angebot des feinen Museums ab. Der Eintritt in die Ausstellung ist kostenlos.

Museumsinfo

Adresse: Meteor Business Park, Cheltenham Road East, Gloucester GL2 9QL, England
Telefon: +44 1452 260078
Homepage: www.jetagemuseum.org
Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag
Eintritt: frei
Flugzeuge:
Gloster E38 (Replica)
Gloster Gamecock (Replica)
Gloster Gladiator
Gloster Javelin FAW3
Gloster Javelin FAW9
Gloster Meteor T7, F8, NF14
Hawker Hurricane (Replica)
Hawker Typhoon
Avro Vulcan (Cockpitsektion)

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 03/2016

Mehr zum Thema:
Geoffrey Jones/ppr


Weitere interessante Inhalte
Jagdbomber Republic F-84F Thunderstreak bei der Luftwaffe

12.12.2018 - Beim Wiederaufbau der Luftwaffe wurden nicht weniger als sechs Jagdbombergeschwader aufgestellt. Sie erhielten die Republic F-84F Thunderstreak, die zahlenmäßig zum wichtigsten Kampfjet der … weiter

Jagdflugzeug North American P-51 Mustang

12.12.2018 - 1940 startete eines der berühmtesten Jagdflugzeuge aller Zeiten zu seinem Erstflug. Die P-51 Mustang entstand innerhalb von nur knapp vier Monaten – nicht nur für die Ingenieure eine wilde Zeit. … weiter

Die Deutsche Luftfahrtsammlung Verlorene Schätze

11.12.2018 - Die 1936 eröffnete Deutsche Luftfahrtsammlung (DLS) in Berlin überdauerte nicht einmal zehn Jahre. Ihr Untergang im Bombenhagel machte sie zum Mythos. Lange verschollene Fotos erlauben noch einmal … weiter

California Dreaming Lyon Air Museum

11.12.2018 - „The Greatest Generation in aviation History“ – die großartigste Generation der Luftfahrt. So titelt das Lyon Air Museum auf seiner Website. Absolut zu Recht, denn in der klimatisierten Halle am … weiter

Fotodokumente Vom Entwurf zum Produkt – Flugzeuge im Vergleich

11.12.2018 - Möglichst spektakulär wollen die Illustrationen die neuen Projekte ihrer Firmen darstellen. Oft unterscheiden sich die Bilder dann deutlich vom fertigen Produkt, weil die Detailkonstruktion andere … weiter


Klassiker der Luftfahrt 01/2019

Klassiker der Luftfahrt
01/2019
26.11.2018

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Oscar Bösch: Rammeinsatz mit der Fw 190
- Martin Marietta X-24: Auftriebskörper ohne Flügel
- Zerstörer: Einsatz mit der Messerschmitt Bf 110
- Spoerfliegerei: Die Übernahme des deutschen Luftsports 1933
- Würger 2.0: Jerry Yagens besondere Flug Werk 190