16.10.2017
Erschienen in: 07/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

Pionier der GeschäftsreiseLockheed CL-329 JetStar: Einer der ersten Business-Jets

Die Lockheed CL-329 JetStar entstand aus einer Forderung der US Air Force nach einem strahlgetriebenen Verbindungsflugzeug. Doch die erhofften militärischen Aufträge blieben aus. Das Flugzeugmuster war dennoch als Geschäftsreisejet erfolgreich und ist einer der Pioniere in diesem Segment der Luftfahrt.

Das Verbindungs- und Geschäftsreiseflugzeug Lockheed JetStar ist einer der ersten Business-Jets der Welt. Er entstand aus einer Forderung der US Air Force heraus, die zur Standardisierung ihrer Flotte ein neues Verbindungsflugzeug suchte. Nach dem Zweiten Weltkrieg betrieben die US-Streitkräfte eine ganze Palette von unterschiedlichen Propellermustern in dieser Rolle. Es war absehbar, wann diese Weltkriegsmuster außer Dienst gestellt werden mussten. Deswegen wollte die US Air Force (USAF) pünktlich Ersatz haben. Am 1. August 1956 schrieb sie deshalb zwei Wettbewerbe aus: Einer mit der Bezeichnung UTX (Utility Trainer Experimental) war für einen Jettrainer, der zweite mit dem Akronym UCX (Utility Cargo Experimental) für ein leichtes Transport- und Verbindungsflugzeug.

Für die Hersteller hatte die Sache allerdings einen Haken, denn die USAF stellte klar, dass sie sich weder an den Entwicklungs- noch an den Konstruktionskosten beteiligen wollte. Sie winkte aber mit einem Auftrag von bis zu 300 Flugzeugen. Angesichts dieser attraktiven Stückzahl gab es kaum einen US-Hersteller, der sich nicht an dieser Ausschreibung beteiligte.

Die Lockheed Corporation war damals noch in Burbank, Kalifornien, beheimatet. Sie schickte ihren besten Konstrukteur, Clarence L. „Kelly“ Johnson, ins Rennen, den Gründer und Chef der so genannten Skunk Works. Johnson war für seine unkonventionellen Arbeitsmethoden bekannt. Am Tag, an dem er den Auftrag erhielt, die JetStar zu konstruieren, ließ er eine Tafel im Werk in Burbank anbringen: „Erstflug: 9:00 Uhr 4. September 1957“, also acht Monate nach der Auftragserteilung.

Kelly Johnson entwarf einen zweistrahligen Tiefdecker in Halbschalenbauweise mit Kreuzleitwerk. Sowohl die Tragflächen als auch das Leitwerk waren gepfeilt, die gesamte Struktur bestand, wie es damals üblich war, aus Aluminium. Die Triebwerke des Flugzeugs waren in Gondeln am Heck installiert. Als Antriebe wählten die Skunk-Works-Ingenieure das britische Turbojet-Triebwerk Bristol Siddeley Orpheus aus. Das Triebwerk war für leichte Militärflugzeuge wie die Folland Gnat und die Fiat G.91 entwickelt worden. Es war sehr kompakt gebaut und wurde in den Vereinigten Staaten von Curtiss-Wright in Lizenz gefertigt.

Das Volumen der Tanks in den Tragflächen war jedoch zu klein, um die Forderung der US Air Force nach einer Reichweite von 2775 Kilometern zu erfüllen. Johnson bestückte das Flugzeug daraufhin mit fest installierten Zusatztanks ungefähr in der Tragflächenmitte.

Die ersten beiden CL-329 JetStars – beides Prototypen – wurden in Burbank gebaut. Am 1. August 1957 feierte Lockheed das Roll-out des neuen Musters, um es anschließend per Landtransport zur rund 150 Kilometer entfernten Edwards Air Force Base zu bringen, wo die Flugerprobung stattfinden sollte.


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Volker K. Thomalla
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