05.05.2017
Erschienen in: 07/ 2011 FLUG REVUE

Made in JapanÜberschalltrainer Mitsubishi T-2

Mit ihrem ersten Überschallflugzeug wollten sich die Japaner wichtiges Know-how im Flugzeugbau aneignen. Mit Erfolg: Vor mehr als 40 Jahren startete die T-2 zu ihrem Erstflug. Allerdings stiegen die Kosten aufgrund der beschränkten Stückzahl enorm.

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Mit einer M61-Kanone war die T-2A als Kampftrainer ausgestattet. Insgesamt baute Mitsubishi nur 96 Exemplare des ersten japanischen Überschalljets. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

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Oft wird die Mitsubishi T-2 als "japanischer Jaguar" bezeichnet, doch es handelt sich um zwei komplett unterschiedliche Flugzeuge. Allerdings kommt die Ähnlichkeit nicht von ungefähr. Anfang der 60er Jahre sahen sich die japanischen Luftstreitkräfte mit dem Problem konfrontiert, dass ihre zur Fortgeschrittenenschulung genutzten North American F-86F Sabre zunehmend veralteten. Sie bildeten den Übergang von der T-33 zum F-104J Starfighter. Ein neues Muster sollte die betagte Sabre ersetzen und so die Gesamtausbildungszeit für einen Piloten von 530 auf 380 Flugstunden reduzieren. Als Kandidat für eine Lizenzfertigung galt der Sepecat Jaguar, doch man konnte sich wohl nicht über die Lizenzgebühren einigen. Die Japan Air Self-Defense Force (JASDF) bevorzugte daraufhin die Einführung der Northrop T-38. Aus politischen Gründen fiel aber die Entscheidung, ein eigenes Muster zu entwickeln, um Erfahrungen im Bereich von überschallschnellen Jets zu sammeln, auch wenn dies höhere Kosten bedeutete.

Anfang 1966 forderte die Defense Agency die drei großen Luftfahrtirmen in Japan - Fuji, Kawasaki und Mitsubishi - auf, entsprechende Entwürfe für das T-X-Programm abzugeben. Wenig später erweiterte sie die Spezifikation um die Rolle der Erdkampfunterstützung, da die F-86F auch in dieser Aufgabe zu ersetzen war. Die Trainerfunktion blieb aber vorrangig, da sie sich politisch besser vertreten ließ. Am 8. Februar 1967 präsentierten Fuji und Mitsubishi ihre Vorschläge, Kawasaki hatte sich mittlerweile zurückgezogen. Nach der Verkündung des Siegs von Mitsubishi am 5. September 1967 bildete die gesamte Industrie eine eigene Entwicklungsgruppe. Das Advanced Supersonic Trainer Engineering Team stand unter der Leitung von Dr. Kenji Ikeda, dem Chefkonstrukteur von Mitsubishi. Mitsubishi war für den Vorder- und Mittelrumpf sowie für die Endmontage verantwortlich, der Programmanteil lag bei 70 Prozent (ohne Triebwerk). Fuji oblag die Fertigung des hinteren Rumpfs sowie der Tragflächen. Nihon Hikoki steuerte die Außenlaststationen, Shin Meiwa die Zusatztanks bei.

Der Jaguar schien die Ingenieure beeindruckt zu haben, denn sie wählten eine ähnliche allgemeine Auslegung als Schulterdecker. Der in Halbschalenbauweise ausgeführte Rumpf war rund 25 Prozent leichter als der der F-104J und beinhaltete sieben Kraftstoffbehälter mit einer Gesamtkapazität von 3820 Litern. Die Tragfläche besaß eine negative V-Stellung von neun Grad und die damals typischen Sägezahn-Vorderkanten. Die Flügel hatten keine Querruder, sondern jeweils eine große Landeklappe mit zwei Spoilern davor.
Als Antrieb der nun als T-2 bezeichneten Maschine entschied sich die Gruppe am 15. Februar 1968 für das auch im Jaguar verwendete Adour von Rolls-Royce und Turbomeca. Das Triebwerk wurde nach den ersten zwölf in Europa gebauten Exemplaren in Lizenz bei Ishikawajima Harima Heavy Industries (IHI) gefertigt. Schon am 24. April 1968 zeigte Mitsubishi in Nagoya die erste Attrappe der T-2, deren Grundentwurf von der JASDF genehmigt wurde. Am 28. März bestellten die Militärs zwei XT-2-Prototypen sowie eine Zelle für Belastungsversuche.

Die Konstruktion schritt recht zügig voran, so dass am 20. Juli 1971 die beiden Mitsubishi-Testpiloten Kenshiro Endo und Mitsuo Sato in Nagoya-Komaki zum Erstflug starten konnten. Der Jet mit der Kennung 19-5101 erreichte während des 38-minütigen Flugs eine Höhe von 6000 Metern und eine Geschwindigkeit von 851 km/h.

Beim 30. Flug am 19. November 1971 stieß die XT-2 als erstes japanisches Flugzeug in Überschallregionen vor: Sie erzielte Mach 1.03 in 9100 Metern Höhe. Nach der Werkserprobung überführte Mitsubishi den ersten Prototyp am 15. Dezember 1971 zum Flugerprobungszentrum der JASDF nach Gifu. Knapp zwei Wochen zuvor, am 2. Dezember, war die zweite Maschine erstmals geflogen. Zwei weitere Prototypen folgten am 28. April 1972 und 20. Juli 1972.


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Patrick Hoeveler


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