17.05.2017
Erschienen in: 04/ 2014 Klassiker der Luftfahrt

Paparazzi-JetVeteranen im Einsatz bei Boeing

Wenn bei Boeing ein Erstflug ansteht, sind zwei Oldies in der Luft, die dank einzigartiger Fähigkeiten modernere Nachfolger ausstechen.

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Rückkehr zum Boeing Field. Die Boeing-Testpiloten haben auch ein CT-133-Rating. Foto und Copyright: Boeing  

 

Flughafen Paine Field in Everett, eine halbe Stunde nördlich von Seattle: Am 21. März 2011 macht sich auf der Startbahn der erste Jumbo Jet der gestreckten Passagierversion, die Boeing 747-8 Intercontinental, zum Erstflug bereit. Doch bevor die beiden Boeing-Testpiloten im Jumbo ihre vier Schubhebel nach vorne schieben und Vollgas geben, sprechen sie sich per Funk mit ein paar fliegenden Kollegen ab, die man bisher nur als kleine Punkte am Horizont erkennt: zwei Boeing-eigene Canadair CT- 133 Mk III Silver Star.

Insgesamt 656 Stück wurden einst bei Canadair mit abweichenden Rolls-Royce-Nene-Turbojet-Triebwerken, statt des Allison J33, gebaut. Mitte der 90er Jahre waren die letzten Flugzeuge dieser Reihe bei der Royal Canadian Air Force ausgemustert worden.

Doch diese beiden kanadischen Lizenzbauten der Lockheed T-33 sind noch heute bei Boeing regelmäßig im Einsatz und begleiten alle Erst- und viele sonstige Testflüge. Ob für AWACS-Antennen-Modifikationen, die Erstflüge von Boeing 787-8 oder -9, neue Drohnenprogramme oder die jüngste Boeing-737-Militärversion P-8A, immer ist mindestens eine CT-133 dabei, häufig sogar beide zugleich.

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Bis zum sanften Aufsetzen in Everett begleitet diese CT-133 den Flug einer gestreckten Boeing 747-8F beim Testprogramm. Foto und Copyright: Boeing  

 

Die Doppelsitzer dienen hier als so genannte „Chase Planes“, als Verfolger. Sie begleiten ihre fliegende Kundschaft, um deren Flug zu beobachten und zu dokumentieren. Dafür ist neben einem
Testpiloten meistens noch ein „Scientific Photographer“, also ein wissenschaftlicher Fotograf, auf dem hinteren Sitz an Bord. Er fotografiert oder filmt den Prototyp und dessen Flugverhalten. Springen Luken auf oder vibrieren Verkleidungen im Flug? Treten Flüssigkeiten oder gar Rauch aus oder gibt es andere besondere Beobachtungen? Fährt das Fahrwerk korrekt ein und aus?

Um diese Fragen zu klären, kreisen die beiden „Chase Planes“ schon vor dem Erstflug nahe des Flughafens. Wenn der Erstflugkandidat am Boden sich im Funk startbereit meldet, positionieren sie sich im Langsamflug genauso hinter der Startbahn, dass sie schon das Anrollen und Abheben ihres „Kunden“ mit zunehmender Geschwindigkeit aus nächster Nähe begleiten und dokumentieren können. „Airborne pickup“ nennt man das durchaus anspruchsvolle Manöver.

In enger Formation, mit je einer CT-133 nahe jeder Flügelspitze, hebt der Jumbo ab. Für die kleinen Verfolger ist höchste Flugpräzision gefragt. Etwas zu dicht, und sie kommen in die gefährlichen Wirbelschleppen nahe der Flügelspitze; zu weit weg, und wertvolle Details könnten unbeobachtet bleiben.


WEITER ZU SEITE 2: CT-133 dient auch als eigene Testplattform

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Sebastian Steinke


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