05.03.2018
Erschienen in: 02/ 2018 Klassiker der Luftfahrt

Deutsche Exoten in NorwegenFlyhistorik Museum Sola

Norwegen ist ein beliebtes Ziel für Reisende aus Deutschland. Auch für Luftfahrt-Fans hat das Land attraktive Ausflugsziele zu bieten – etwa das Flyhistorik Museum in Sola. Dort bekommt man einige deutsche Klassiker zu Gesicht, die man hierzulande vergebens sucht. Zu ihnen gehören Heinkel He 115 und Arado Ar 196.

Verkehrsflughafen, Fliegerhorst der Luftwaffe, Basis der Königlich Norwegischen Luftstreitkräfte, Drehscheibe im Offshore-Helikopterverkehr zu den norwegischen Ölfeldern in der Nordsee – der 1937 eröffnete Flughafen Stavanger-Sola kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Wer mehr über den Platz erfahren und Flugzeugraritäten bewundern möchte, sollte dem Flyhistorisk Museum Sola einen Besuch abstatten.

Das Museum, nördlich des Flughafens am Ufer des Hafrsfjords gelegen, wurde 1984 gegründet, gehört seit 2012 zum Verbund Jærmuseet und wird größtenteils von ehrenamtlich arbeitenden Mitgliedern betrieben. Untergebracht ist die Ausstellung in einer ehemaligen Seeflugzeughalle der Luftwaffe, zu sehen sind rund 30 Luftfahrzeuge, Motoren, Teile, Ausrüstungsgegenstände, Uniformen, Dioramen und Modelle.

Ein Schwerpunkt der Sammlung liegt auf den Fluggeräten der norwegischen Luftstreitkräfte. Zwischen 1951 und 1983 waren Republic F-84G Thunderjet, RF-84F Thunderflash, Lockheed T-33A und Northrop F-5A in Sola stationiert, die nun ebenso im Museum vertreten sind wie der Trainer Saab 91B-2 Safir, die North American F-86F und der Allwetterjäger F-86K Sabre, der Canadair CF-104 Starfighter und die Bell UH-1B. Lokalen Bezug hat auch die Consolidated PBY-5A: 1946 verlegte die 333 Skvadron sie von Oslo-Fornebu nach Sola und flog bis 1961 verschiedene Versionen der Catalina.

Während eine Fairchild PT-26 Cornell noch auf die Restaurierung wartet, schreitet der Wiederaufbau des Rumpfs einer Caproni Ca.310 stetig voran. Norwegen hatte 1938 vier dieser leichten zweimotorigen Bomber/Aufklärer erworben und dem Bombevingen (Bombergeschwader) in Sola zugeteilt. Nur die Maschine mit dem Kennzeichen 505 überstand den Zweiten Weltkrieg, und 1990 gelangten ihre Überreste in das Flyhistorisk Museum.

Fortschritte machen auch andere interessante Projekte: In der von der Museumshalle einsehbaren Werkstatt wird am Rumpf einer Messerschmitt Bf 109 G-2 gearbeitet. Recherchen lassen vermuten, dass es sich um die „Weiße 3“ der I./JG 5 handelt, mit der Feldwebel Josef Sommeregger nach einem Luftkampf mit Handley Page Hampden der RAAF No. 455 Squadron am 7. Juli 1943 vor Egersund notwassern musste. Der Pilot gilt seither als vermisst, das Wrack der Bf 109 war im November 1988 von Fischern in 300 Metern Tiefe entdeckt worden.

Schlagzeilen in der Szene hatte vor vier Jahren die Bergung der 1942 im Hafrsfjord verunglückten Heinkel He 115, 8L+FH gemacht. Der Geschichte, Bergung und Restaurierung dieses seltenen Schwimmerflugzeugs ist eine eigene Ausstellung in einem der Nebenräume gewidmet, den konservierten hinteren Rumpfabschnitt kann man in der Haupthalle begutachten. Ebenfalls ein Wasserfund ist die Arado Ar 96 B-1, PI+OT, deren Rumpf inzwischen fast vollständig restauriert ist. Komplettiert wird die Sammlung „Deutsche Luftwaffe“ durch einen Fieseler Fi 156 C-2 Storch und das Rumpfgerüst einer Arado Ar 196 A-2, das ein norwegisches Tauchunternehmen 1994 im Zuge der „Operation Blücher“ aus dem Oslofjord geborgen hat.

Seltene deutsche Flugzeuge werden restauriert

Aber auch die zivile Luftfahrt kommt nicht zu kurz: An die norwegische Fluggesellschaft Braathens SAFE, die in Stavanger-Sola eine technische Basis unterhielt, erinnern eine de Havilland D.H.114 Heron 1B und ihre Nachfolgerin im Inlandslinienverkehr, eine Fokker F.27-100. Raritäten, zumindest in europäischen Luftfahrtmuseen, sind die Noorduyn Norseman Mk IV, die Aero Commander 680FL Grand Commander und die Convair 440. Diese war einer der letzten aktiven kolbenmotorgetriebenen Convair-Twins in Europa. Der Propliner stand bei SAS und Nor-Fly im Dienst, bevor er 1984 von dem Verein Norsk Metropolitan Klubb in Sola erworben und noch drei Jahre flugfähig gehalten wurde. Nicht vergessen, beim Rundgang nach oben zu schauen: Unter der Hallendecke hängen neben einer Piper J3C-65 Cub und einem in Norwegen gebauten Schulgleiter Hols der Teufel von Alexander Lippisch auch drei Segelflugzeuge – eine DFS Olympia Meise, ein Scheibe Bergfalke II/55 sowie ein EoN Baby Type 8, ein von Elliotts of Newbury in Lizenz gefertigtes, leicht überarbeitetes Grunau Baby IIb. 

Für das leibliche Wohl sorgt die im Stil einer Staffelbar eingerichtete Cafeteria, deren Wände Geschwaderwappen zieren, und am Ausgang erwartet den Besucher ein kleiner Museumsshop.

Museumsinfo

Adresse: Flyhistorisk Museum Sola, Flyplassvegen 131, 4050 Sola, Norwegen
Telefon: +47 47776020
Website: www.flymuseum-sola.no und www.jaermuseet.no
Öffnungszeiten: 1. Mai bis 19. Juni: sonntags von 12 bis 16 Uhr; 21. Juni bis 14. August: täglich (außer montags) von 12 bis 16 Uhr; 21. August bis 27. November: sonntags von 12 bis 16 Uhr; für Gruppen nach Vereinbarung auch zu anderer Zeit geöffnet
Eintritt: Erwachsene: NOK 70 (zirka 7,50 Euro), Kinder: NOK 30 (zirka 3,25 Euro)
Ausstellungs-Highlights: Heinkel He 115, Arado Ar 96, Arado Ar 196, Messerschmitt Bf 109 G-2,  Consolidated PBY-5A Catalina,  Fieseler Fi 156 C-2, F-84G Thunderjet, Canadair CF-104 Starfighter, Noorduyn Norseman, Caproni Ca.310, Trainer Saab 91B-2 Safir, RF-84F Thunderflash

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 02/2018

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Martin Bach


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