13.11.2017
Erschienen in: 01/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

Allwetterjägerde Havilland DH 112 Sea Venom

Die doppelsitzige de Havilland DH 112 Sea Venom („Meeresgift“) war der erste trägergestützte Allwetter-Strahljäger der Royal Navy. Sie gehört zur sehr erfolgreichen Familie der markanten de-Havilland-Jets mit Doppelleitwerksträger und war eine Weiterentwicklung der D.H. 100 Vampire.

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Mit der de Havilland Vampire war am 3. Dezember 1945, als erster Jet überhaupt, ein Exemplar auf dem britischen Träger HMS „Ocean“ gelandet. Die spätere und mit dem Ghost-Triebwerk deutlich stärker motorisierte Sea Venom basierte auf dem doppelsitzigen, landgestützten Nachtjäger Venom N.F. Mark 2 der Royal Air Force, dessen Prototyp mit der Kennung WP227auch bei den Marinefliegern erprobt worden war.

Der erste eigentliche Prototyp der Sea Venom N.F.20 war die WK376. Sie startete am 19. April 1951 zum Erstflug und begann am 9. Juli 1951 mit Trägerversuchen auf der HMS „Illustrious“. Das Flugzeug verunglückte allerdings nur ein Jahr später nach einem missglückten Katapult-Teststart in Farnborough. Erst der dritte Sea-Venom-Prototyp erhielt die endgültigen, für das Parken auf Flugzeugträgern hochklappbaren Flügel mit Zusatztanks an den Flügelspitzen. Die anfänglichen Flugtests zeigten Richtungsstabilitätsprobleme und ein, für normale Einsatzbedingungen, im Langsamflug zu anspruchsvolles Flugverhalten. Geänderte Leitwerke und vergrößerte Seitenruder verminderten diese Mängel.

Die ersten neun Serienflugzeuge mit der Bezeichnung Sea Venom F.A.W. Mark 20 wurden ab dem 26. März 1954 bei der 890. Squadron in Yeovilton, ohne die übliche Erprobungsphase, gleich regulär in Dienst gestellt. Bei den ersten Trägereinsätzen zeigten sich Probleme mit dem Fahrwerk und dem Fanghaken. So verunglückte die WM559 beim Decklandetraining auf der HMS „Albion“ nach dem Bruch ihres Fanghakens und rollte ins Meer. Die Schwierigkeiten mit der Mark 20 führten zur Kürzung des Auftragsloses auf 50 Flugzeuge. Die letzten zehn dieser Sea Venoms wurden bereits nach dem verbesserten Standard Mark 21 geliefert. Sie ähnelten der Venom N.F. Mark 3 der RAF und verfügten über ein Ghost-104-Triebwerk und ein verstärktes Fahrwerk. Für eine bessere Sicht im Landeanflug konnte der Pilot nun seinen Sitz nach oben ausfahren, wofür man eigens die obere Cockpithaube tropfenförmig ausgebeult hatte. Außerdem wurde ein Scheibenwischer installiert. Die Querruder waren nun hydraulisch verstärkt, und als Radar fand das moderne APS-57 der US-Jäger Banshee und Skynight Verwendung. Immerhin 168 Flugzeuge dieser Serie wurden geliefert, ab 1956 serienmäßig mit Martin-Baker-Mark-4-Schleudersitzen. Der restliche Bestand wurde damit nachgerüs­tet.

Ihre Feuertaufe erlebte die Sea Venom während des Suezkriegs 1956 mit fünf einsatzbereiten Staffeln im östlichen Mittelmeer. Am 1. November 1956 starteten Sea Venoms von den Trägern HMS „Albion“, HMS „Bulwark“ und HMS „Eagle“ zu Überraschungsangriffen auf ägyptische Flugplätze am Suezkanal. Zur besseren Erkennbarkeit als eigene Flugzeuge trugen sie dabei „Invasionsstreifen“ in Gelb und Schwarz an den inneren Flügeln. Die Sea Venom erwies sich als sehr vielseitig. So diente sie als Abfangjäger über Trägerverbänden und griff mit Raketen und Bordkanonen feindliche Stellungen am Boden an. Mit der WW281 ging nur eine Sea Venom verloren. Sie musste nach Flak-Treffern mit eingefahrenem Fahrwerk auf dem Deck der HMS „Eagle“ im Fangnetz landen und wurde danach ausgemustert.

Unterdessen entstand in England die nächste Version der Sea Venom, die F.A.W. Mark 22. Ihr Erstflug erfolgte am 2. Februar 1956. Sie erhielt ein Ghost-105-Triebwerk, dessen erhöhte Leistung ihr deutlich bessere Steigleistungen bescherte. Binnen zwölf Minuten konnte der Jäger nun von Meereshöhe auf 12 200 Meter Höhe klettern. Von dieser Serie wurden 39 Flugzeuge gebaut, weitere gebrauchte auf den verbesserten Standard nachgerüstet.


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Sebastian Steinke
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