29.10.2018
Klassiker der Luftfahrt

Deutsches MusemChristoph 1 in Flugwerft Schleißheim

Neuzugang in der Flugwerft Schleißheim. Am 26. Oktober wurde der ADAC Rettungshubschrauber mit der Seriennummer 1 an das Deutsche Museum übergeben. Die Bo 105 dokumentiert die Geschichte der zivilen Luftrettung.

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Christoph 1 wurde an das Deutsche Museum übergeben. Foto und Copyright: Deutsches Museum  

 

Der gelbe Engel hat keine Flügel – er hat Rotoren. In der Ausstellungshalle der Flugwerft ist jetzt ein ganz besonderer Neuzugang gelandet: Die Bo 105 gilt als Meilenstein in der Deutschen Luftfahrtindustrie und soll künftig in Schleißheim die Geschichte der zivilen Luftrettung dokumentieren. Der Hubschrauber mit der Seriennummer 1 wurde durch den Förderverein der ADAC Luftrettungsstation „Christoph 1“ aufwendig restauriert und am 26. Oktober dem Deutschen Museum feierlich übergeben.

Die vier Rotorblätter auf dem Dach haben einen Durchmesser von knapp zehn Metern. Trotzdem wirkt der Neuzugang in der Ausstellungshalle neben dem riesigen Flugboot oder dem Senkrechtstarter

eher zierlich. Verstecken muss sich die Bo 105 aber nicht zwischen den Größen der Luftfahrtgeschichte: „Das Modell ist der erste Helikopter aus durchgehend deutscher Entwicklung und Produktion und das erfolgreichste deutsche Fluggerät der Nachkriegszeit“, sagt Gerhard Filchner, der Leiter der Flugwerft Schleißheim.

Das Kernstück der technischen Innovation war in der Bo 105 von Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB, heute Airbus Helicopters) der gelenklose Rotor, „ein Prinzip, das sich bis heute auch in den

Nachfolgemodellen bewährt“, so Filchner. Außerdem kam beim Bau der Rotorblätter erstmals glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK) zum Einsatz.  Mit der leuchtenden Signalfarbe fällt auch sofort die zweite große Besonderheit des Helikopters ins Auge: „Diese Maschine ist untrennbar verbunden mit der Geschichte der zivilen Luftrettung in Deutschland“, sagt Gerhard Filchner. 1970 wurde der erste gelbe Rettungshubschrauber des ADAC, eine Bo 105, am Krankenhaus Harlaching in Dienst gestellt. Der Helikopter mit der Kennung „DHILF“ erhielt den Namen Christoph, nach dem heiligen Christophorus, dem Schutzpatron der Autofahrer und Reisenden. Die Zahl 1, die den Standort Harlaching kennzeichnet, kam erst später dazu, nachdem mehr und mehr Luftrettungsstationen nach dem Münchner Modell im ganzen Land errichtet wurden.

Mittlerweile haben die gelben Engel fasteine Million oftmals lebensrettende Einsätze geflogen. Allein „Christoph 1“ kommt auf durchschnittlich etwa 1500 Einsätze pro Jahr. Von Harlaching aus heben die Helfer inzwischen in der modernen H 145 von Airbus Helicopters ab. Doch ohne die Bo 105 wäre der Erfolg des Luftrettungskonzepts kaum denkbar. „Leicht, beweglich, wartungsfreundlich - die Maschine war damals für diesen Zweck geradezu ideal“, sagt Gerhard Filchner. 

Die Geschichte des ersten „Christoph 1“ endete allerdings 1975 auf äußerst tragische Weise: Die Bo 105 mit der Seriennummer 5 verunglückte bei einem Einsatz und wurde völlig zerstört. Die

dreiköpfige Besatzung - Pilot, Arzt und Sanitäter - kam damals ums Leben. Das Ausstellungsstück in der Flugwerft Schleißheim trägt die Seriennummer 1 und diente jahrelang bei MBB und bei der Technischen Universität München als Versuchsträger. Der Förderverein der ADAC Luftrettungsstation „Christoph 1“ hat den Helikopter nun aufwendig restauriert und originalgetreu ausgestattet. „Unsere Besucher können die Maschine aus unmittelbarer Nähe so sehen, wie sie in den 1970er-Jahren im Einsatz war“, sagt Gerhard Filchner. Und auch Generaldirektor Wolfgang M. Heckl freut sich über die neue Dauerleihgabe für die Schleißheimer Zweigstelle: „Als technischer Meilenstein passt dieser Hubschrauber natürlich bestens zu unserer Sammlung von Meisterstücken. Als Pionier-Maschine der zivilen Luftrettung ist der Wert der Bo 105 allerdings noch viel höher zu schätzen!“



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