01.08.2016
Erschienen in: 04/ 2014 Klassiker der Luftfahrt

Der Stachel in der Luft HansaPilot Theo Croneiß und die NoBa

Kaum jemand zog sich in den Jahren 1926 bis 1934 den Zorn der Mächtigen so zu wie Theo Croneiß. Seine Strategie einer wirtschaftlichen Luftverkehrspolitik deckte sich nicht mit den Entscheidungen des Reichsverkehrsministeriums und der Luft Hansa.

kl 04-2014 Theo Croneiß (01)

Theo Croneiß war wenig an Macht interessiert. Seine Ideen sollten der Sache dienen. Foto und Copyright: DEHLA  

 

Als Sohn eines Schweinfurter Gymnasiallehrers erblickte Theo Croneiß am 28. Dezember 1894 das Licht der Welt. Ein in Nürnberg angefangenes Ingenieurpraktikum gab er im Sommer 1914 jedoch schnell wieder auf, denn sein „vaterländisch“ ausgeprägter Charakter trieb ihn bereits am ersten Mobilmachungstag als Kriegsfreiwilligen zum 1. Bayerischen Chevaulegers-Regiment in Nürnberg.

Ohne Aussicht auf einen Fronteinsatz, wechselte Croneiß zur Fliegertruppe, bei der sein älterer Bruder Carl bereits als Offizier in Einsatz stand. Nach Dienstbeginn bei der Flieger-Ersatzabteilung 3 in Darmstadt und der Kommandierung zur Fliegerschule Freiburg i. Br. versah er zunächst seinen Dienst als Unteroffiziersbeobachter. Um dem langweiligen Job als Lehrer für Bombenwurf und Zielfernrohre zu entgehen, meldete sich der Vizefeldwebel im Frühsommer 1915 freiwillig zur Kampfeinsitzer-Ausbildung bei den Fokker-Werken in Schwerin. Der begabte Schüler erhielt nach seiner Schulung auf Vorschlag von Fokker selbst den Auftrag, den ersten Fokker-Kampfeinsitzer auf dem Luftweg in die Türkei zu überführen.

Als Ingenieur mit falschem Pass startete Croneiß im ungarischen Herkules Fürdö am 15. August 1915 und landete nach fünf Stunden und zehn Minuten mit dem letzten Tropfen Benzin in der Nähe von Adrianopel (heute Edirne). Erst drei Jahre später sollte der zwischenzeitlich zum Leutnant d. R. beförderte und für sieben Luftsiege mit dem Hohenzollern-Orden ausgezeichnete Jagdstaffelführer in die Heimat zurückkehren.

Gemeinsam mit Bruder Carl übernahm er einen Bauernhof bei Regensburg, um sich in den Revolutionswirren eine sichere Existenz aufzubauen. Um aber gegen den „roten und schwarzen Sumpf in der Oberpfalz“ anzukämpfen, schloss sich Croneiß schnell der Freikorpsbewegung an. Er versteckte Flugzeuge vor den alliierten Kontrolleuren und lieferte diesen statt der geforderten Karabiner nur Schrott aus. Die Beteiligung an den stark rechts orientierten vaterländischen Verbindungen fand erst 1924 ihr Ende, als Croneiß zunächst die „Arbeitsgemeinschaft zur Förderung von Flugsport und Flugtechnik für Mittelfranken und Oberpfalz“ einrichtete und darauf folgend die „Sportflug GmbH für Mittelfranken und Oberpfalz“ begründete.

In diesem Moment verschmolzen die Ambitionen der national aufgestellten Wehrverbände mit den rein militärisch-taktischen Zielen der Reichswehr. Analog zu anderen deutschen Wehrkreisen gehörte auch die Fürther Filiale der Sportflug GmbH zu den Einrichtungen der Reichswehr, an denen sie aktiv beteiligt war. In zwei Jahren konnten Theo und Carl Croneiß insgesamt 60 ehemalige Weltkriegspiloten und 22 Jungflieger zum Führerschein A bringen. 1926 musste aufgrund der Pariser Vereinbarungen jegliche finanzielle Unterstützung der bestehenden Schulen durch Länder und Kommunen eingestellt werden.

Spätestens zum Jahresende 1926 waren sämtliche Filialen der Sportflug GmbH liquidiert und das Personal arbeitslos. Auch ohne die alliierte Weisung blieb die Finanzierung mit kommunalen Mitteln ein dauerndes Thema. Aber selbst hier hatte Theo Croneiß bereits 1925 einige Ideen parat. Zur Erhaltung seiner Sportfliegerschule sollte ein dazu parallel aufgezogener Zubringerluftverkehr mit einem Kleinverkehrsflugzeug beitragen.


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