27.11.2017
Erschienen in: 03/ 2014 Klassiker der Luftfahrt

Zum Erfolg verdammtPotez 840 - Eines der ersten Regionalverkehrsflugzeuge

Die fünfziger Jahre brachten ein Vielzahl von interessanten Flugzeugprojekten hervor. Französische Hersteller waren besonders ideenreich, um neue Märkte zu erschließen. Potez schickte die Potez 840 als Regional- und Geschäftsreiseflugzeug ins Rennen.

Der französische Flugzeughersteller Potez war ein traditionsreiches Unternehmen. 1919 gegründet, baute es eine Vielzahl von unterschiedlichen Flugzeugtypen für verschiedene Einsatzzwecke, vom zweimotorigen Jäger bis zum Verkehrsflugzeug. 1936 ging das Unternehmen im Rahmen der Verstaatlichung der französischen Luftfahrtindustrie in den Besitz der SNCAN über. Insgesamt fertigte das Unternehmen bis zur deutschen Besetzung 1940 rund 7000 Flugzeuge.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte Henry Potez an den Erfolg der Vorkriegsfirma anknüpfen und gründete in Argenteuil dazu ein neues Unternehmen mit dem Namen Société des Avions et Moteurs Henry Potez. Die französische Luftfahrtindustrie bestand in den fünfziger Jahren aus sehr vielen kleinen Firmen, die aber allein nicht überlebensfähig waren. Sie mussten sich zusammenschließen, um nicht unterzugehen. Potez kaufte deswegen Air Fouga, die Firma, die den Strahltrainer Fouga Magister entwickelt hatte. Das gemeinsame Unternehmen hieß ab 1958 Potez Air-Fouga.

Um neben dem militärischen Markt auch auf dem sich entwickelnden zivilen Markt Fuß zu fassen, entwickelte Henry Potez ab 1959 die Potez 840. Das Flugzeug war für den Transport von acht bis 24 Passagieren vorgesehen und wurde als Regionalverkehrsund Geschäftsreiseflugzeug angeboten. Es war zum Erfolg verdammt, denn das Projekt war so teuer, dass ein Scheitern der Potez 840 auch das Ende der ganzen Firma bedeutet hätte. Dieses Risiko ging Henry Potez ein.

Sein Konstruktionsteam entwarf ein viermotoriges Flugzeug mit einem schlanken Rumpf mit kreisrundem Querschnitt. Die trapezförmigen Tragfl ächen verfügten über einen Holm und je zwei Torsionskästen. Als Profil kam ein NACA 63 zum Einsatz. Im Flügel waren auf jeder Seite vier Tanks untergebracht, die insgesamt 1600 Liter Treibstoff aufnehmen konnten. Um das Gesamtgewicht des Flugzeugs niedrig zu halten, griffen die Konstrukteure zu einem Kniff, den sie von der Fouga Magister kannten: Die Dicke der Tragflächen-Beplankungsbleche nahm nach außen hin ab. In der Flügelwurzel waren die Aluminiumbleche noch zwei Millimeter dick, an den Flügelspitzen gerade noch 0,8 Millimeter. Tragflächen und Rumpf waren über vier Aufhängungspunkte miteinander verbunden. Das Leitwerk war konventionell ausgelegt. Der Tiefdecker wurde komplett aus Metall gefertigt.

Besonders auffällig an dem Flugzeug waren die großen, dreieckigen Kabinenfenster, von denen es auf jeder Rumpfseite sieben Stück gab. Eine Druckkabine sollte bei den Passagieren für angenehmes Reisen sorgen. Bei einer Reiseflughöhe von 6000 m hielt sie den Kabinendruck auf einem Wert, der dem Außendruck in 2500 m entsprach.

Bei den Triebwerken war die Wahl auf die Turboprops des Typs Tuboméca Astazou II gefallen, die eine Startleistung von 442 PS (329 kW) brachten. Die Auslegung als viermotoriges Flugzeug war bewusst gewählt worden, um den Betreibern und Passagieren eine möglichst hohe Sicherheit zu bieten, selbst wenn mal ein Antrieb ausfallen sollte.

Henry Potez hatte für die Serienfertigung der 840 von Anfang an auf Arbeitsteilung gesetzt. Das Potez-Werk am Flughafen Toulouse-Blagnac fertigte lediglich den Rumpf und übernahm die Endmontage der Flugzeuge. Die Produktion der Tragflächen war an den Flugzeugbauer Morane-Saulnier in Tarbes, rund 120 Kilometer südwestlich von Toulouse, vergeben. Die erste Potez 840 wurde Mitte April 1961 ohne großes Aufsehen aus der Halle gezogen und startete am 29. April in Toulouse zu ihrem Erstflug.


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Volker K. Thomalla


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