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Mit 24 Hunden an Bord

64 Jahre alte DC-6 auf Transatlantikflug

Von Yellowknife in Kanada bis Stavanger in Norwegen sind es Luftlinie rund 5500 Kilometer. Dazwischen liegt der Atlantik. Eine alte DC-6, Baujahr 1956, flog die Strecke nun nonstop. An Bord: Der Sieger des härtesten Schlittenhunderennens der Welt und 24 Huskies.

Es gibt Geschichten, die kann sich eigentlich nur ein Drehbuch-Autor aus Hollywood ausdenken – oder das Leben selbst: Im März dieses Jahres trat der Norweger Thomas Waerner mit 16 Huskies beim legendären Iditarod in Alaska an. Das Iditarod ist das längste und wohl auch härteste Schlittenhunderennen der Welt. Über 1500 Kilometer Wildnis liegen zwischen dem Startpunkt Anchorage und dem Ziel in Nome. Für Thomas Waerner ging in diesem Jahr ein lang gehegter Traum in Erfüllung: er gewann. Kein anderer Teilnehmer bewältigte die Strecke schneller als der Extremsportler aus Norwegen mit seinem Hundegespann.

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Erst der Iditarod-Sieg, elf Wochen später die Heimreise in einer 64 Jahre alten DC-6: Das Jahr 2020 wird Schlittenhunde-Champion Thomas Waerner sicher nie mehr vergessen.

Gestrandet in Alaska

Doch zur Freude über den historischen Triumph mischte sich bei Waerner schnell die Ungewissheit. Denn noch während der 47-Jährige in der Wildnis Alaskas um den Sieg kämpfte, schlug im Rest der USA die Corona-Pandemie zu. US-Präsident Trump zog die Grenzen hoch, Waerners Frau Guro musste sich sputen, noch einen Platz in einem der letzten Linienflüge aus den USA nach Europa zu erhaschen. Als Gatte Thomas am 18. März als Sieger die Ziellinie in Nome überquerte, waren nicht nur keine Zuschauer mehr vor Ort, die ihm zujubeln konnten. Auch seine Frau war längst zurück in Norwegen – und der Iditarod-Triumphator steckte in Alaska fest, zusammen mit seinen 16 Hunden und acht weiteren, die ihm ein Landsmann zur Betreuung überlassen hatte.

Ken Fielding (CC BY-SA 3.0)
Die DC-6, die bis vor Kurzem bei Everts Air Cargo in Alaska im Dienst stand, flog einst als LN-SUB auch für die norwegische Braathens SAFE. Im Bild eine Schwestermaschine.

Eine DC-6 fürs Museum

Etwa zur selben Zeit bereitete sich in Waerners Heimat Norwegen das Flughistorische Museum in Sola bei Stavanger auf die Ankunft eines ganz besonderen Museumsstückes vor: Seit Langem war man in Sola auf der Suche nach einer Douglas DC-6 für die Ausstellung gewesen – und schließlich bei der Fracht-Airline Everts Air Cargo aus Alaska fündig geworden. Das Objekt der Begierde stand dort als N151 auch mit rüstigen 63 Jahren unentwegt im Einsatz und war entsprechend gut in Schuss. Vor allem aber hat die historische Viermot in ihrer langen Liste früherer Dienstherrn auch Einträge aus Norwegen vorzuweisen: Von November 1962 bis Juni 1972 flog sie unter norwegischer Flagge, zunächst mit der Kennung LN-SUB, ab Mai 1971 mit dem Kennzeichen LN-MTV. Die meisten ihrer norwegischen Dienstjahre verbrachte sie im Farbkleid von Braathens SAFE. Klar, dass man in Sola unbedingt diese Maschine haben wollte!

Eine neue Chance

Mit dem Eigner Everts Air Cargo war man sich schon Mitte 2019 einig geworden. Doch die geplante Überführung war immer wieder gescheitert, aus den verschiedensten Gründen. Der jüngste Versuch war für März 2020 angesetzt. Mit der hereinbrechenden Corona-Krise aber verdunkelten sich plötzlich die Vorzeichen für das Unterfangen: Da Norwegens Währung stark vom Ölpreis abhängt, dieser jedoch im Frühjahr in den Keller schoss und die Norwegische Krone mit sich zog, wäre die Überführung für das Museum mit einem Mal viel zu teuer geworden. Fast gab man sich in Sola bereits endgültig geschlagen – doch da ergab sich in Person von Thomas Waerner mit einem Mal eine neue Chance.

Oldtimer-Taxi über den Großen Teich

Inzwischen war es nämlich bereits Mai geworden. Der Extremsportler saß mit seinen Hunden noch immer in Alaksa fest, während seine Frau, praktizierende Tierärztin, zu Hause fünf Kinder und 35 weitere Hunde zu betreuen hatte. Entsprechend dringlich wurde Waerners Ankunft in der Heimat herbeigesehnt. Da erfuhr der Schlittenhunde-Champion per Zufall von der fürs Museum gedachten DC-6 – und hatte eine Idee: Er nahm Kontakt zu den Verantwortlichen auf, äußerte sein Interesse, den Oldie für sich und seine Hunde als "Taxi" nach Hause zu nutzen, und schaltete einen seiner Sponsoren ein, der dem Museum in Sola mit dem nötigen Kleingeld aushelfen sollte.

Letzter Akt für die DC-6

So kam es, dass die – wieder in historischen Braathens-Farben lackierte – DC-6 am 1. Juni mit Waerner und seinen Huskies an Bord tatsächlich in die Luft ging: zunächst von Fairbanks nach Yellowknife in Kanada, und schließlich von dort aus über den Atlantik nach Stavanger. 15 Stunden und 43 Minuten dauerte der besondere Transatlantikflug in dem Sternmotor-Oldie. Am 2. Juni um 15.19 Uhr Ortszeit waren Waerner und die Hunde endlich zu Hause – und die DC-6 hatte ihre letzte Reise beendet. Sie wird nun dauerhaft als Exponat in Sola zu sehen sein. Und Thomas Waerner? Kümmert sich nun erst mal um seine Frau: "Ja, Liebling!", werde daheim vorerst die Antwort auf alles sein, so der Iditarod-Sieger im Interview mit CBS Sports.

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