27.12.2013
Klassiker der Luftfahrt

Aus den Protokollen des GeneralluftzeugmeistersVernichtendes Urteil zum Transporter Gotha Go 244

Aus der Zeit nach der Übernahme der Funktion des Generalluftzeugmeisters seitens Erhard Milch (zwei Tage nach Ernst Udets Selbstmord) am 19. November 1941, sind zigtausende Seiten Protokolle und Notizen seines alltäglichen Wahnsinns erhalten geblieben. In Reinform läßt sich hier die ungeschminkte Realität des Ministeriums-Tagesgeschäftes nachvollziehen.

Im folgenden Auszug aus der Amtschefbesprechung 37 vom 4. August 1942 geht es um das Versagen der Transporterkonstruktion Gotha Go 244 und deren Lastensegler-Variante Gotha Go 242:

Go 244
1. Stabsingenieur Grube berichtet über den Einsatz der Go 244 bei der Luftflotte 4. Es wurde ein geschlossener z.B. V.-Verband mit Go 244 aufgestellt. Der Einsatz erfolgte entsprechend der Ju 52. Das Flugzeug wurde von der Truppe zusätzlich mit FT-Gerät, Waffen und Zusatzbehältern für Kraftstoff ausgerüstet. Das Fluggewicht ist damit vermutlich auf etwa 8 to gekommen. Zugelassen ist das Flugzeug jedoch nur für 6,8 to. Zur Verbesserung des Starts wurden außerdem von der Truppe Änderungen am Leitwerk ausgeführt. Infolge der Überlastung des Flugzeugs und des falschen Einsatzes sind in der Zeit vom 21.6. bis 10.7.42 75 Notlandungen und mehrere schwere Unfälle vorgekommen. Vom Chef der Luftflotte 4 wurde deshalb Startverbot ausgesprochen. Auch über die Go 242 liegen Beanstandungen seitens des OBS vor. Infolge der Sonneneinstrahlung wurden Ableimungen der Rippen festgestellt. Infolge der Böigkeit im Einsatzraum kann ein Schleppen ohne geändertes Doppelsteuer nicht mehr verantwortet werden.

2. Über die technische Seite bezüglich Go 244 ist Luftflotte 4 durch ein Fernschreiben des Technischen Amtes unterrichtet worden. Der Generalfeldmarschall bittet, daß die Verbände über den Einsatz klare Befehle vom Führungsstab 1T erhalten.

3. Seitens Genst. Gen. Qu.6 besteht der Wunsch, daß möglichst schnell die verstärkte, Go 244, von denen bereits 15 fertig sind, der Luftflotte 4 zugeführt werden.

4. Der Generalfeldmarschall hält die Go 244 auf Grund ihrer geringen Reichweite und beschränkten Einsatzmöglichkeit für eine Fehlkonstruktion. Als Transporter kann das Flugzeug nur bedingt eingesetzt werden. Er macht allen verantwortlichen Dienststellen den Vorwurf, daß das Flugzeug bisher nur positiv beurteilt wurde. Ein Hinweis auf die Schwächen des Flugzeuges ist nicht erfolgt. GL/C-B wird beauftragt, festzustellen, für wieviel Flugzeuge das Material bereits zugeschnitten ist, und die Stückzahl an LF St 1 T mitzuteilen. Der Vorschlag geht dahin, nur noch das weiterzubauen, was bereits zugeschnitten ist; weiteres Zuschneiden sofort zu verbieten und durch Steigerung der Ju 52 den Ausfall zu überbrücken. Anzustreben ist, dass die Ju 52 von zur Zeit etwa 40 Flugzeugen auf 70 aufgestockt wird. LF St 1T wird hierzu um Stellungnahme gebeten. Über die Steigerungsmöglichkeiten ist von GL/C-B am 11.8.42 vorzutragen.

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msz
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