04.10.2017
Klassiker der Luftfahrt

Der schnellste Jäger der USA (Teil 4) Forschung für künftige Überschall-Airliner

kl 02-2009 lockheed yf-12a (4)

Aufgrund der großen Flughöhen konnten die Besatzungen nur in speziellen Druckanzügen fliegen. Die YF-12A befand sich bis Oktober 1979 in Dienst bei der NASA, nachdem sie als Jäger nicht in Serie gegangen war. Foto und Copyright: NASA  

 

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Trotz dieser Erfolge hatte der Jäger keine Chance, denn Verteidigungsminister Robert McNamara war auch angesichts der hohen Kosten des Vietnamkriegs gegen die Produktion des Jägers und stoppte mehrfach den Fluss der vom Kongress genehmigten Geldmittel für den Bau der F-12B. Während einer Anhörung des Senatskomitees für Verteidigung entschieden die Politiker, dass das Luftverteidigungskommando zurückgestuft werden sollte. Damit galt die F-12 als überflüssig. Am 5. Januar 1968 informierte die Air Force Lockheed, dass das Programm zu beenden sei. Die drei Jets wurden eingelagert, wobei der hintere Teil des bei einer Landung beschädigten ersten Prototyps dazu diente, einen weiteren Blackbird-Doppelsitzer zu bauen, die SR-71C. Hughes entwickelte derweil das Radar und den Flugkörper weiter. Sie fanden später in Form des AWG-9 und der AIM-54 Phoenix in der Grumman F-14 Tomcat eine Serienanwendung.

Auch für die YF-12A gab es eine Zukunft. Am 18. Juli 1969 gaben die NASA und die US Air Force ein gemeinsames Forschungsprogramm bekannt. Zu diesem Zweck wurden die zwei verbliebenen Maschinen wieder entmottet. Die „935“ startete am 11. Dezember 1969 zu ihrem ersten Flug im Rahmen des Programms. Während die USAF vor allem die MiG-25 für Luftkampfstudien simulierte, hoffte die NASA im zweiten Teil des Programms, Erkenntnisse über den konstanten Reiseflug mit Mach 3 in Höhen um 23 Kilometer zu erlangen, die dem damals geplanten Überschallverkehrsflugzeug zugute kämen. Die Untersuchungen konzentrierten sich vor allem auf die dabei entstehenden Temperaturen und aerodynamischen Belastungen. Im Antriebsbereich analysierten die Forscher das Verhalten des Luftstroms am Lufteinlauf und im Triebwerk selbst. Die NASA-Piloten Fitzhugh Fulton Jr. und Donald Mallick hatten zuvor die XB-70 geflogen. Am 24. Juni 1971 riss bei der YF-12A „60-6936“ eine Treibstoffleitung, so dass im rechten Triebwerk ein Feuer ausbrach. Die Besatzung, diesmal von der USAF, rettete sich mit ihren Schleudersitzen. Ersatz kam in Form der YF-12C, bei der es sich in Wahrheit um eine SR-71A handelte. So wollte man wohl den Betrieb der Aufklärerversion bei der NASA verschleiern.

In der Tat erweiterte die YF-12A die Forschungsmöglichkeiten erheblich. Das Programm sollte eigentlich 1977 beendet werden, doch die NASA nutzte noch Restgeldmittel, um bis 1979 fliegen zu können. Die letzte Mission erfolgte dann am 21. Oktober 1979. Insgesamt absolvierte der ehemalige Jäger 297 Flüge und rund 450 Stunden. Am 7. November 1979 überführte die USAF die „60-6935“ ins Museum nach Dayton, Ohio, wo sie bis heute in einem Nebengebäude zwischen anderen exotischen Forschungsflugzeugen ausgestellt ist.


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Patrick Hoeveler


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