24.08.2017
Erschienen in: 06/ 2012 Klassiker der Luftfahrt

Marineflieger (Teil 2) Kriegseinsätze

kl 08-2013 Fairey Firefly (02)

Trägerstart einer Firefly Mk 4. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

IN DIESEM ARTIKEL

Ab Oktober 1943 waren die ersten zwölf Firefly bei der 1770 Squadron in Yeovilton im Einsatz. Sie flogen von Marinefliegerhorsten und von Bord der HMS „Indefatigable“, wo sie im Sommer 1944 vor Norwegen auch gegen das deutsche Kriegsschiff „Tirpitz“ zum Einsatz kamen. Erst Firefly-Aufklärungsfotos sollen die finale „Tirpitz“-Attacke durch Lancaster-Bomber im November 1944 ermöglicht haben.

Die eigentliche Feuertaufe erlebte die britische Konstruktion bei Trägereinsätzen im Indischen Ozean. Dort gelangen im Januar 1945 Luft-Boden-Raketenangriffe auf strategisch wichtige Raffinerien der Japaner in Sumatra. Avenger und Firefly des Fleet Air Arm attackierten im Verbund die Industrieanlagen, die Avenger als Bomber, die Firefly als Raketenträger. Nach dem gleichen Muster erfolgte nach einem ersten Angriff auf die Raffinerie Pladjoe ein zweiter Angriff auf die Raffinerie Songei Gerong. Am 2. Januar 1945 war Leutnant D. Levitt mit dem Abschuss einer japanischen Nakajima „Oscar“ außerdem der erste Luftsieg einer Firefly gelungen.

Weitere Einsätze führten die Firefly über den Pazifik und bis über das japanische Festland. Erstmals flogen britische Flugzeuge direkt über Tokio. 

Bis Kriegsende wurden 658 Fireflys gebaut. Sie warfen direkt nach dem Ende der Kampfhandlungen Hilfsgüter über japanischen Kriegsgefangenenlagern ab. Schon mit dem Koreakrieg kehrte die Firefly nach Asien zurück: Die 827 Squadron war bis September 1957 von der HMS „Glory“ aus an Angriffen auf Küstenabschnitte und Schifffahrtsrouten beteiligt. 

1944, noch vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs also, wurde die Fairey Firefly zur verbesserten Version Mark 4 weiterentwickelt. Für eine bessere Rollrate sorgte eine kürzere Spannweite der Flügel. Die vorher ovalen Flügelspitzen waren nun eckig geformt. Außerdem verschwand der voluminöse Lufteinlauf des Kühlers am Bug. Er wurde durch zwei Kühler im Bereich des inneren Vorflügels ersetzt. Statt der Dreiblattluftschraube nutzte die Mark 4 eine Vierblattluftschraube von Rotol. Schließlich wurden zwei große, tropfenförmige Verkleidungen unter den Flügeln angebaut. Die linke Seite nahm einen zuvor im Rumpf eingebauten Zusatztank auf, die rechte Seite die bislang unter dem Rumpf montierte Radarantenne. 

Als Antrieb der seit Mai 1945 in Serie gebauten Mark 4 wurde nun der Griffon 74 verwendet. Mit einem zweistufigen Supercharger verbesserten sich die Höhenleistungen und die Spitzengeschwindigkeit der Firefly. Von 1947 bis 1950 wurde die Mark 5 produziert. Sie wurde mit einer Zusatzausrüstung, darunter den damals neuen Sonarbojen, für spezielle Aufgaben optimiert. Die Firefly F.R. 5 war ein Tagjäger und Aufklärer, die N.F. 5 der entsprechende Nachtjäger, die A.S. 5 ein U-Boot-Jäger. Erst ab 1949 erhielten die zum Parken nach hinten schwenkbaren Flügel der Firefly einen hydraulischen Antrieb.

Im Koreakrieg kam neben der älteren Firefly Mark 1 auch die Mark 5 zum Einsatz. Die modernisierte Version überzeugte durch ihre hohe Einsatzzuverlässigkeit. So wurden bei den ersten Einsätzen vom britischen Träger HMS „Theseus“ aus keine größeren technischen Störungen registriert, die längere Reparaturen erfordert hätten. Außerdem gelangen 1300 Trägerlandungen in Folge ohne jeden Schaden oder Zwischenfall, so dass die durchschnittlichen täglichen Einsatzraten von 60 auf 120 Flüge pro Träger verdoppelt werden konnten. Unterdessen zeichnete sich 1951 mit der Mark 6 die nächste Version ab: Die A.S. 6, ohne Bordkanonenbewaffnung, war alleine auf die U-Boot-Jagd ausgelegt. Eine Stückzahl von 161 gebauten Flugzeugen dieser Version spricht für deren Leistungen. Die Mark 6 blieb sogar länger im Dienst als die erst kurz danach erscheinende Mark 7 mit wieder voller Spannweite, aber modifizierter Flügelform. Ende 1957 verschwand diese letzte gebaute Variante, eine dreisitzige Übergangslösung vor dem Erscheinen der Fairey Gannet, wieder aus dem Dienst, ohne jemals Kampfeinsätze erlebt zu haben.


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Sebastian Steinke
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