07.12.2017
Erschienen in: 07/ 2012 FLUG REVUE

Kolibri mit JetantriebLockheed XV-4 Hummingbird

Die XV-4 war das erste Flugzeug der Welt, das senkrecht starten konnte, obwohl seine Masse höher als der zur Verfügung stehende Schub war. Ein ausgeklügeltes Düsensystem im Rumpfinneren machte dies möglich.

Die Lockheed XV-4 Hummingbird (Kolibri) machte ihrem Namen alle Ehre. Das fand zumindest Testpilot Glen Gray: „Wenn man die Gashebel bedient, zweifelt man keinen Augenblick daran, dass der kleine Vogel in der Lage ist, sofort in jede beliebige Richtung loszustürmen.“ Im Vordergrund stand das Prinzip des erhöhten Massendurchsatzes für den Schwebeflug (Augmented Jet Ejector Vertical Lift). Dabei leiten Düsen die Triebwerksgase in Mischkammern im Flugzeugrumpf um. Aufgrund der hohen Gasgeschwindigkeit entsteht dort ein Unterdruck, so dass durch Öffnungen von oben Außenluft eingesaugt wird. Auf diese Weise erhöht sich der Massestrom und damit der Schub. Seit 1956 hatte Lockheed in Marietta, Georgia, auf eigene Kosten Versuche mit einem solchen Ejektorsystem durchgeführt.

Zur Erprobung des neuen Konzeptes schlug der Flugzeugbauer der US Army schließlich die GL-224-14 vor, einen zweisitzigen Mitteldecker zur Gefechtsfeldüberwachung. Die Forschungsabteilung der US Army (US Army Transportation Research Command, TRECOM) zeigte sich interessiert, bestellte im Juli 1964 aber nur zwei reine Forschungsflugzeuge ohne militärische Ausrüstung im Gesamtwert von 2,5 Millionen Dollar. Sie erhielten die Bezeichnung VZ-10 (später in XV-4 geändert) und die Kennungen 62-4503 und 62-4504. Zur gleichen Zeit arbeiteten General Electric und Ryan ebenfalls im Auftrag der Army an der XV-5, die sich auf einen Lift-Fan konzentrierte.

Projektingenieur bei Lockheed war Albert Mooney, Gründer der gleichnamigen Flugzeugfirma, die er zuvor verlassen hatte. Beim Entwurf hatten die Konstrukteure einige Herausforderungen zu bewältigen, denn um eine ausreichende Schuberhöhung zu erreichen, musste die Mischkammer eine entsprechende Größe aufweisen. Daher wählten sie einen kastenförmigen Rumpfquerschnitt. Direkt hinter dem Cockpit mit nebeneinander angeordneten Schleudersitzen schloss sich das Rumpfmittelstück an. In dessen Oberteil waren die aus Titan und Edelstahl bestehenden Ejektorleitungen platziert, deren hohes Gewicht nur schwer zu kompensieren war. Darunter befanden sich zwischen den Austrittsschächten drei Treibstofftanks.


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Patrick Hoeveler
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