12.10.2017
Klassiker der Luftfahrt

Annäherung an eine Legende (Teil 5) Start der Bf 109

Messerschmitt Bf 109 (2004) Herzog_10 (JPG)

Die Leistungsentfaltung des Motors ist enorm. In nur sechs Sekunden beschleunigt der Jäger auf etwa 180 km/h und fliegt. Foto und Copyright: Frank Herzog  

 

Den Start vergleicht Sigi Knoll mit der Formel 1. Die Leistungsentfaltung des Daimler-Benz ist enorm. In nur sechs Sekunden beschleunigt der Jäger auf etwa 180 km/h und fliegt. Gefordert ist die volle Konzentration auf das Flugzeug. Für einen Moment will das Flugzeug wegen dem Motorbeschleunigungsmoment nach rechts ausweichen. Dann greift der Torque des drei Meter messenden Props zu und will das Flugzeug spätestens beim Abheben des Sporns kräftig nach links drehen.

„Dennoch ist die Sache gut beherrschbar, wenn gefühlvoll Leistung gesetzt wird“, sagt Sigi Knoll. Eichhorn setzt dabei zum Start gerne etwas versetzt und schräg zur Startlinie an, um noch etwas größeren Spielraum zum Aussteuern zu haben. Während die Albstädter die Startleistung mit 2600 U/min und einem Ladedruck von 1,3 ata benennen, begnügt er sich gerne mit 2300 U/min und 1,15 ata, was eigentlich laut Handbuch dem Powersetting für den Steigflug entspricht. „Das reicht satt.“

Obwohl die Bf 109 eine automatische leistungsabhängige Propellerregelung (kein Constant Speed) hat, erfolgt der Start mit manuell auf „zwölf Uhr“ gestelltem Prop. Die für Außenstehende seltsame Bezeichnung erklärt sich aus der Stellungsanzeige im Panel, die aus Gründen der Übersichtlichkeit wie eine Uhr aufgebaut ist. Auch die sonst automatisch thermostatgesteuerten Kühlerklappen sind jetzt noch im manuellen Modus ausgefahren. „Der Hauptgrund dafür ist, auszuschließen, dass eine der Klappen ungewollt schließt. Das wäre beim Start fatal“, erklärt Eichhorn. Für den Start steht die Trimmung leicht negativ auf „+1“, um einem Aufbäumen vorzubeugen. „Sie darf erst fliegen, wenn der Pilot es will“, erklärt Wilhelm Heinz. „Der Sporn darf dabei nicht zu hoch kommen, schon allein wegen der geringen Bodenfreiheit des Props von nur 17 Zentimetern.“ Mit etwa fünf Grad Anstellwinkel heben sie die Bf 109 ab.

„Für mich ist es sagenhaft, wie schnell die 109 im Steigflug weiter beschleunigt“, begeistert sich Sigi Knoll. Fahrwerk einfahren ist das nächste, dabei aber keinesfalls hochziehen. Schon bei einem halben g schafft es die Hydraulik nicht mehr, die Beine reinzuholen. Doch auch im Normalfall dauert es gut 30 Sekunden, bis die beiden roten Leuchten und zusätzlich zwei weiße Pins anzeigen, dass die Räder endlich in den Flächen verschwunden sind. Die Klappen werden per Handrad an der linken Bordwand eingekurbelt, die Prop- und Kühlerautomatiken können jetzt ebenfalls aktiviert werden.


WEITER ZU SEITE 6: Automatische Steuerung für Motor, Prop und Kühlung

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