27.09.2017
Klassiker der Luftfahrt

Staustrahl-Versuchsflugzeuge aus Frankreich (Teil 2) Erster Start im Mistel-Gespann

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Die Leduc 021 musste, als diese Aufnahme 1953 in Brétigny entstand, wie ein Requisit aus einem Science-Fiction-Film angemutet haben. Foto: KL-Dokumentation  

 

Ein weiterer Staustrahl-Pionier aus Frankreich war René Leduc. Er hatte ab 1929 an Staustrahlantrieben gearbeitet und konnte im Jahr 1935 einen kleinen Testantrieb fertigstellen. Aufgrund der positiven Ergebnisse entwickelte er für das französische Luftfahrtministerium ein entsprechendes Flugzeug, das zum Zeitpunkt der deutschen Besatzung Frankreichs fast fertig war. Leduc rettete Teile davon und versteckte sie in einem Schuppen in Toulouse. Erst nach Kriegsende konnte er schließlich seine Arbeit fortsetzen. Die Entwürfe sahen allesamt Flugzeuge vor, die quasi aus einem Rohr mit Tragflächen bestanden und bald den Spitznamen „fliegende Lötlampen“ bekamen.

Das Cockpit brachte Leduc in einer Art Behälter im runden Luftschacht an. Als Erstes stellte der Franzose die Leduc 010 fertig, deren Rumpfdurchmesser 2,76 Meter betrug. Insgesamt 500, in Ringen angeordnete Brenner entzündeten während des Flugs das Brennstoff-Luft-Gemisch, die sich zur Schubregelung ab- oder zuschalten ließen. Der Treibstoff war in den ungepfeilten Tragflächen untergebracht. Der Pilot stieg in sein Cockpit durch eine kleine Luke. Er saß praktisch in der Nase, und die Sichtverhältnisse waren sehr schlecht, und das bei einem Flugzeug, das in völlig unbekannte Flugbereiche vorstoßen sollte. Da sich der Pilot buchstäblich im Lufteinlauf befand, waren vorne am Rumpf Bullaugen angeordnet.

Ein Start aus eigener Kraft vom Boden aus war nicht möglich, da der Staustrahlantrieb hohe Eintrittsgeschwindigkeiten im Lufteinlauf erforderte. Daher diente eine Sud-Est SE.161 Languedoc, ein viermotoriges Verkehrsflugzeug, als Träger. Die Leduc wurde - ähnlich wie die deutschen Mistelgespanne während des Krieges - auf dem Rumpf mit Hilfe eines speziellen Gestells auf Höhe gebracht. Der Erstflug des ungewöhnlichen Duos erfolgte am 19. November 1946. Der erste Gleitflug der Leduc 010 fand allerdings erst am 21. Oktober 1947 mit Testpilot Jean Gonod am Steuer statt. Aufgrund einiger Verspätungen stand der erste Flug mit Einsatz des Ramjet-Antriebs am 21. April 1949 auf dem Programm. Das Forschungsflugzeug erreichte mit halber Kraft eine Geschwindigkeit von 724 km/h.


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Patrick Hoeveler


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