06.10.2009
Klassiker der Luftfahrt

Überreste einer V1 in der Eifel geborgen

Der Kampfmittelräumdienst des Landes Rheinland-Pfalz hat nach Hinweisen eines Zeugen auf einer Wiese bei Zilsdorf die Überreste einer V1 entdeckt und geborgen.

V-1 in Duxford V1

Die V1 war ein unbemannter und mit bis zu 830 kg Sprengstoff beladener Flugkörper. Dieses Exemplar ist im Imperial War Museum in Duxford ausgestellt. Foto und Copyright: © Paul Kaps/Words and Wings  

 

Am 6. Oktober hat der Kampfmittelräumdienst des Landes Rheinland-Pfalz in der Eifel die Überreste eines Marschflugkörpers des Typs Fieseler Fi 103 ("V1") geborgen. Die Befürchtung, dass es sich bei dem Fund um eine nahezu vollständige V1 handeln könnte, bestätigte sich nicht. "Es kam wenig raus", sagte der technische Leiter des Kampfmittelräumdienstes, Horst Lenz, im Gespräch mit Klassiker der Luftfahrt. "Lediglich die Tanksektion und Sprengstoffreste waren erhalten. Wir haben keine Zünder, keine Teile der Steuermimik und keine Tragflächen gefunden." Es gebe auch keine Anzeichen dafür, dass die Fi 103 beim Aufprall explodiert sei.

Der Tank lag waagrecht in nur 50 Zentimeter Tiefe unter der Erde. Deshalb - und wegen der fehlenden hochwertigen Komponenten - vermutet Lenz, dass die Wehrmacht den Flugkörper nach dem Absturz noch ausgeschlachtet haben könnte. "Bei anderen V1-Brüchen haben wir mehr gefunden", sagte er.

Die Bergung gestaltete sich als nicht aufwändig, obwohl Bagger eingesetzt worden sind. Acht Mitarbeiter haben in Schutzanzügen die Überreste geborgen. Die Schutzkleidung war notwendig, da als Sprengstoff in der Fi 103 Amatol verwendet wurde. Dieser enthält hochgiftige Substanzen.

Die Fundstücke werden nun in ein Munitionslager gebracht und vernichtet. Eine Weitergabe der Tanksektion an ein Museum bringt nach Angaben von Horst Lenz nichts, denn "das ist nur noch Blätterteig".

Die V1 wurde bei Fieseler vom Konstrukteur Robert Lusser entwickelt, der Antrieb stammte von Argus. Die maximale Startmasse lag bei 2.160 Kilogramm, darin enthalten waren bis zu 830 Kilogramm Amatol.

Im Zweiten Weltkrieg wurden von bodengebundenen Startrampen rund 8.900 Exemplare der Fi 103 gestartet, weitere 1.600 sind von Flugzeugen aus eingesetzt worden. Die Zielgenauigkeit war denkbar schlecht und lag bei über zehn Kilometern. Trotzdem starben durch die V1-Einsätze gegen die Städte London, Antwerpen und Lüttich über 10.000 Menschen und über 30.000 wurden verletzt.

Bereits 1944 bauten Republic und die Ford Motor Company in den USA eine weiterentwickete Kopie der Fi 103, die JB-2 "Loon", die zunächst gegen Ziele in Japan abgefeuert werden sollte. Rund 1.200 Exemplare wurden gebaut. Sie kamen aber nicht mehr zum Einsatz. Die US Navy führte mit der JB-2 Experimente durch, bei denen die Marschflugkörper von U-Booten aus gestartet worden sind.

Ein Exemplar der einer Fi 103 ist im Deutschen Museum in München ausgestellt, eine JB-2 steht heute im Udvar-Hazy-Center des Smithsonian Air and Space Museums am Flughafen Dulles in Washington. 

 

   

 

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