07.06.2017
Erschienen in: 03/ 2011 FLUG REVUE

Niederlage gegen EuropaUS-Überschallverkehrsflugzeuge

Vor über 40 Jahren scheiterte das prestigeträchtige SST-Projekt der USA, das eigentlich die Concorde und die Tupolew Tu-144 übertreffen und eine neue Ära im Luftverkehr einläuten sollte.

Schneller und größer als die europäischen und sowjetischen Projekte sollte Amerikas Überschall-Verkehrsflugzeug werden. Einige US-Firmen hatten schon in den 50er Jahren mit Untersuchungen für einen Supersonic Transport (SST) begonnen, doch eine endgültige Entscheidung fiel später als bei der Konkurrenz auf der anderen Seite des Atlantiks. Erst im August 1963 wies US-Präsident John F. Kennedy die Federal Aviation Agency (FAA) an, mit entsprechenden Studien für das nationale Programm zu beginnen. An der folgenden Ausschreibung beteiligten sich zunächst in der ersten Phase die Firmen Boeing, Lockheed und North American. Im Juni 1964 vergab die US-Luftfahrtbehörde schließlich in der Phase II entsprechende Entwicklungsaufträge an Boeing und Lockheed sowie an General Electric und Pratt & Whitney für die Triebwerke. Dabei sollte die Regierung jeweils 75 Prozent der Kosten übernehmen. Im Jahr 1966 verlängerte die Behörde die Arbeiten in der sogenannten Phase II-C, die auf 18 Monate angelegt war und je 60 Millionen Dollar für die Flugzeugbauer sowie je 50 Millionen Dollar für die Triebwerksfirmen umfasste. Wieder übernahm der Staat drei Viertel der Kosten.

Die Erwartungen waren hoch: „Ab 1975 werden alle Flüge in den USA über 2400 Kilometer von Überschallflugzeugen durchgeführt“, sagte Lockheeds Chef-Forschungsingenieur Richard Heppe schon im Juni 1963. Zum eigenen L-2000-Projekt meinte er: „Das dreifach überschallschnelle Flugzeug könnte ab 1973 bei den Airlines fliegen und 120 bis 125 Passagiere in zweieinhalb Stunden von New York nach Paris transportieren.“ Im Gegensatz zur europäischen Concorde sollte der Lockheed-Entwurf aus Titan und speziellen Stahlarten bestehen und so die bei Mach 3 entstehenden Temperaturen von bis zu 385 Grad aushalten. Zu Testzwecken fertigte das Unternehmen damals unter anderem zwei Flügelkästen und ein Rumpfsegment aus Titan.


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Patrick Hoeveler
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