24.11.2017
Klassiker der Luftfahrt

Edwards Air Force BaseAir Force Flight Test Museum

Das Air Force Flight Test Museum auf der Edwards Air Force Base kann nur einen Teil seiner umfangreichen und mit Exoten gespickten Exponate zeigen. Dies soll sich jedoch nach einem Umzug ändern.

Kaum ein anderer Ort ist so eng mit der Luftfahrtgeschichte verbunden wie die Edwards Air Force Base. Gerade in den 40er und 50er Jahren flogen hier – rund 120 Kilometer nordöstlich von Los Angeles entfernt – die skurrilsten Vehikel, mit denen die Piloten in bisher unbekannte Bereiche vordrangen. Ihre Erfahrungen ließen den Mythos „The Right Stuff“ entstehen, im gleichnamigen Kinofilm (deutsch: „Der Stoff aus dem die Helden sind“) gut eingefangen.

Daher ist es eigentlich ein Muss, dass hier, wo so viele Meilensteine erreicht wurden, ein Museum an diese Leistungen erinnert. Dennoch dauerte es bis 1994, bis in einem kleineren Gebäude das Air Force Flight Test Museum mit einigen Memorabilien eröffnet werden konnanderer Stelle einige historische Flugzeuge abgestellt. Im Jahr 2000 schließlich ließ die Stiftung Flight Test Historical Foundation, heute Betreiber des Museums, eine Halle neben den alten Jets errichten. Der Platz reicht allerdings nur für derzeit drei Flugzeuge, darunter die erste doppelsitzige F-16 Fighting Falcon. Bald wird sie Gesellschaft in Form der YF-22A aus Dayton bekommen. Am Eingang fällt der Blick der Besucher zuerst auf eine Wand mit Flugzeugmodellen aller Typen, die ihren Erstflug in Edwards absolviert haben. Das Museum hat rund 80 Fluggeräte im Inventar, von denen derzeit nur ein Bruchteil ausgestellt ist. Dafür finden sich hier viele Exoten wie die YA-10B Thunderbolt II. Ende der 70er Jahre stattete Republic die erste Vorserienmaschine des Panzerknackers als Technologieträger mit einem zweiten Sitz und zusätzlicher Avionik aus, um den Erdkämpfer für Nacht- und Allwetter-Einsätze (Night/Adverse Weather, NAW) zu modifizieren. Der Jet absolvierte am 4. Mai 1979 seinen Jungfernflug, blieb aber ein Einzelstück.

Einer der weiteren Stars ist die allererste General Dynamics F-111. Der Prototyp war am 21. Dezember 1964 auf der Carswell Air Force Base in Texas zu seinem Erstflug gestartet und verbrachte den Rest seiner Karriere beim Flugerprobungszentrum der US Air Force. Auch die Vought YA-7D Corsair II, der zweite für die US Air Force gebaute „Pirat“, blieb beim Air Force Flight Test Center (AFFTC). Bei der ausgestellten NF-4C handelt es sich um die erste für die US Air Force produzierte Serien-Phantom und verbrachte ihre gesamte fliegerische Laufbahn als Testflugzeug und kam 1991 ins Museum. Auch Unterstützungsflugzeuge wie die Beech Expeditor oder North American T-39 Sabreliner sind vertreten. Im Jahr 1966 brachte die US Army vier North American T-28B Trojan nach Edwards. Sie dienten als Begleitflugzeuge für den Kampfhubschrauber Lockheed AH-56 Cheyenne. Der ausgestellte Trainer ist eine dieser vier Maschinen. Eigentlich nichts mit Edwards zu tun hat die Gloster Meteor NF11. Sie begann ihre Karriere als Nachtjäger bei der Royal Air Force und diente von 1959 bis 1969 als TT20-Zielschlepper. Danach flog sie mit zivilem Kennzeichen in Mojave, bis sie am 4. Oktober 1993 auf dem Luftweg nach Edwards überführt wurde. Auch die T-33A kam aus eigener Kraft in die Wüste. Sie begann ihre Laufbahn im Juni 1959 als Trainer in Vance AFB, Oklahoma, und landete fast 30 Jahre später, im Juli 1986 von der Castle AFB kommend, in Edwards. Die gezeigte F-84F Thunderstreak verwitterte dagegen 15 Jahre lang in einem Hinterhof, bis sie ein Privatmann aus Van Nuys rettete, restaurierte und dem Museum übergab. Nicht in der Ausstellung fehlen dürfen natürlich die auch in Edwards geflogenen Typen Boeing B-52 und Lockheed SR-71. Eine weitere Blackbird sowie eine A-12 und eine F-117A, die ebenfalls zur Sammlung gehören, finden sich im Blackbird Air Park in Palmdale. Muster wie die YA-7F Corsair, A-26 Invader, B-1B Lancer, F-111 AFTI oder T-46 Eaglet stehen dagegen noch unzugänglich auf der Südseite der Basis, neben dem Hangar der mit einem Laser ausgestatteten Boeing 747.

Eigentlich müsste sich das Museum nicht über mangelnden Besucherandrang beschweren können, aber nach den Anschlägen vom 11. September 2001 haben nur noch Personen Zugang, die auch für die Air Base zutrittsberechtigt sind. Dies soll sich jedoch ändern, denn langfristig strebt die Stiftung eine Verlegung nach außerhalb des Fliegerhorstes an und plant eine Kampagne, um die nötigen Finanzmittel zusammenzubekommen. Schon heute grüßt an dem Besucherparkplatz vor dem Westtor der frei zugängliche „Century Circle“. Hier sind alle in Serie gegangenen Exemplare der legendären „Hunderter-Serie“ rundum das obere Teil des alten Kontrollturms versammelt: F-100 Super Sabre, F-101 Voodoo, F-102 Delta Dagger, F-104 Starfighter, F-105 Thunderchief und F-106 Delta Dart. Bald könnte daneben das neue Museum beheimatet sein. Genug Platz in der Mojave-Wüte ist jedenfalls vorhanden.

Museumsinfo

Air Force Flight Test Museum, 405 S. Rosamond Boulevard, Edwards AFB, CA 93624, USA

Telefon: 001-661-277-8050
Internet: www.afftcmuseum.com

Öffnungszeiten:
Dienstags bis Freitags 10 bis 16:30 Uhr. An Feiertagen geschlossen.

Achtung: Da sich das Museum auf dem Gelände der Edwards AFB befindet, ist der Besuch nur mit speziellen Führungen möglich.

Details: www.edwards.af.mil

Eintritt: frei

Fotomöglichkeit: Fotografieren ist erlaubt.

Flugzeuge (ausgestellt):
Beech UC-45J, Bensen X-25B, Bell XS-1 (Nachbau), Boeing B-52D, X-36, Cessna NA-37B, Fairchild YA-10B, General Dynamics F-111A, Gloster Meteor NF11, Lockheed, F-16B, SR-71A, T-33A, MDD NF-4C , North American, CT-39A, T-28B, Republic F-84F, Sikorsky CH-3C, SH-34G, Vought YA-7D

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 04/2009



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