02.11.2017
Klassiker der Luftfahrt

Streifzug durch die LuftfahrtAviodrome im niederländischen Lelystad

Luftfahrtgeschichte spannend, ideenreich und in einem attraktiven Rahmen präsentiert: Das Aviodrome am Flugplatz Lelystad vermittelt über 100 Jahre niederländische Luftfahrt auf beispielhafte Art.

Kees Hensen ist stolz auf das Aviodrome. Nicht nur, weil ihm als Koordinator für rund 300 ehrenamtliche Helfer das Museum besonders am Herzen liegt. Der Luftfahrt-Themenpark bei Lelystad, unweit vom niederländischen Ijsselmeer, ist tatsächlich etwas Besonderes in der Museumslandschaft. Der gelungene Mix aus ansprechend und informativ inszenierter Ausstellung und familienfreundlichem Ambiente zieht nicht ohne Grund jedes Jahr rund 200 000 Besucher an.

„Kein Wunder, wenn ein Museum so ideal in einer tourismusstarken Ferienregion liegt“, mag mancher denken. Der Hauptgrund für die Anziehungskraft des Aviodromes ist aber, dass man hier sehr lebendig über 100 Jahre Luftfahrt, vor allem der Niederlande, erleben kann.

Deren Geburt ist exakt auf den 27. Juni 1909 datiert. Doch nicht ein Holländer, sondern der Franzose Charles de Lambert war es, der den ersten Flug in den Niederlanden durchführte. Ein schöner Nachbau des von ihm dabei genutzten Wright Flyers ist deshalb auch die erste Station auf der Museumstour.

Ein weiteres Ausstellungs-Highlight der frühen Entwicklung ist der von dem Niederländer Koolhoven konstruierte Jäger F.K. 23 Bantam. Dieses weltweit einzige noch erhaltene Exemplar wurde 1918 bei der britischen B.A.T. (British Aerial Transport Company) gebaut. In Vergleichstests mit der Fokker D.VII, die damals als der leistungsfähigste Jäger galt, schnitt die F.K. 23 im Jahr 1918 sehr gut ab. Zu einer Großserie kam es dennoch nicht.

Ein weiteres Juwel ist die Fokker F.VIIa. Das ausgestellte Exemplar wurde 1927/28 für die Schweizer Balair gebaut. Seit seiner Restaurierung erstrahlt der frühere Airliner in den Farben eines Flugzeugs der KLM, mit dem die Fluggesellschaft 1928 den ersten Linienflug von Holland nach Indien unternahm.

Ob es sich um sorgsam arrangierte Abfertigungsszenen handelt oder um geschickt inszenierte Darstellungen wie in der Abteilung zur deutschen Invasion in Holland, bei der der Besucher auf einem Glassteg über einem Luftbild des angegriffenen Den Haag läuft: An vielen Stellen haben die Museumsmacher die Exponate stimmungsvoll in den Kontext ihrer Zeit gesetzt. Dass ein Teil der Restaurierungsarbeiten vor den Augen der Besucher stattfindet, macht die Ausstellung noch lebendiger.

Etwas ganz Spezielles ist auch die Funkstation im originalgetreu wieder aufgebauten Terminalgebäude vom Flughafen Amsterdam-Schiphol. Die Funkgeräte aus den 30er und 40er Jahren sind tatsächlich noch aktiv. Für Amateurfunker: Das Rufzeichen der Station lautet PI9ADL.

Die Zusammenarbeit des Museums mit verschiedenen Stiftungen ermöglicht, dass Besucher sogar Gastflüge buchen können, zum Beispiel mit einer Consolidated Catalina inklusive Aufsetzen auf dem Ijsselmeer. Ob man diese zusätzlichen Angebote wahrnehmen will oder nicht: Das Aviodrome ist eine gute Empfehlung für eingefleischte Luftfahrtfans wie auch für Leute, die ein tolles Ziel für einen Familienausflug suchen.

Museumsinfo

Anschrift: Nationaler Luftfahrt-Erlebnispark Aviodrome Pelikaanweg 50, 8218 PG Luchthaven Lelystad, Niederlande
Öffnungszeiten: täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr. Während der Schulferien auch montags geöffnet.
Eintrittspreise: Erwachsene: 16,95 Euro, Kinder: 14,95 Euro (bis drei Jahre frei)
Fotoerlaubnis: ja
Internet: www.aviodrome.nl

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 03/2009

hm
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