12.09.2018
Erschienen in: 04/ 2012 Klassiker der Luftfahrt

Der FeuerspeierSupermarine Spitfire

Die Spitfire gilt als der britische Kultjäger des Zweiten Weltkriegs und wird im Vereinigten Königreich noch heute entsprechend verehrt. Das mit 20 341 Exemplaren (und 2556 der Marineversion Seafire) in 22 Versionen meistgebaute britische Kampfflugzeug entschied, gemeinsam mit der Hurricane, 1941 die „Luftschlacht um England“ und verhinderte damit die schon geplante deutsche Invasion.

Der seit 1934 von Reginald J. Mitchell bei Supermarine Aviation Works (Vickers) entwickelte Jäger „Type 300“ startete am 5. März 1936 mit Joseph „Mutt“ Summers am Steuer in Eastleigh zum Erstflug. Der schlanke Tiefdecker erinnerte mit seiner Stromlinienform, der langen Motorhaube und dem weit zurückgesetzten Cockpit an die eleganten Linien der vorherigen Supermarine-Rennflugzeuge. Als Triebwerk des Prototyps K5054 wurde ein Rolls-Royce PV12 verwendet, ein Vorläufer des später legendären Merlin. Die Motorleistung der Spitfire sollte sich im Lauf ihrer zwölf Produktionsjahre mehr als verdoppeln. Auch die maximale Startmasse und die Steigrate verdoppelten sich, während sich die Feuerkraft verfünffachte und die Höchstgeschwindigkeit um immerhin ein Drittel zulegte.

Durch zahlreiche konstruktive Detailverbesserungen und leistungsgesteigerte Triebwerke konnte die Spitfire im Kriegsverlauf immer wieder an die ebenfalls gestiegenen Leistungen der deutschen Jäger angepasst werden. Hieran hatte auch der seit 1936 verantwortliche Supermarine-Chefkonstrukteur Joseph Smith entscheidenden Anteil.

Ab August 1938 setzte die RAF den bereits mit Dringlichkeit beschafften Jäger bei der No 19 Squadron ein. Bei Kriegsbeginn waren immerhin neun Geschwader mit dem neuen Jäger ausgerüstet. Nicht nur bei der Luftschlacht um England, sondern auch an allen anderen RAF-Schauplätzen des Zweiten Weltkriegs gelangte die Spitfire zum Einsatz. Bis zum April 1954 blieb sie als Aufklärer über Südostasien im Frontdienst. Zu den ausländischen Betreibern der Spitfire zählten unter anderem die Türkei, Portugal, Ägypten, Dänemark, Indien, Belgien, Burma, Irland, die Niederlande, Norwegen und Thailand.

Heute gelten nach aktuellen Angaben der britischen Spitfire Society noch 45 Maschinen als flugfähig, davon alleine 18 in Großbritannien. In Deutschland sind laut derselben Quelle Maxi Gainzas Spitfire HF Mk VIII, D-FEUR, und die Spitfire LF Mk XVI von Stephen Stead, G-MXVI, in Bremgarten in flugfähigem Zustand beheimatet. Dort wird auch eine aus den USA stammende Spitfire TR Mk IX wieder aufgearbeitet.

Versionen

Type 300, Spitfire F.I: Tag- und Nachtjäger, Unterversion IA mit acht Maschinengewehren, IB mit vier MGs und zwei Bordkanonen Kal. 20 mm.

Type 323: Sonderausführung des 48. Serienflugzeugs, K9834, als Geschwindigkeitsrekordjäger mit Merlin-IIIM-Triebwerk (2160 PS). Rekordvorhaben abgebrochen.

Type 329, Spitfire F.IIA/B: Erste Produktionsausführung aus dem Vickers-Armstrongs-Flugzeugwerk Castle Bromwich. Triebwerk Merlin XII (1150 PS) für bessere Steigleistung und größere Dienstgipfelhöhe. Unterversionen IIA und IIB nach Bewaffnung, wie bei der Spitfire F.I. Unterversion IIC als Bezeichnung für 50 nachträglich in unbewaffnete Seenotrettungsflugzeuge umgerüstete Spitfire F.II. Später auch als ASR.II bezeichnet.

Type 330, Spitfire F.III: Verbesserte Ausführung mit Merlin XX (1240 PS), verkürzten Flügeln und einziehbarem Heckrad. Äußere Panzerglasscheibe zur Widerstandsverminderung ins Cockpitinnere verlegt. Diese Version ging nicht in Serie, viele Merkmale wurden aber später verwendet.

Type 337, Spitfire F.IV: Zur Abwehr von Tiefflugangriffen der Focke-Wulf Fw 190 entwickelte Ausführung mit versuchsweise installiertem größerem Griffon-Triebwerk. Vorübergehend auch als Type 356 Mk 20 und Type 366 F.XII bezeichnet.

Type 349, Spitfire F.VA/VB/VC und LF.VA/VB/VC: In sechs Varianten produzierte Hauptserie mit neun Unterversionen für große und niedrige Höhen. Drei Flügelvarianten. Verbesserte Panzerung, Waffenbeheizung, druckbelüftete Tanks, Landescheinwerfer, metallbeplankte Querruder. Auch Tropenausführung mit Luftfilter. Halterungen für abwerfbare Zusatztanks.

Type 350, Spitfire F.VI: Druckkabinenversion der Mark VB, die auch in 12 200 Metern Flughöhe den Kabinendruck auf 9150 Metern Druckhöhe halten konnte (2 psi Druckdifferential). Druckdichtes Schott sowie druckdichte Kabelführungen und Seilzüge vom Cockpit. Merlin 47 mit 1415 PS und über eigene Welle angetriebener Marshall-Druckerzeuger. Später automatische statt manuelle Drucksteuerung und automatisches Kabinendruckventil. Am Boden abnehmbare, nicht gleitende Cockpithaube mit Notabsprengung. Verlängerte Flügelspitzen und Vierblattluftschraube für bessere Höhenleistung.

Type 351 und Type 360, Spitfire F.VII und HF.VII: Version mit Merlin 60 und Merlin 70 mit zweistufigem Turbolader als Nachrüstung vorhandener Rümpfe. Verlängerte Flügelspitzen und einziehbares Spornrad. Vergrößertes Seitenruder und größere Trimmfläche. HF.VII mit Merlin 71 und Bendix-Einspritzvergaser. Druckkabine wie Mark VI.

Type 359, Spitfire F.VIII, LF.VIII, HF.VIII: Nicht druckbelüftete VII mit Merlin 60 oder Merlin 70. Verlängerte, normale oder verkürzte Flügelspitzen. Häufig im Nahen und im Fernen Osten eingesetzt. Bei der RAAF Ersatz für ältere Mark V.

Type 361, Spitfire F.IX, LF.IX und HF.IX: Als Antwort auf die Focke-Wulf Fw 190 konzipierte Version mit barometrisch gesteuertem, zweistufigem Turbolader mit Ladeluftkühlung. Teilweise aus vorhandenen Mk-II- und Mk-V-Rümpfen umgebaut. Vorrichtungen zur Aufnahme von zwei zusätzlichen 113-kg-Bomben unter den Flügeln. Erstmals Verwendung eines kreiselstabilisierten MG-Visiers.

Type 366, Spitfire F.XII: Erste Ausführung mit einem Griffon-Triebwerk und Vierblattpropeller. Das gegenüber dem Merlin 61 voluminösere und längere Triebwerk verfügte über einen nur einstufigen Turbolader ohne Ladeluftkühlung. Vergrößertes Seitenruder und verkürzte Spannweite. Gute Tiefflugeigenschaften.

Type 379, Spitfire F. XIV, FR.XIV/XIV(e): Großserienausführung mit Griffon-65-Triebwerk mit zweistufigem Turbolader. Cockpithaube in Tropfenform. Auch zur Jagd auf deutsche V-1-Marschflugkörper eingesetzt.

Type 361, Spitfire LF.XVI: Ausführung mit amerikanischem Merlin 266 von Packard aus Detroit. Vergrößerte Tanks und Vollsichthaube. Tiefflugausführung mit verkürzter Spannweite.

Type 394, Spitfire F.XVIII/ FR.XVIII: Aufklärer mit vergrößerten Tanks. Letzte Ausführung mit den klassischen, strukturell verstärkten, elliptischen Tragflächen.

Type 356, Spitfire F. 21, 22, 23, 24: Vergrößertes Leitwerk wie bei Seafire, elektrisches 24-Volt-Bordnetz; geplante Mark 23 mit veränderten Flügelvorderkanten nicht mehr realisiert.

Neben der Jägerausführung waren die Fotoaufklärer die wichtigsten Versionen der Spitfire. Die erste Fotomission übernahm im November 1939 eine umgerüstete Spitfire I. Spätere Aufklärerversionen, häufig Umbauten, erhielten die Bezeichnung PR (Photographic Reconnaissance) vorangestellt, beispielsweise PR.IV, PR.VII (Mark V), PR.IX (Merlin 61 mit zweistufigem Lader), PR.X (Druckkabine),
PR.XIII, PR.XIX (Griffon 61).

Zu den interessantesten Sonderversionen der Spitfire gehören Kleinstserien mit Schwimmern der Mark I, Mark VB, Mark EB und LF.IXB für geheime britische Einsätze in Norwegen, Griechenland und Ägypten. Dagegen war der doppelsitzige Trainer T.8 und T.9 (auch Type 509 genannt) ein Landflugzeug.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 04/2012

flugrevue.de/Sebastian Steinke


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