02.10.2017
Erschienen in: 03/ 2012 Klassiker der Luftfahrt

Vom Prop zum JetSaab J 21R – Saabs erster Jet

Gleich bei seinem ersten Jagdflugzeug J 21 setzte Saab auf ein ungewöhnliches Konzept mit Schubpropeller und Doppelleitwerk. Mit Beginn der Jetära wurde die Maschine zum ersten schwedischen Düsenjäger weiterentwickelt. Da die J 21R über keine herausragenden Flugleistungen verfügte, war sie aber für die Flygvapnet nicht mehr als eine Zwischenlösung.

Am 10. März 1947 schrieb Testpilot Ake Sundén ein wichtiges Kapitel in der noch jungen Geschichte der Svenska Aeroplan Aktiebolaget (Saab). Vom Werksflugplatz in Linköping startete er zum Jungfernflug mit dem ersten strahlgetriebenen Flugzeug aus schwedischer Entwicklung. Das mit einem de Havilland Goblin ausgerüstete Jagdflugzeug J 21R war in weniger als eineinhalb Jahren entstanden.

Die flotte Realisierung des Projekts unter Leitung von Ragnar Härdmark  hatte allerdings einen einfachen Grund: Der neue Jäger basierte auf der propellergetriebenen J 21A, die seit 1945 in der Produktion stand. Die von Frid Wännström in nur zehn Tagen skizzierte Konstruktion mit Heckmotor und Doppelleitwerk eignete sich besonders für die Umrüstung auf die zukunftsträchtige Antriebsart.

Zunächst hatte man daran gedacht, die neue J-21-Version mit Strahlturbinen aus einheimischer Entwicklung auszurüsten. Sowohl Svenska Flygmotor als auch STAL Laval arbeiteten an entsprechenden Entwürfen. Schnell wurde jedoch klar, dass diese noch längst nicht serienreif waren. So beschloss man die Lizenzfertigung des Goblin und wies Saab im November 1945 an, dieses Aggregat mit möglichst geringem Aufwand in der J 21 unterzubringen. Erste Untersuchungen der Saab-Ingenieure. gingen davon aus, dass man etwa 80 Prozent des Ursprungsmusters übernehmen könnte.

Im Laufe der Detailkonstruktion stellte sich jedoch schnell heraus, dass wesentlich mehr Modifikationen notwendig waren. Vier noch nicht komplettierte J 21A-1 (Werknummern 21116, 21119, 21121 und 21123) wurden von der Montagelinie genommen und dienten als Basis für die Prototypen der J 21R (R = Reaktionsantrieb). Da das Goblin-Triebwerk mit seinem Axialverdichter eine deutlich größere Frontfläche als der DB-605B-Motor aufwies, musste der Rumpf hinter dem Brandschott völlig neu gestaltet werden. Der Übergangsbereich wurde dabei geschickt für die seitlichen Lufteinläufe genutzt.

Um dem gestiegenen Treibstoffverbrauch wenigstens einigermaßen gerecht zu werden, wurde der Behälter hinter dem Cockpit vergrößert und zusätzliche Tanks im inneren Flügelbereich untergebracht, wo sich zuvor die Kühler befunden hatten. Außerdem musste eine Heizung für das Ölsystem des Goblin eingebaut werden, das ansonsten den arktischen Temperaturen in Schweden nicht gewachsen gewesen wäre.

Strukturelle Änderungen betrafen insbesondere die Leitwerksträger, die vorbeugend gegen mögliche Schwingungsprobleme verstärkt wurden. Auch musste man das Höhenleitwerk aus dem heißen Abgasstrahl heraus nach oben verlegen. Für die höheren Geschwindigkeiten wurden zudem einige Wartungsklappen stärker ausgeführt. Das Hauptfahrwerk wurde um 20 Zentimeter nach vorn verlegt.

Aerodynamische Verfeinerungen beschränkten sich auf eine abgerundete Windschutzscheibe und eine widerstandsärmere Flügelvorderkante. Hinzu kamen kleine Bremsklappen auf Ober- und Unterseite und Änderungen am Klappensystem. Das Cockpit wurde ebenfalls den neuen Erfordernissen angepasst, zum Beispiel mit einer Machanzeige, besserem Visier sowie überarbeiteten Sauerstoff- und Funkgeräten.


WEITER ZU SEITE 2: Erprobung der J 21R

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