14.05.2018
Erschienen in: 02/ 2015 FLUG REVUE

Begleiter für die B-29Mischantrieb-Jäger Convair XP-81

Die Convair XP-81 war der erste Turboprop-Jäger der US Air Force. Trotz des Mischantriebs mit einem Strahltriebwerk blieben die Leistungen hinter den Erwartungen zurück. Das Programm wurde 1947 beendet.

Mit ihrer enormen Reichweite von mehr als 5000 Kilometern stellte die Boeing B-29 Superfortress die Jägerverbände der US Army Air Forces (USAAF) vor einige Herausforderungen. Die ersten Jetflugzeuge versprachen nicht einmal annähernd  eine entsprechende Reichweite. Um einen geeigneten Begleitjäger für den Einsatz im Pazifikraum zu entwickeln, erstellte das Militär im Jahr 1943 eine Spezifikation für ein Flugzeug mit Mischantrieb, das eine Reichweite von 2000 Kilometern, eine Flughöhe von 11 280 Metern und eine Geschwindigkeit von 800 km/h aufweisen sollte.

Um die geforderten Leistungen zu erreichen, erdachten die Konstrukteure der Vultee-Abteilung bei Convair unter Chefingenieur Charles Irvine die ungewöhnliche Kombination einer damals neuen Propellerturbine im Bug des Jägers mit einem I-40-Strahlantrieb von General Electric im Heck. Letztere sollte nur beim Start und im Luftkampf zum Einsatz kommen, während der treibstoffsparende TG-100-Turboprop, ebenfalls von GE, im Reiseflug für eine  Reichweite von 4000 Kilometern zu sorgen hatte.

Die Lufteinläufe für den Jetantrieb ordneten die Ingenieure auf dem Rumpf hinter dem Cockpit an. Der Turboprop erhielt die nötige Luft über eine Öffnung zwischen Motorverkleidung und Propellerspinner. Das vorgeschlagene Model 102 besaß eine vierblättrige Luftschraube, ein Fahrwerk mit Bugrad und ein elektrisches Enteisungssystem. Der Schleudersitz im druckbelüfteten Cockpit ähnelte dem in der Vultee XP-54 verwendeten Modell. Die Bewaffnung sollte aus sechs Browning-Maschinengewehren oder aus sechs 20-mm-Kanonen bestehen. Bomben oder Zusatztanks fanden an zwei Außenlaststationen unter der Tragfläche Platz.

Die USAAF bestellte schließlich am 11. Februar 1944 zwei Prototypen mit der Bezeichnung XP-81, die in Downey, Kalifornien, gebaut wurden. Allerdings kam es bei der Entwicklung des TG-100-Turboprops zu Verzögerungen. Zu allem Überfluss musste man die geplanten Flugversuche an einer modifizierten Curtiss C-46 Commando aufgeben,  da der Transporter bei einem Bodenunfall beschädigt worden war. Daher entschied sich Convair, bei der ersten XP-81 (Kennung 44-91000) zunächst einen von Packard gebauten Merlin V-1650-7 einzubauen, wie er auch in der North American P-51 Mustang flog.

Leistung bleibt hinter den Erwartungen zurück

convair-xp-81-boden

Die Flugerprobung der Convair XP-81 fand auf dem Flugplatz Muroc, der späteren Edwards AFB, statt. Foto: KL-Dokumentation  

 

Nach dem Transport zum Muroc-Flugplatz, der heutigen Edwards Air Force Base, startete der Jäger dort am 7. Februar 1945 zu seinem Erstflug. Die ersten Versuche zeigten bis auf eine unzureichende Seitenstabilität gute Flugeigenschaften. Eine Verlängerung des Seitenleitwerks um rund 38 Zentimeter und eine zusätzliche Stabilisierungsflosse schufen hier Abhilfe. Die zweite XP-81 (Kennung 44-91001) erhielt ab Werk ein höheres und abgerundetes Leitwerk sowie eine Bauchflosse. Trotz des Kolbenmotors erreichte die XP-81 eine Höchstgeschwindigkeit von Mach 0.74 und stieg in sieben Minuten auf eine Flughöhe von 9150 Metern.

Erst einige Monate nach dem Kriegsende war das TG-100 (Serienbezeichnung T31) verfügbar. Am 21. Dezember 1945 flog die XP-81 erstmals mit dem für sie vorgesehenen Antrieb und wurde damit zum ersten Turboprop-Flugzeug der USA. Die Ergebnisse waren allerdings ernüchternd, da die Leistung des General Electric T31 erheblich hinter den Erwartungen zurückblieb. Eigentlich hätten beide Antriebe zusammen die Leistung der Kolbenmotoren eines viermotorigen Bombers aufweisen sollen. Statt der geplanten 1716 Kilowatt kam das  T31 aber nur auf 1231 Kilowatt. Daher war der Jäger gerade einmal 50 km/h schneller als zuvor mit dem Merlin. Die USAAF stornierte die Bestellung über 13 YP-81-Vorserienmaschinen, die mit dem verbesserten J33-GE-5-Jet­trieb-werk anstelle des I-40 ausgestattet werden sollten. Angesichts des Endes des Zweiten Weltkriegs und der zwischenzeitlichen Erfolge der reinen Jets erschien ein Flugzeug mit Mischantrieb nicht mehr als sinnvoll. General Electric baute 28 Exemplare des Triebwerks, es kam auch in der XF2R-1 Dark Shark zum Einsatz. Ryan hatte das Flugzeug auf der Basis der FR-1 Fireball für die US Navy entwickelt. Wie die XP-81 verfügte es über einen Mischantrieb aus dem Turboprop und einem Jet. Auch diesem Muster war  kein Erfolg beschieden, und es blieb bei einem einzelnen Prototyp.

Die geplante Verwendung der beiden XP-81-Prototypen als Versuchsflugzeuge litt unter Problemen aufgrund von Propellervibrationen und Schwierigkeiten mit dem Ölsystem. So endete das Programm nach 69 Flügen und 42 Flugstunden am 9. Mai 1947. Ende der 40er Jahre wurden die Maschinen ausgeschlachtet und als Zielobjekte auf dem weitläufigen Gelände in Edwards abgestellt. Die Überreste kamen später ins Lager des Flight-Test-Museums auf der Edwards AFB. Nun warten sie im Depot des National Museum of the United States Air Force in Dayton, Ohio, auf eine Restaurierung.

Technische Daten

Convair XP-81

Hersteller: Vultee Field Division, Convair, Downey, USA
Typ: einsitziger Jäger
Antrieb: 1 General Electric XT31-GE-1 (TG-100) mit 1716 kW und 1 General Electric I-40 (J33) mit 16,67 kN
Länge: 13,67 m
Höhe: 4,27 m
Spannweite: 15,39 m
Flügelfläche: 39,48 m2
Leermasse: 5786 kg
max. Startmasse: 11 166 kg
Höchstgeschwindigkeit: 792 km/h
Dienstgipfelhöhe: 10 820 m
Reichweite: 4023 km (geplant)
Bewaffnung: sechs 12,7-mm-MGs oder sechs 20-mm-Kanonen, zwei 453-kg-Bomben unter der Tragfläche

FLUG REVUE Ausgabe 02/2015

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Patrick Hoeveler


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