31.01.2018
Erschienen in: 04/ 2015 Klassiker der Luftfahrt

JagdbomberRepublic F-84F Thunderstreak bei der Luftwaffe

Beim Wiederaufbau der Luftwaffe wurden nicht weniger als sechs Jagdbombergeschwader aufgestellt. Sie erhielten die Republic F-84F Thunderstreak, die zahlenmäßig zum wichtigsten Kampfjet der Anfangszeit in den späten 1950er Jahren wurde.

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Nachdem Deutschland im Mai 1955 in die NATO aufgenommen wurde, ging aus dem „Amt Blank“ im Juni offiziell das Bundesministerium für Verteidigung hervor. Es trieb nun den Aufbau der Bundeswehr mit Hochdruck voran. Obwohl die Planungen mehrfach nach unten korrigiert wurden, hieß dies für die Luftwaffe, innerhalb weniger Jahre vier Jagdgeschwader, sechs Jagdbombergeschwader, zwei Aufklärungsgeschwader und zwei Transportgeschwader aufzustellen.

Die Ausstattung dieser Einsatzverbände war nur mit der schnellen Lieferung von bewährten Mustern zu bewerkstelligen, wobei von vornherein für die 1960er Jahre ein Wechsel auf Kampfjets der neuesten Generation eingeplant wurde. Das Mutual Defense Assistance Program (MDAP) der Vereinigten Staaten spielte dabei eine entscheidende Rolle. Wie andere europäische Länder auch, erhielt daher die Luftwaffe die Republic F-84F Thunderstreak, und zwar nicht weniger als 450 Stück.

Die Maschinen wurden meist per Flugzeugträger verschifft, im Falle der Luftwaffe nach Bremerhaven. Dort trafen mit der USS „Tripoli“ (CVU-64) am 30. Oktober 1956 die ersten, in dicke Kunststoffhüllen verpackten  Thunderstreaks ein. Sie wurden per Lastkahn zum Flughafen Lemwerder gebracht, wo die Weserflug (zunächst Finanz- und Verwaltungsgesellschaft Weser mbH) mit der Entmottung, der technischen Überprüfung und dem Einfliegen betraut war. Von Lemwerder aus wurden die Maschinen dann zur Luftwaffe nach Fürstenfeldbruck überstellt. Nach einer gewissen Einarbeitungsphase schaffte die bald auf 800 Mitarbeitet angewachsene Belegschaft 30 bis 50 Flugzeuge pro Monat. Bei der Luftwaffe konnten solche Stückzahlen kaum bewältigt werden, denn zu Beginn mangelte es überall nicht nur an Einrichtungen, sondern vor allem an ausgebildetem Personal sowohl bei den Piloten als auch bei der Technik.

Keimzelle der Jagdbomberverbände war  die Waffenschule der Luftwaffe 30 in Fürstenfeldbruck. Sie übernahm am 13. November bei einer Feierstunde mit Verteidigungsminister Franz Josef Strauß und dem US-Botschafter James B. Conant offiziell ihre ersten 15 Thunderstreaks, die von der USAF aus den Vereinigten Staaten (Robins AFB) per Transportflugzeuge überführt worden waren. Zu diesem Zeitpunkt lief bereits die Ausbildung der ersten Gruppe von Luftwaffenpiloten mit Hilfe amerikanischer Fluglehrer. Erster Staffelkapitän war Major Gerd Barkhorn, mit 301 Abschüssen einer der erfolgreichsten Jagdflieger des Zweiten Weltkriegs.

Da der Luftraum um Fürstenfeldbruck mit dem Betrieb der Flugzeugführerschule „B“ schon stark ausgelastet war, wurde im Frühjahr 1957 entschieden, die WaSLw 30 nach Büchel in die Eifel zu verlegen. Dort hatten die Franzosen trotz Protesten der Bevölkerung einen neuen Platz hoch über der Mosel gebaut. Die Überführung von 72 F-84F erfolgte nach den notwendigen Vorarbeiten im Oktober 1957. Am 10. November öffnete der Verband den immer noch recht provisorischen Platz für einen Tag der offenen Tür. Bereits Anfang 1958 gab es eine weitere Planänderung: Die gesamte F-84F-Waffensystemausbildung sollte in die USA verlegt werden, und zwar zum 4510th Combat Crew Training Wing/4512th Combat Crew Training Squadron in Luke AFB, Arizona.

Bis 1964 wurden in Luke rund 830 deutsche Piloten ausgebildet, die um die 75 000 Stunden erflogen. Die WaSLw 30 wurde derweil zum 1. Juli 1958 in das Jagdbombergeschwader 33 umgewidmet. Erster Kommodore war Major Walter Krupinski, ebenfalls ein erfolgreicher Jagdflieger aus dem Zweiten Weltkrieg. Erste Aufgabe des JaboG 33 war das Training für den Einsatz von Atombomben (MK 7 am linken inneren Lastenträger). Es wurde von der 1. Staffel bis Ende Oktober 1958 in Fürstenfeldbruck durchgeführt, so dass ab 1959 eine nukleare Alarmrotte bereitgestellt werden konnte. Die erste NATO-Überprüfung in der Einsatzrolle „Nuclear Strike“ fand im September 1961 statt. Schon ab 1962 folgte dann die Umrüstung auf den Starfighter, wobei die letzten F-84F aber erst im August 1964 abgegeben wurden. Sie flogen ab Mai 1962 in einer speziell aufgestellten dritten Staffel.

Neben dem JaboG 33 hat auch das Jagdbombergeschwader 31 (später „Boelcke“) seine Wurzeln in der WaSLw 30, wo ab Herbst 1957 die Ausbildung der ersten Piloten durchgeführt wurde. Am 20. Januar 1958 brachte der zukünftige Kommodore, Major Barkhorn, die erste F-84F aus Büchel zum neuen Standort Nörvenich.


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