27.09.2013
Klassiker der Luftfahrt

Gotha Go 145Rumpfnachbau in Gotha präsentiert

In Gotha präsentierten kürzlich der Sächsische Verein für historisches Fluggerät und die Fahrzeugbau Gotha GmbH den originalgetreue Nachbau des Gitterrumpfes einer Gotha Go 145. Ziel ist der Wiederaufbau des vermutlich letzten überlebenden Exemplars dieses klassischen Doppeldeckers.

Go 145 Rumpfgerüst

Das Rumpfgerüst der Go 145 vor dem Abtransport nach Potsdam. Dort erfolgt der weitere Aufbau des Doppeldeckers bei der Firma Holzleich- & Flugzeugbau Sascha Heuser. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Fast 1200 Exemplare des zweisitzigen Schulflugzeuges wurden zwischen 1936 und 1940 bei der  Gothaer Waggonfabrik und bei verschiedenen Lizenzherstellern gebaut und kamen bei der deutschen Luftwaffe, in Spanien, Österreich, der Türkei, der Slowakei und nach dem Krieg auch in der Tschechoslowakei zum Einsatz. Nur dieser eine Rumpf überlebte, der eine wahre Odyssee hinter sich hat. Dass es sich bei dem Rumpf um den traurigen Rest einer Gotha Go 145 handelte, ist allerdings viele Jahre lang verborgen geblieben. Verstümmelt mit den Tragflächen einer Bücker 131 stand er lange Zeit als der Blickfang in einem Münchener Biergarten. Das Deutsche Technikmuseum Berlin erwarb das verbastelte Flugzeug irgendwann und kam hinter die wahre Identität des Rumpfes. Ein Typenschild fand sich nicht. Recherchen ergaben aber, dass es sich um eine nach dem Krieg im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet aufgefundene Maschine handelt, mit der ein vermutlich kriegsmüder Pilot nach Hause geflogen ist.

Go 145 Rumpfbau

Mitglieder des Sächsischen Vereins für historisches Fluggerät begutachten zusammen mit dem Geschäftsführer der Gothaer Fahrzeugtechnik GmbH den neuen Rumpf der Go 145. Einige Originalteile konnten noch für das neue Rumpfgerüst verwendet werden. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Im Austausch gegen die Rumpfschalen einer Focke-Wulf Fw 200 gelangte der Rumpf dann vor acht Jahren in den Besitz des Sächsischen Vereins für historisches Fluggerät in Dresden. Ende 2010 kam der Rumpf nach Gotha. Die Gothaer Fahrzeugtechnik GmbH, eine Nachfolgefirma der alten Gothaer Waggonfabrik, hatte sich bereit erklärt, den Rumpf zu restaurieren. Leider stellte es sich heraus, dass viele Stahlrohre des völlig verzogenen Rumpfes so stark korrodiert waren, dass sich eine Restaurierung nicht mehr lohnte. Gemeinsam mit dem Dresdner Verein entschloss man sich daher für einen Nachbau mit dem Einbau von einigen noch brauchbaren Originalteilen. Die Gothaer Fahrzeugtechnik erstellte auf der Basis alter Konstruktionspläne neue Zeichnungen und fertigte eine Vorrichtung an, auf der der neue Rumpf in der Lehrwerkstatt der Firma nach und nach zusammengeschweißt wurde. Das Original diente dabei als Muster.

Nach der Übergabe an den Verein wurde der Rumpf direkt nach Potsdam gebracht, wo bei der Firma Holzleicht- & Flugzeugbau Sascha Heuser mittlerweile die hölzernen Tragflächen des Doppeldeckers im Bau sind. Die Kosten dafür übernimmt die Gothaer Kulturstiftung aus ihrem Fördertopf. Rumpf und Tragflächen sollen dann später mit vorhandenen Originalteilen wie einem Argus As 10-Motor ausgerüstet werden. Geplant ist, die nicht flugfähige Maschine in ein paar Jahren als letztes erhaltenes Zeugnis des vor genau 100 Jahren begonnen Flugzeugbaus in Gotha auszustellen.



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