07.11.2017
Klassiker der Luftfahrt

Helfer für die FlotteVought-Sikorsky OS2U Kingfisher: Multitalent der US Navy

In der zweiten Hälfte der 30er Jahre forderte die US Navy ein Nachfolgemuster des Nahaufklärers Curtiss SOC Seagull. Nach und nach wurde dieser veraltete Doppeldecker von der modernen OS2U Kingfisher von Vought-Sikorsky ersetzt, die sich während des Zweiten Weltkriegs hervorragend bewährte.

Für ihre großen Schlachtschiffe suchte die US Navy in den 30er Jahren ein neues Bordflugzeug. Drei Firmen bewarben sich, darunter auch die Chance-Vought Aircraft Division, die seinerzeit noch zur United Aircraft Corporation gehörte und bis 1943 mit Sikorsky zusammenarbeitete. Die Konkurrenz bestand mit der Naval Aircraft Factory XOSN-1 und der Stearman XOSS-1 aus zwei Doppeldecker-Mustern. Am 22. März 1937 erhielt schließlich Vought von der US Navy den Auftrag zur Fertigung und Erprobung eines Prototyps ihres Entwurfs VS-310. Dieser war unter der Leitung von Rex Beisel entstanden, der sich später auch als Konstrukteur des legendären Marinejägers Vought F4U Corsair hervortun sollte.

Das als Kingfisher (Eisvogel) bezeichnete Muster war im Gegensatz zu seinem Doppeldecker-Vorgänger, der Curtiss Seagull, als freitragender Tiefdecker ausgelegt. Ferner erwies er sich als der erste zweisitzige Nahaufklärer für Katapultstarts von Bord schwerer Schiffseinheiten der US Navy. Rex Beisel wandte bei diesem mit Landeklappen und Spoilern ausgestatteten Flugzeug erstmals das gewichtsparende Punktschweißverfahren an. Mit ihm sollte auch die Einsatzlebensdauer der Zelle entscheidend verlängert werden.

Am 1. März 1938 absolvierte der Kingfisher-Prototyp, die XOS2U-1 (BuAer No. 0951), in East Hartford, Connecticut, seinen erfolgreichen Jungfernflug. Am Steuerknüppel der Maschine saß Paul Baker, der am 19. Mai 1938 auch den ersten Wasserstart durchführte. Die XOS2U-1 war mit einem luftgekühlten Neunzylinder-Sternmotor R-985-4 Wasp Junior von Pratt & Whitney ausgerüstet, der eine Startleistung von 327 Kilowatt (445 PS) entwickelte und der 2160 Kilogramm schweren Maschine zu einer Höchstgeschwindigkeit von 283 km/h verhalf. Ihre Mustererprobung verlief zufriedenstellend, und es waren nur einige geringfügige Änderungen am Rumpfanschluss des Zentralschwimmers erforderlich.


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Patrick Hoeveler


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