17.11.2017
Erschienen in: 07/ 2013 FLUG REVUE

Die "Parasiten"-Programme der USAFBomber mit Anhang

Aufgrund der Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg wollten die US-Luftstreitkräfte ihre neuen Langstreckenbomber nicht ohne Eskorte fliegen lassen. Was lag da näher, als die Jäger einfach direkt an die Bomber anzukoppeln?

Das Konzept klingt auch heute noch nach Science Fiction: Ein Bomber sollte seine Eskorte selbst mitführen, und zwar in Form von zwei an den Tragflächenenden eingeklinkten Jägern. Den Planern in den 50er Jahren erschien es nicht als zu exotisch, um nicht mehrere Erprobungskampagnen durchzuführen. Schließlich versprachen die neuen Bomber Reichweiten von rund 16000 Kilometern ohne Luftbetankung. Da konnte kein Begleitjäger mithalten. Den Nachteil des höheren Luftwiderstands sollte die Vergrößerung der Gesamtflügelfläche aufwiegen. Und mehr noch: Die Jäger brauchten im Idealfall keinen eigenen Antrieb im Reiseflug.

Die Idee geht auf Dr. Richard Vogt, ehemals Ingenieur bei Blohm & Voss, zurück. Er kam auf die Idee, die Spannweite mit an den Tragflächen angeschlossenen, zusätzlichen Flügeln mit Treibstofftanks im Inneren zu verlängern. Nach dem Krieg kam Vogt zur US Air Force und war dort im Wright Air Development Center, der Entwicklungsabteilung der USAF in Wright Field, tätig. Schließlich ließen sich seine Kollegen von dem Konzept überzeugen. Ende der 40er Jahre kam es zu entsprechenden Versuchen mit einer Douglas C-47 und einer Culver PQ-14, einem kleinen Leichtflugzeug, das als Zieldrohne diente. Am 7. Oktober 1949 führte der bekannte Jagdflugzeugpilot Clarence „Bud“ Anderson die erste Kupplung durch.

Daraufhin nahm die Air Force das Projekt „Tip Tow“ in Angriff. Hier war alles mindestens zwei Nummern größer: Als Mutterschiff diente eine Boeing EB-29A Superfortress (Kennung 44-62093). Sie sollte mit zwei EF-84B-Jets (46-641 und 46-661) an den Flächenenden fliegen. Entsprechend groß waren die Herausforderungen: Die Verwirbelungen des viermotorigen Bombers machten das Einkuppeln in der Luft äußerst schwierig und gefährlich. Nach rund 15 Flugstunden mit dem ungewöhnlichen Trio kam es am 24. April 1953 bei der Erprobung eines neuen Autopiloten zur Katastrophe. Der Thunderjet von Testpilot John Davis machte eine ungewollte Rolle und prallte auf die linke Tragfläche der Superfortress. Dabei kam der Pilot ums Leben. Der Flügel brach; die EB-29A stürzte ebenfalls ab. Nur ein Besatzungsmitglied konnte sich mit dem Fallschirm retten. Daraufhin beendete die USAF das Vorhaben. Wenig Glück hatte auch ein Vorschlag von Republic: Die Version des Aufklärers XF-12 Rainbow mit zwei F-84 Thunderjet an den Tragflächenenden blieb im Modellstadium.


WEITER ZU SEITE 2: Versuche gehen trotz eines tödlichen Unfalls weiter

1 | 2 | 3 |     
Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
Patrick Hoeveler
Jetzt Fan werden! Newsletter abonnieren - Kostenlos direkt in Ihre Mailbox


Weitere interessante Inhalte
Picknick zwischen Jets und Raketen Air Power Park

07.11.2017 - Kampfflugzeuge in einem Park mit Kinderspielplatz und Picknickfläche? Das gibt es wohl nur in den USA, besser gesagt in Hampton, Virginia. … weiter

Canberra made in USA Martin B-57 - Lizenzbau und Weiterentwicklung in Baltimore

05.11.2017 - Ursprünglich als schnelle Lösung für den Koreakrieg gedacht, kam die B-57 letztlich erst in Vietnam zum Einsatz. Martin entwickelte den englischen Bomber mit neuem Cockpit weiter und baute auch eine … weiter

Mach-2-Kampfflugzeug Vietnam-Kämpfer Republic F-105 Thunderchief

28.10.2017 - Trotz ihrer Leistungsfähigkeit begleiteten teilweise katastrophale Verluste die Einsätze der Republic F-105 in Vietnam. Erst mit den „Wild-Weasel“-Einsätzen umgerüsteter Thunderchiefs entspannte sich … weiter

U-Boot-Jäger Lockheed P-2 Neptune

26.10.2017 - Besonders schnell war sie gerade nicht, weshalb die „Neptune“ rasch den Beinamen „Turtle“ (Schildkröte) erhielt. Für eine Schildkröte indessen war sie außergewöhnlich bissig, was nichts anderes … weiter

Fotodokumente Flugzeuge der NASA und der US Air Force im Rausch der Geschwindigkeit

18.10.2017 - Unsere Galerie zeigt Flugzeuge aus einer Zeit, als sich die NASA beziehungsweise deren Vorgängerorganisation NACA (National Advisory Committee for Aeronautics) und die US Air Force im Rausch der … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

Klassiker der Luftfahrt 08/2017

Klassiker der Luftfahrt
08/2017
09.10.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Iljuschin Il-2: Vom See in den Himmel
- Etappenflug mit der Caspar C 32 „Germania“
- Flugboot: Kawanishi H8K „Emily“
- Rundflüge: Aus dem Leben eines Barnstormers
- Gefechtsbericht: Begegnung mit der Do 335.44