31.01.2018
Erschienen in: 04/ 2015 Klassiker der Luftfahrt

Jagdbomber (Teil 3) Hinter dem Eisernen Vorhang

Thunderstreaks der Luftwaffe machten durch versehentliche Flüge hinter die Ostgrenze der Bundesrepublik mehrmals unliebsame Schlagzeilen. So blieben zwei F-84F (DD-107 und DD-108), die am 22. Oktober 1959 um 9.16 Uhr in Memmingen zu einem Instrumentenübungsflug gestartet waren, wochenlang verschollen. Die beiden Flugzeugführer, Stabsunteroffizier Helmut Kraus und Unteroffizier Rolf Hofmann, hatten um 9.50 Uhr gemeldet, dass eine Maschine Schwierigkeiten mit der Sauerstoffanlage habe. Auf dem Rückweg unterlief ihnen ein gravierender Navigationsfehler. Sie hatten offenbar das Funkfeuer ihres Heimatplatzes mit dem in Grafenwöhr nahe der tschechischen Grenze verwechselt.

Ein Pilot berichtete später: „Ich glaubte über Memmingen zu sein, als ich durch die niedrige Wolkendecke auf die Tannenbäume stieß. Ich zog hoch, dann war schon Feuer an der Maschine, die Turbine lief nicht mehr. Ich habe den Schleudersitz betätigt. War nicht hoch genug für den Fallschirm, der sich kaum noch öffnen konnte. Da hing ich an einer Tanne, habe den Helm und die Sauerstoffmaske an den Ast gehängt und bin runtergeklettert. Dann suchte ich Menschen und sah braune Uniformen, die ich noch nie gesehen hatte. Jetzt erst merkte ich, dass ich wohl in der Tschechoslowakei war ...“ Die beiden Flugzeugführer wurden nach 41 Tagen Einzelhaft am 3. Dezember 1959 am Grenzübergang Waidhaus wieder den deutschen Behörden übergeben.

Der zweite Zwischenfall datiert vom 14. September 1961. Während der NATO-Übung „Check Mate“ flogen Feldwebel Pfefferkorn und Stabsunteroffizier Eberl vom JaboG 32 eine Angriffsmission nach Laon in Frankreich. Wegen eines falsch anzeigenden Kompasses und nicht korrekt vorhergesagter starker Westwinde (275 km/h in der Höhe) drifteten sie in dichter Bewölkung weit nach Osten. Als Rottenführer Pfefferkorn einen Notruf sendete, wurde er von der amerikanischen Flugsicherung in Berlin nach Tegel gelotst. Zum Glück konnten etwa 40 MiG-Jäger der Sowjets die beiden F-84F nicht erreichen.

Drei Tage vor der Bundestagswahl war die Angelegenheit eine peinliche Panne für die Bundeswehr. Verteidigungsminister Strauß verfügte deshalb die Ablösung von Oberstleutnant Siegfried Barth, dem damaligen Kommodore des Lechfelder Geschwaders. Diese von Luftwaffen-Inspekteur Kammhuber überbrachte „Bier-Order 61“ wurde jedoch im Februar 1962 vom zuständigen Wehrdienstsenat als rechtswidrig bewertet und aufgehoben.


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