27.01.2018
Erschienen in: 05/ 2012 Klassiker der Luftfahrt

Mach-2-JägerLockheed F-104G Starfighter

Der schlanke, raketenartige Starfighter F-104G gehört mit seinen kurzen und extrem dünnen Tragflächen zu den spektakulärsten Entwürfen von Lockheed-Konstrukteurslegende Clarence Leonard „Kelly“ Johnson.

kl 05-2012 Lockheed F-104 Starfighter (01)

Diese amerikanischen F-104C-Jagdbomber tragen Übungs-Atombomben an den mittleren Rumpfaufhängungen. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Der avantgardistische Mach-2-Jäger entstand auf persönliche Initiative Johnsons hin, der nach Gesprächen mit amerikanischen Militärpiloten in Korea ab Ende 1951 ein Model L-246 als leichten, einstrahligen Überschall-Tagjäger konzipierte.

Daraus wurde das Lockheed Model 83 beziehungsweise Weapon System 303A der USAF. Am 5. März 1954 startete Testpilot Tony LeVier mit der ersten XF-104 in Edwards AFB zum Jungfernflug, der, wie auch der zweite Flug, wegen Fahrwerksproblemen verkürzt wurde. Weil das spätere Serientriebwerk, das von Gerhard Neumann bei General Electric konstruierte J79 noch nicht verfügbar war, trieb anfangs ein von Buick gebautes Wright J65-B-3, ein Nachbau des britischen Armstrong-Siddeley Sapphire, ohne Nachbrenner die Prototypen an. Schon damit schaffte die XF-104 Überschallgeschwindigkeit. Die leicht verlängerte YF-104 konnte dann endlich das J79 nutzen und erreichte am 28. Februar 1956 erstmals Mach 2.

Die US Air Force bestellte die F-104 zuerst für ihr Air Defense Command als einsitzigen Abfangjäger F-104A (damaliger Stückpreis 1,7 Mio. Dollar), mit der doppelsitzigen Trainerversion F-104B sowie für ihr Tactical Air Command als einsitzigen Jagdbomber F-104C, mit der doppelsitzigen Trainerversion F-104D.

Ab Ende 1956 folgte auch noch eine Aufklärerversion, die RF-104A mit der inoffiziellen Bezeichnung „Stargazer“. Ab 1958 wurde der Starfighter in Dienst gestellt. Zu den Kinderkrankheiten gehörten Probleme  mit den frühen Triebwerksversionen J79-GE-3 und J79-GE-3A und mit der Integration der Vulcan-Bordkanone. Außerdem galt der wegen seiner großen Geschwindigkeit und Steigleistung bei seinen Piloten durchaus beliebte Jäger und Jagdbomber als fliegerisch sehr anspruchsvoll.

Im Notfall mussten sich die Piloten der frühen Versionen mit dem als unzuverlässig geltenden C-2-Schleudersitz noch nach unten ausschießen. Bei der regulären Landung halfen ausfahrbare Vorflügel und eine Grenzschichtbeeinflussung durch mit Zapfluft angeblasene Landeklappen, die Anfluggeschwindigkeit zu senken. Bei Triebwerksausfall konnte der Pilot eine Staustrahlturbine ausfahren, um Notelektrik und Nothydraulik anzutreiben, doch eine glatte Landung im Gleitflug war nahezu ausgeschlossen. Allerdings war Testpilot LeVier schon 1954, nach einer Explosion der Bordkanone bei einem Testflug, ein immerhin 80 Kilometer langer Gleitflug mit sauberer Landung gelungen. Bis 1961 verzeichnete die US Air Force bereits 49 Abstürze.

Während die Abfangjägerversionen des Starfighters in den USA bald an untergeordnete Reserveverbände abgegeben wurden und die USAF ihre geplanten Bestellungen halbierte, erlebte die Jagdbomberausführung in Vietnam ihre Feuertaufe. Von 1965 bis 1967 wurde sie zum Schutz von viermotorigen Aufklärungsflugzeugen vom Typ Lockheed EC-121 Warning Star und zur Luftnahunterstützung eingesetzt. Eine geplante weitere Einsatzrolle als in größeren Höhen fliegender Begleiter tief fliegender F-105-„Wild Weasel“-Radarstörer wurde nach schweren Verlusten durch Raketenbeschuss wieder aufgegeben.


WEITER ZU SEITE 2: Hohe Absturzquote lag im damaligen Rahmen

1 | 2 | 3 |     
Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
Sebastian Steinke


Weitere interessante Inhalte
Begleiter für die B-29 Mischantrieb-Jäger Convair XP-81

14.05.2018 - Die Convair XP-81 war der erste Turboprop-Jäger der US Air Force. Trotz des Mischantriebs mit einem Strahltriebwerk blieben die Leistungen hinter den Erwartungen zurück. Das Programm wurde 1947 … weiter

Canberra made in USA Martin B-57 - Lizenzbau und Weiterentwicklung in Baltimore

11.05.2018 - Ursprünglich als schnelle Lösung für den Koreakrieg gedacht, kam die B-57 letztlich erst in Vietnam zum Einsatz. Martin entwickelte den englischen Bomber mit neuem Cockpit weiter und baute auch eine … weiter

Century-Series Convair F-106 Delta Dart – Cadillac der Lüfte

09.05.2018 - Die Convair F-106 Delta Dart gilt als eines der elegantesten Kampfflugzeuge und war bei ihren Piloten als „Cadillac der Lüfte“ sehr beliebt. Fast drei Jahrzehnte sorgte sie bei US Air Force und US Air … weiter

Kriegsende Das Ende der Luftwaffe – April und Mai 1945

08.05.2018 - Ohne Flugzeuge, Ersatzteile, Munition und Treibstoff sah die Luftwaffe spätestens ab Anfang April 1945 ihrem Ende entgegen. Trotzdem flogen Piloten noch bis zuletzt Einsätze gegen die Alliierten. Die … weiter

Fotodokumente Consolidated B-24 Liberator im Einsatz über Europa

03.05.2018 - Die von der Consolidated Aircraft konstruierte B-24 Liberator war mit über 18 000 Exemplaren das meistgebaute amerikanische Militärflugzeug. … weiter


Klassiker der Luftfahrt 04/2018

Klassiker der Luftfahrt
04/2018
09.04.2018

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- 100. Todestag: Manfred von Richthofen
- Hitler Attentat: An Bord mit von Stauffenberg
- Kanadisches Fliegerass George Beurling
- Grumman FM-2 Wildcat
- Spitfire PR XI