14.02.2018
Erschienen in: 07/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

Pionier der GeschäftsreiseLockheed CL-329 JetStar: Einer der ersten Business-Jets

Die Lockheed CL-329 JetStar entstand aus einer Forderung der US Air Force nach einem strahlgetriebenen Verbindungsflugzeug. Doch die erhofften militärischen Aufträge blieben aus. Das Flugzeugmuster war dennoch als Geschäftsreisejet erfolgreich und ist einer der Pioniere in diesem Segment der Luftfahrt.

Das Verbindungs- und Geschäftsreiseflugzeug Lockheed JetStar ist einer der ersten Business-Jets der Welt. Er entstand aus einer Forderung der US Air Force heraus, die zur Standardisierung ihrer Flotte ein neues Verbindungsflugzeug suchte. Nach dem Zweiten Weltkrieg betrieben die US-Streitkräfte eine ganze Palette von unterschiedlichen Propellermustern in dieser Rolle. Es war absehbar, wann diese Weltkriegsmuster außer Dienst gestellt werden mussten. Deswegen wollte die US Air Force (USAF) pünktlich Ersatz haben. Am 1. August 1956 schrieb sie deshalb zwei Wettbewerbe aus: Einer mit der Bezeichnung UTX (Utility Trainer Experimental) war für einen Jettrainer, der zweite mit dem Akronym UCX (Utility Cargo Experimental) für ein leichtes Transport- und Verbindungsflugzeug.

Für die Hersteller hatte die Sache allerdings einen Haken, denn die USAF stellte klar, dass sie sich weder an den Entwicklungs- noch an den Konstruktionskosten beteiligen wollte. Sie winkte aber mit einem Auftrag von bis zu 300 Flugzeugen. Angesichts dieser attraktiven Stückzahl gab es kaum einen US-Hersteller, der sich nicht an dieser Ausschreibung beteiligte.

Die Lockheed Corporation war damals noch in Burbank, Kalifornien, beheimatet. Sie schickte ihren besten Konstrukteur, Clarence L. „Kelly“ Johnson, ins Rennen, den Gründer und Chef der so genannten Skunk Works. Johnson war für seine unkonventionellen Arbeitsmethoden bekannt. Am Tag, an dem er den Auftrag erhielt, die JetStar zu konstruieren, ließ er eine Tafel im Werk in Burbank anbringen: „Erstflug: 9:00 Uhr 4. September 1957“, also acht Monate nach der Auftragserteilung.

Kelly Johnson entwarf einen zweistrahligen Tiefdecker in Halbschalenbauweise mit Kreuzleitwerk. Sowohl die Tragflächen als auch das Leitwerk waren gepfeilt, die gesamte Struktur bestand, wie es damals üblich war, aus Aluminium. Die Triebwerke des Flugzeugs waren in Gondeln am Heck installiert. Als Antriebe wählten die Skunk-Works-Ingenieure das britische Turbojet-Triebwerk Bristol Siddeley Orpheus aus. Das Triebwerk war für leichte Militärflugzeuge wie die Folland Gnat und die Fiat G.91 entwickelt worden. Es war sehr kompakt gebaut und wurde in den Vereinigten Staaten von Curtiss-Wright in Lizenz gefertigt.

Das Volumen der Tanks in den Tragflächen war jedoch zu klein, um die Forderung der US Air Force nach einer Reichweite von 2775 Kilometern zu erfüllen. Johnson bestückte das Flugzeug daraufhin mit fest installierten Zusatztanks ungefähr in der Tragflächenmitte.

Die ersten beiden CL-329 JetStars – beides Prototypen – wurden in Burbank gebaut. Am 1. August 1957 feierte Lockheed das Roll-out des neuen Musters, um es anschließend per Landtransport zur rund 150 Kilometer entfernten Edwards Air Force Base zu bringen, wo die Flugerprobung stattfinden sollte.


WEITER ZU SEITE 2: Auftrag der US Air Force

1 | 2 | 3 | 4 | 5 |     
Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
Volker K. Thomalla


Weitere interessante Inhalte
Begleiter für die B-29 Mischantrieb-Jäger Convair XP-81

14.05.2018 - Die Convair XP-81 war der erste Turboprop-Jäger der US Air Force. Trotz des Mischantriebs mit einem Strahltriebwerk blieben die Leistungen hinter den Erwartungen zurück. Das Programm wurde 1947 … weiter

Canberra made in USA Martin B-57 - Lizenzbau und Weiterentwicklung in Baltimore

11.05.2018 - Ursprünglich als schnelle Lösung für den Koreakrieg gedacht, kam die B-57 letztlich erst in Vietnam zum Einsatz. Martin entwickelte den englischen Bomber mit neuem Cockpit weiter und baute auch eine … weiter

Century-Series Convair F-106 Delta Dart – Cadillac der Lüfte

09.05.2018 - Die Convair F-106 Delta Dart gilt als eines der elegantesten Kampfflugzeuge und war bei ihren Piloten als „Cadillac der Lüfte“ sehr beliebt. Fast drei Jahrzehnte sorgte sie bei US Air Force und US Air … weiter

Kriegsende Das Ende der Luftwaffe – April und Mai 1945

08.05.2018 - Ohne Flugzeuge, Ersatzteile, Munition und Treibstoff sah die Luftwaffe spätestens ab Anfang April 1945 ihrem Ende entgegen. Trotzdem flogen Piloten noch bis zuletzt Einsätze gegen die Alliierten. Die … weiter

Fotodokumente Consolidated B-24 Liberator im Einsatz über Europa

03.05.2018 - Die von der Consolidated Aircraft konstruierte B-24 Liberator war mit über 18 000 Exemplaren das meistgebaute amerikanische Militärflugzeug. … weiter


Klassiker der Luftfahrt 04/2018

Klassiker der Luftfahrt
04/2018
09.04.2018

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- 100. Todestag: Manfred von Richthofen
- Hitler Attentat: An Bord mit von Stauffenberg
- Kanadisches Fliegerass George Beurling
- Grumman FM-2 Wildcat
- Spitfire PR XI