03.12.2017
Klassiker der Luftfahrt

Schlacht um MidwayFlugzeugträger-Museum USS Midway in San Diego

Die USS „Midway“ war länger in Dienst als jeder andere Carrier und nahm am Vietnamkrieg und am Golfkrieg von 1991 teil. Sie ist der größte als Museum zugängliche Flugzeugträger der Welt und bietet einmalige Einblicke in den Alltag auf der schwimmenden Stadt.

An der berühmten Schlacht des Zweiten Weltkriegs hatte die USS „Midway“ zwar nicht teilgenommen – schließlich wurde sie erst im September 1945 in Dienst gestellt –, doch einen anderen wichtigen Kampf hat sie gewonnen: den um ihre Existenz. Im Gegensatz zu anderen ausgedienten Flugzeugträgern der US Navy, die entweder verschrottet oder als künstliche Riffe im Meer versenkt wurden, dient der Carrier der Midway-Klasse nun als schwimmendes Museum im Hafen von San Diego, Kalifornien. Bis das USS-„Midway“-Museum jedoch im Jahr 2004 seine Pforten öffnen konnte, war ein hoher bürokratischer und finanzieller Aufwand nötig. Nach ihrer Außerdienststellung im April 1992 nach fast 47 Dienstjahren lagerte sie die US-Marine zunächst in Bremerton, Washington, ein und strich sie 1997 aus dem Register. Eine Gruppe von Enthusiasten konnte nach langem Tauziehen schließlich die geplante Verschrottung verhindern, die schon die beiden Schwesterschiffe „Coral Sea“ und „Franklin D. Roosevelt“ dahingerafft hatte.

Die „Midway“ kann auf eine bewegte Einsatzzeit zurückblicken. Vor ihrer ersten Einsatzfahrt diente sie der heute kaum bekannten „Operation Sandy“. Um den Einsatz von Flugkörpern von Schiffen aus zu erproben, startete die US Navy am 6. September 1947 eine amerikanische Kopie der deutschen V2-Rakete vom ursprünglich gegen Kamikaze-Angriffe gepanzerten Flugdeck. Kurz nach dem Abheben neigte sich die Rakete, flogrelativ knapp am Turm des Trägers vorbei und musste später gesprengt werden. Trotzdem galt das Experiment als Erfolg, auch wenn die Anwendung von Raketen mit Flüssigtreibstoff anschließend aus Sicherheitsgründen verworfen wurde.

Später bekam das Schiff ein angewinkeltes Deck, wie es heute Standard ist. Im Jahr 1965 führte das Trägergeschwader erste Einsätze über Vietnam durch. Danach ging die CV-41 zu weiteren Modifizierungen in die Werft. Die Arbeiten dauerten ganze vier Jahre. Anschließend bezog der Carrier wieder Station in Südostasien. Nach dem Ende des Krieges wurde die „Midway“ permanent in Japan stationiert und kam kurz vor ihrer Außerdienststellung noch im Golfkrieg von 1991 zum Einsatz.

Einen umfassenden Überblick über den damaligen Alltag an Bord der 305 Meter langen USS„Midway“ bieten heute mehrere Touren. So kann man im Turm die Brücke und die Flugüberwachungsstation (Primary Flight Control, auch Pri-Flight genannt) besichtigen.

Im Hangardeck befinden sich Ausstellungen sowie Flugzeuge aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs wie beispielsweise die frisch restaurierte Vought F4U-4 Corsair. Weiter unten können Maschinenraum, Unterkünfte, die Krankenstation und andere Komponenten der schwimmenden Stadt besichtigt werden. Oben auf dem Flugdeck stehen rund 25 Flugzeuge und Hubschrauber zur Inaugenscheinnahme bereit.

Eine Besonderheit stellt hier eine der beiden ausgestellten Phantoms dar. Die QF-4N mit der Seriennummer 153030 wurde 1976 zu einer Drohne umgerüstet und flog am 25. August 2004 von Point Mugu zur Naval Air Station North Island, um dort für das Museum vorbereitet zu werden. Es sollte der letzte Flug einer Phantom in Diensten der US Navy sein. Vor der Modifikation zur F-4N war die Maschine im Jahr 1970 bei der VF-161 auf der „Midway“ eingesetzt. Heute trägt sie die Markierungen zweier während des Vietnamkriegs auf der „Midway“ aktiver F-4B. Auf der linken Seite prangen die Abzeichen des Jets der Staffel VF-21, mit dem Commander Lou Page und Lieutenant J. C. Smith am 17. Juni 1965 den ersten Luftsieg des Krieges erzielten (über eine MiG-17). Die rechte Seite zieren die Kennzeichen des Jägers der VF-161, mit der die Lieutenants Vic Kovaleski und Jim Wise am 12. Januar 1973 den letzten Abschuss über Vietnam (ebenfalls eine MiG-17) erzielten.

Einige der Exponate haben im Laufe ihrer Karriere ebenfalls schon auf der „Midway“ gedient, wie beispielsweise die F-4S in den Jahren 1977 und 1978 (noch als F-4J). Die gezeigte Grumman A-6 Intruder war während ihrer Einsatzzeit gleich zweimal auf dem Träger beheimatet, und die Grumman C-1A Trader versorgte den Carrier zeitweise mit Post und anderen Gütern.

Außerdem sind einige andere Muster zu sehen, wie eine Grumman F9F Panther und eine seltene Aufklärerversion der F9F Cougar. Von der eleganten North American A-5 Vigilante sind nur zwölf Exemplare in Museen oder auf Fliegerhorsten erhalten geblieben, eine davon auf der „Midway“. Für Nachschub sorgt die nicht öffentlich zugängliche Restaurierungswerkstatt, die auf dem Gelände der Naval Air Station North Island liegt.

Seit 2008 befindet sich dort eine Grumman F4F-3 Wildcat in Arbeit. Eine sehr seltene Vought F7U Cutlass wartet auf die Wiederaufarbeitung ebenso wie die 17. Douglas SBD Dauntless aus der Serienfertigung; sie war aus dem Lake Michigan geborgen worden. Neuester Zugang ist ein rarer HUP-2-Hubschrauber von Piasecki.

Innerhalb recht kurzer Zeit hat das Museum eine stattliche Sammlung zusammengetragen. Bei der „Midway“ handelt es sich um die jüngste Ausstellung ihrer Art. Ansonsten gibt es in den USA vier Träger der Essex-Klasse, die als Museen dienen: seit 1975 die USS „Yorktown“ (Patriot’s Point, South Carolina), die USS „Intrepid“ (New York City, 1982), die USS „Lexington”(Corpus Christi, Texas, 1992) und die USS „Hornet“ (Alameda, Kalifornien, 1998). Ansonsten existiert nur noch die ehemalige sowjetische „Minsk“ als Unterhaltungskomplex in China. Verstärkung könnten die Museumsschiffe von der USS „Forrestal“ in Baltimore und der USS „Ranger“ in Portland bekommen, doch hier droht jeweils die Versenkung als künstliches Riff. Die USS „Saratoga“ soll in Rhode Island ausgestellt werden, eine Stiftung versucht derzeit, die notwendigen Geldmittel zu beschaffen. Hier stehen noch viele „Schlachten“ an, bis die ersten Besucher an Bord kommen können. Die „Midway“ und ihre Anhänger haben ihren Kampf zur Freude von Tausenden Besuchern gewonnen.

Museumsinfo

Adresse: 910 North Harbor Drive, San Diego, Kalifornien 92101, USA
Telefon: 001 619 544 9600
Internet: http://www.midway.org
Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 17 Uhr, außer Weihnachten und Thanksgiving (letzter Einlass 16 Uhr)
Eintritt: 20 Dollar, Kinder (6 bis 12 Jahre): 10 Dollar
Fotomöglichkeit: Fotografieren ist erlaubt'
Flugzeuge: Bell UH-1, Boeing H-46 Seaknight, Cessna O-1 Bird Dog, Douglas A-1 Skyraider, A-3 Skywarrior, A-4 Skyhawk, SBD Dauntless, Grumman A-6 Intruder, C-1 Trader, E-2 Hawkeye, F9F Panther, F9F Cougar, F-14 Tomcat, TBM Avenger, Kaman SH-2 Seasprite, Lockheed S-3 Viking, MDD F-4 Phantom II, F/A-18 Hornet, North American A-5, Vigilante, SNJ Texan, T-2 Buckeye, Sikorsky H-34 Seabat, SH-3 Seaking, Vought A-7 Corsair II, F4U Corsair, F-8 Crusader

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 04/2010

Patrick Hoeveler
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