29.09.2017
Klassiker der Luftfahrt

AufklärungsflugbootMartin PBM Mariner

Wegen ihrer Vielseitigkeit waren in den 1940er Jahren Aufklärungsflugboote für die US Navy sehr wichtig. Neben Curtiss und Convair schuf auch die Glenn L. Martin Company eine Reihe hervorragender militärischer Muster, deren erster Höhepunkt die Mariner war.

Bereits Ende der 1920er Jahre fertigte das in Baltimore, Maryland, beheimatete Unternehmen Patrouillenflugboote für die US Navy, bei denen es sich jedoch ausschließlich um Entwicklungen der Naval Aircraft Factory (NAF) in Philadelphia handelte. So entstand 1929 zuerst die PM-1, ein mit zwei 385-kW-Motoren (525 PS) ausgerüsteter Doppeldecker, von dem Martin 30 Exemplare baute. Ihr folgte die XPY-1, ein abgestrebter Hochdecker mit drei 450-PS-Motoren.

Die einzige Maschine dieses Typs führte über die XP2M-1 zu den zweimotorigen P3M-1 und P3M-2, von denen drei beziehungsweise fünf Exemplare gebaut wurden. Die Navy setzte sie ab 1931 für Aufklärungsflüge entlang der Küsten ein, allerdings mit wenig Erfolg, so dass die Maschinen schon nach nur einem Jahr wieder aus dem Dienst genommen wurden.

Mitte der dreißiger Jahre hatten die Ingenieure bei Martin genügend Erfahrungen mit dem Bau von Flugbooten gesammelt und vor allem deren Mängel gründlich analysiert. Eigentlich wollten sie sich daraufhin mit einem eigenen Entwurf an der lukrativen PanAm-Ausschreibung „China Clipper“ zur Entwicklung großer Passagierflugboote für den Transozeanverkehr beteiligen, für die sie den Entwurf ihres Modells 130 vorlegten. PanAm jedoch entschied sich für die größere Boeing 314, so dass sich die Glenn L. Martin Co. wieder dem Markt für Militärflugbooten zuwandte. Ihrer ersten, noch viermotorigen Eigenentwicklung gaben sie die Bezeichnung Model 162, und am 30. Juni 1937 bestellte die US Navy einen Prototyp XPBM-1 (PBM – Patrol Bomber, Martin).

Martins härtester Konkurrent um diese Ausschreibung, Consolidated, übte allerdings dahingehend Druck auf die Navy-Führung aus, dass der als unerfahren geltende kleine Betrieb erst einmal ein verkleinertes, einsitziges Model 162A im Maßstab 1:4 bauen musste, für die Untersuchung der aero- und hydrodynamischen Eigenschaften des neuen Flugbootes und vor allem für die genaue Gestaltung des geplanten, zweistufigen Bootskörpers. Möglicherweise wäre ja Martin bereits daran gescheitert und Consolidated hätte den Auftrag doch noch bekommen. Das Testflugzeug „Tadpole Clipper“ war nur zweimotorig konzipiert und erreichte dennoch sehr gute Ergebnisse.

Auf der Grundlage dieser Tests gab die Navy bereits am 28. Dezember 1937 zwanzig Exemplare der Serienversion PBM-1 Mariner in Auftrag. Das fortschrittliche Ganzmetallflugzeug war als ebenfalls zweimotoriger, freitragender Schulterdecker mit Knickflügel, Endscheibenleitwerk und einziehbaren Stützschwimmern unter den Außenflügeln ausgelegt. Als Antrieb waren zwei luftgekühlte 14-Zylinder-Doppelsternmotoren Wright R-2600-6 Cyclone vorgesehen, die eine Startleistung von jeweils 1175 kW (1600 PS) auf verstellbare Dreiblatt-Metallluftschrauben übertrugen. Auf die ursprüngliche, viermotorige Auslegung hatte man dank der hervorragenden Testergebnisse und aus Kostengründen verzichtet.

Als Bewaffnung des siebensitzigen Flugbootes wurden ein 7,62-mm- und fünf 12,7-mm-MGs in Bug-, Rücken- und Seitenständen geplant; ein weiteres 7,62-mm-MG im Heck sollte erst in späteren Serienmaschinen eingerüstet werden. Vier 226-kg-Bomben schließlich konnten in den Schächten der langen Triebwerksgondeln mitgeführt werden.


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Matthias Gründer


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