01.12.2017
Erschienen in: 12/ 2011 FLUG REVUE

TrägerflugzeugFairey Firefly

Vor über 70 Jahren startete die Fairey Firefly zu ihrem Erstflug. Mit knapp 1700 gebauten Exemplaren sollte sie trotz der aufkommenden Jet-Konkurrenz zu einem der vielseitigsten und erfolgreichsten britischen Trägerflugzeuge werden.

IN DIESEM ARTIKEL

Wie die ersten Kriegsmonate zeigten, ließ die Leistungsfähigkeit der Kampflugzeuge der Royal Navy im Jahr 1940 zu wünschen übrig. Die Spezifikation N.5/40 sollte dies ändern und forderte einen leistungsfähigen zweisitzigen Jäger, der auch als Aufklärer eingesetzt werden konnte. Die unter der Leitung von Herbert Chaplin entwickelte Firefly von Fairey bekam den Zuschlag, und da die Zeit drängte, bestellte das britische Ministry of Aircraft Production am 12. Juni 1940 zunächst 200 Flugzeuge, darunter vier Prototypen. Im März 1941 begann in Hayes, Middlesex, der Bau der ersten Maschine.

Im Gegensatz zur Fulmar, dem Vorgänger aus dem eigenen Haus, entstand der ovale Rumpf der Firefly in Halbschalenbauweise. An der Tragfläche sorgten die von Fairey patentierten, so genannten Youngman-Klappen bei Start und Landung für eine Vergrößerung der Flügelfläche. Beim Antrieb setzten die Ingenieure auf den flüssigkeitsgekühlten Reihen-Zwölfzylindermotor Griffon von Rolls-Royce, und als Bewaffnung sahen sie vier 20-mm-Kanonen von Hispano vor.

Am 22. Dezember 1941 startete schließlich Fairey-Cheftestpilot Chris Staniland mit der ersten Firefly (Kennung Z1826) auf dem Privatflugplatz der Firma, dem Great West Aerodrome, zum Erstflug. Das Gelände ist heute übrigens Teil des London Heathrow Airport. Während der Erprobung stellte sich schnell heraus, dass die kleine, steile Windschutzscheibe eine schlechte Sicht nach vorne bewirkte. Außerdem waren die Steuerflächen ursprünglich mit Stoff bespannt, doch nach dem tödlichen Absturz von Staniland mit dem zweiten Prototyp am 26. Juni 1942 erhielten die Serienmaschinen F Mk 1 eine Beplankung aus Metall. Weitere Änderungen der Serienversion betrafen das Seitenruder und die Cockpitverglasung. Ab der 470. Maschine ersetzte der Rolls-Royce Griffon 12 den Griffon-IIB-Motor.

Die Trägerversuche auf der HMS „Illustrious“ mit dem dritten Prototyp Ende 1942 verliefen erfolgreich, so dass Fairey die erste in Hayes gebaute F Mk 1 (Kennung Z1830) am 4. März 1943 ausliefern konnte. Gleichzeitig begann General Aircraft mit der Lizenzfertigung; der britische Flugzeughersteller  baute in Hanworth insgesamt 132 Exemplare der ersten Serienvariante.

Der Fleet Air Arm plante auch eine Nachtjägerversion. Zu diesem Zweck erhielt die NF Mk 2 zwei Behälter für das AI-Mk-X-Radar an die Flügelvorderkante. Durch die schwere Ausrüstung im hinteren Cockpit verlagerte sich aber der Schwerpunkt zu weit nach hinten und war mit einer Verlängerung des vorderen Rumpfes nur unbefriedigend auszugleichen. Wenig später war das kleinere amerikanische AN/APS-4 verfügbar, das sich mit überschaubarem Aufwand in einen Behälter unter dem Bug der F Mk 1 platzieren ließ. Die so modifizierte NF Mk 1 ersetzte daher die ursprüngliche Variante. Das Radar kam auch bei der für die Jagdaufklärung vorgesehenen FR Mk 1 zum Einsatz.

Als erste Staffel der Royal Navy übernahm die am 1. Oktober 1943 in Yeovilton eigens für das neue Muster ins Leben gerufene No. 1770 Squadron die Firefly. Im Juli 1944 beteiligte sich die Staffel mit ihrem neuen Muster vom Flugzeugträger HMS „Indefatigable“ aus an den Aktionen gegen das deutsche Schlachtschiff „Tirpitz“. Anschließend verlegte die Einheit ins heutige Sri Lanka. Beim Angriff auf japanische Ölraffinerien in Sumatra erzielte eine Maschine mit dem Abschuss einer Nakajima Ki-43 am 4. Januar 1945 den ersten Luftsieg des Jägers.

Noch während des Krieges arbeitete Fairey an der Verbesserung des Trägerflugzeugs. Die Mk 3 mit dem stärkeren Griffon-61-Motor blieb aufgrund schlechter Flugeigenschaften ein Einzelstück. Stattdessen sorgten bei der Mk 4 der Griffon 74 und ein Vierblattpropeller sowie ein modifiziertes Leitwerk und verkürzte Flügel für entsprechende Fortschritte. Außerdem ersetzten Öffnungen in den Flügelwurzeln den Lufteinlauf für den Kühler unter dem Bug. Die neue Version ging bei der No. 825 Squadron im August 1947 in Dienst, wurde aber in der Produktion schon bald von der Mk 5 abgelöst, deren Flügel hydraulisch klappbar waren. Bei dieser Variante gab es in der Zelle keine großen Unterschiede für den jeweiligen Einsatzzweck, obwohl sie für die Jagdaufklärung, die Nachtjagd oder die U-Boot-Bekämpfung ausgestattet werden konnte. Der Erstflug erfolgte am 12. Dezember 1947 in White Waltham.


WEITER ZU SEITE 2: Ab 1950 wieder im Einsatz

1 | 2 | 3 |     
Mehr zum Thema:
Patrick Hoeveler


Weitere interessante Inhalte
Innovativer und vielseitiger Bomber Douglas A-26 Invader – Schnell und feuerstark

22.10.2018 - Die zweimotorige Douglas A-26 Invader war ein herausragend leistungsfähiges Kampfflugzeug, das auch nach dem Zweiten Weltkrieg in vielen Konflikten eine Rolle spielte. Erst 1972 wurde die letzte außer … weiter

Metall-Doppeldecker Albatros L 72c "Albis"

22.10.2018 - Aus Flugsport Juli 1927 - Aus der Vorläuferzeitschrift der FLUG REVUE präsentieren wir Ihnen heute die Baubeschreibung des Mehrzweckflugzeugs Albatros L72c „Albis“. … weiter

Restaurierung Cessna O-1 Bird Dog

22.10.2018 - Luftaufklärung, Kurierdienst, Search and Rescue: Die Cessna O-1 Bird Dog war für US Army, Marines und Air Force das fleißige Arbeitstier. Mit seiner detailverliebten Restaurierung setzt der Italiener … weiter

Heißsporn Blackburn Firebrand

18.10.2018 - Als Jäger geplant, aber als Bomber genutzt: Die Blackburn Firebrand sollte als trägergestützter Jäger eingesetzt werden, war allerdings zu groß und schwer. Die Navy fand allerdings für sie Verwendun … weiter

Unerwartetes Talent Vickers Warwick - Vom Bomber zum Rettungsflugzeug

18.10.2018 - Noch vor dem Beginn der Serienproduktion war klar, dass die Vickers Warwick für die ihr zugedachte Rolle als schwerer Bomber ungeeignet war. Bewähren sollte sich die Zweimot auf unerwartete Weise … weiter


Klassiker der Luftfahrt 08/2018

Klassiker der Luftfahrt
08/2018
08.10.2018

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Mit den Bullen nach Duxford
- Jagszweisitzer Junkers J 48
- Museum Villingen-Schwenningen
- Erster Weltkrieg: Kampfzweisitzer aus Hannover
- Luftwaffe 1939: Die große Stuka-Katastrophe