30.11.2017
Erschienen in: 08/ 2017 Klassiker der Luftfahrt

Blériot XI & SlapstickOld Rhinebeck Aerodrome: Showtime für die Oldies

Old Rhinebeck Aerodrome im Hudson Valley nördlich von New-York – so ähnlich und doch so verschieden von der berühmten britischen Sammlung in Old Warden – bietet den Fans historischer Flugzeuge jedes Wochenende kurzweilige Unterhaltung.

Britisches Understatement gegen amerikanisches Entertainment, beides hat zweifelsohne seinen Reiz. Zwischen Juni und Oktober finden auf dem idyllischen Grasplatz im amerikanischen Bundesstaat New York seit mittlerweile fünf Jahrzehnten an jedem Wochenende Airshows statt, die nicht nur den interessierten Enthusiasten ansprechen, sondern in erster Linie Unterhaltung für die ganze Familie bieten.

Während samstags eher die Zeit für Edwardians und die Flugzeuge des Golden Age of Aviation ist, liegt sonntags der Fokus klar auf den Luftfahrzeugen des Ersten Weltkrieges mit inszenierter Geschichte um Sir Percy Goodfellow und dessen Braut Trudy Truelove, welche vom bösen Black Baron entführt wird, um ihr einen Kuss zu rauben. Auch wenn das in Slapstick-Manier in Szene gesetzte Spektakel nicht jedermanns Geschmack sein sollte: Spaß machen die Shows auf jeden Fall. Und ganz nebenbei kann man hier in Old Rhinebeck die seltenen Flugzeuge so nah wie sonst nur selten bestaunen.

Fotos für die Gäste

Zu den absoluten Highlights zählt ohne Frage die originale Blériot XI aus dem Jahr 1909, welche nach dem in Old Warden be­heimateten Exemplar das zweitälteste noch fliegende Luftfahrzeug der Welt ist! Auch die Vorführungen der Fokker-, Albatros- und Sopwith-Nachbauten sind – gerade wegen der Show­elemente – sehr beeindruckend. 100 Jahre alt ist in diesem Jahr die Curtiss Jenny der Sammlung geworden. Der etwas behäbige Doppeldecker war das erste in Großserie gebaute Flugzeug der Vereinigten Staaten und gehört somit sicher zu den wichtigsten Exponaten.

Einige der in den Anfangsjahren eingesetzten Flugzeuge befinden sich mittlerweile in der statischen Ausstellung. Aber in den letzten Jahren gab es nicht nur bei den freiwilligen Helfern von Old Rhinebeck einen Generationswechsel mit vielen jungen und engagierten Enthusiasten. Auch der Stamm an Vorführflugzeugen erhielt eine Frischzellenkur. So fliegen jetzt mehr und mehr der Reproduktionen des Konstrukteurs Brian Coughlin bei den Shows. Und auch der vor Monaten fertiggestellte Nachbau der Ryan NYP „Spirit of St. Louis“ dürfte für frischen Wind in Old Rhinebeck sorgen. Während des Besuches befand er sich noch in der Erprobung und blieb am Boden. Mittlerweile fliegt er aber regelmäßig und begeistert als größtes Flugzeug am Platz.

Nachdem alle wieder am Boden sind, werden noch Fotos gemacht. Man ahnt es schon: Percy Goodfellow und der Black Baron sind die Stars der Zuschauer, und die Flugzeuge dienen als Hintergrund. Passend, denn genau so hat schon Gründer Cole Palen vor beinahe 60 Jahren bei den Besuchern das Interesse an der historischen Luftfahrt geweckt.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 08/2017

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Stefan Schmoll
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