20.09.2017
Erschienen in: 07/ 2012 Klassiker der Luftfahrt

Transporter fürs Grobede Havilland DHC 4

Außerordentliche Kurzstart- und Kurzlandefähigkeiten zeichneten die in den 50er Jahren entwickelte DHC 4 Caribou aus. Die meisten dieser Flugzeuge lieferte de Havilland Canada an die US Army, bei der sie sich als unverwüstliche Gefechtsfeldtrans­porter unter anderem in Vietnam bewährten.

Die Geschichte der DHC 4 Caribou reicht bis ins Jahr 1952 zurück. Nach dem Markterfolg der DHC 2 Beaver und der wesentlich größeren DHC Otter sah de Havilland Canada einen Bedarf für einen nochmals größeren und zweimotorigen Transporter mit ausgeprägten STOL-Eigenschaften (Short Take Off and Landing). Zwei Studien für kleinere Transporter, 1954 fertiggestellt, wurden aus verschiedenen Gründen wieder verworfen. Im Jahr 1956 nahm DHC die Idee wieder auf. Auslöser war die Herausgabe einer Spezifikation für einen neuen Transporter durch die US Army, die schon die Beaver und die Otter erfolgreich einsetzte. Das Flugzeug sollte etwa drei Tonnen Nutzlast transportieren können. Damit sollte es zwar wesentlich größer werden, als es die Vorentwürfe von DHC vorsahen, doch konnte der kanadische Flugzeughersteller bei seinem Angebot an die US Army teilweise auf die Studien zurückgreifen.

Der neue Transporter entstand in konventioneller Metallbauweise und erhielt Pratt & Whitney-Twin-Wasp-Sternmotoren. Um die angestrebten Kurzstart- und Kurzlandeeigenschaften zu erreichen, gaben die Ingenieure dem Flügel der DHC 4 „Caribou“ getauften Konstruktion ein Hochauftriebssystem mit doppelten Flaps, die über die gesamte Spannweite reichten. Die äußeren Sektionen dienten gleichzeitig als Querruder. Der im Querschnitt kastenförmige Rumpf wurde so ausgelegt, dass er Fahrzeuge bis hin zu zwei Jeeps aufnehmen konnte. Zur leichten Beladung und um bequem Fallschirmjäger oder Güter absetzen zu können, schwenkte das große Ladetor im Leitwerksträger nach oben in den Rumpf. Dabei hatte der Laderaumboden exakt die Höhe der Ladefläche der Drei-Tonnen-Trucks der US-Army. Der Frachtraum selbst war für die verschiedensten Aufgaben umrüstbar. Mit Sitzreihen an den Bordwänden ausgerüstet, konnte die DHC 4 bis zu 32 voll ausgerüstete Soldaten aufnehmen. Innerhalb kurzer Zeit war die Umrüstung mit komfortableren Sitzreihen oder auch zum Verletztentransport mit 22 Tragen und einer medizinischen Notfallausrüstung möglich. Will man einen Vergleich ziehen, so entsprach die Zuladungskapazität der Caribou etwa der der Douglas DC-3.

Das extrem robuste Fahrwerk gewährleistete den uneingeschränkten Betrieb auf allenfalls notdürftig vorbereiteten Pisten. Die Hauptfahrwerke fuhren nach hinten in die Verlängerungen der Motorgondeln ein. Um die Fahrwerksbeine möglichst kurz zu halten, gaben die Ingenieure dem Flügel im Innenbereich eine negative V-Form. Erst ab den Motorgondeln war die V-Form positiv.

DHC bot der US Army den neuen Transporter von vornherein zu einem Festpreis an. Die Amerikaner akzeptierten das Angebot und orderten zunächst einmal fünf der neuen Transporter.

In der Entwicklungsphase stellte sich heraus, dass der Leitwerksträger gegenüber den ersten Entwürfen deutlich stärker nach oben abgewinkelt werden musste, um mehr lichte Höhe zu gewinnen und wie geplant leichte Trucks über die Laderampe aufnehmen zu können. Etwas ungewöhnlich erscheinen Versuche mit einem maßstabsgerecht verkleinerten Modell der Caribou, das auf einem Gestell über einer Otter im „Flug“ getestet wurde.


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